Reiseblog

2013 Vietnam

Tag 9

Ich war so platt, dass Boris mich nicht einmal zum Frühstück aus dem Bett bekommen hat. Viel hat das allerdings nicht gebracht, denn der heutige Tag ist mit Aktivitäten nur so vollgepackt. Nur 15 Minuten nach dem Frühstück erreichen wir schon die erste, die Sung Sot Höhle, was übersetzt so viel wie Höhle der Überraschung bedeutet.

Die Legende besagt, dass diese Höhle einst von einem Fischer entdeckt wurde, der Schutz vor einem Sturm suchte. Er war überrascht über die Größe der Höhle, deshalb der Name. Version 2, die uns unser Tuán, unser Guide erzählt ist die, dass er im inneren einen Fels fand, der wie der Finger einer Hand auf eine Stelle in der Decke deutete. Die dritte und letzte Version ist die, dass er erst eine Hand erkannte, doch als er näher hinschaute ein anderes männliches Körperteil in der Felsformation entdeckte. Was nun die größte Überraschung war, und weshalb die Höhle letztlich ihren Namen bekam bleibt wohl für immer ungeklärt.
Leider habe ich von dem “Surprise” an sich kein Foto gemacht, aber immerhin ist es mit auf dem Video. Hier nun also erst einmal ein Bild der Höhle an sich:

 

Nach der Höhle wechselten wir unser Boot, und wurden auf ein sehr viel kleineres und nicht annähernd so luxuriöses Tagesboot gebracht. Die zwei Kanadier blieben auf unserem Boot und wurden zurück zum Hafen gebracht, da sie nur einen Zweitagestrip in der Ha Long Bucht gebucht hatten.
Kaum auf dem anderen Boot und fünf Minuten unterwegs stellte ich fest, dass ich dummerweise meine Videokamera auf dem anderen Boot vergessen habe. Tuán telefonierte sofort, und die Kamera wurde schon gefunden und für mich zur Seite gelegt. Puh. Das heisst aber leider auch, dass es von diesem Tag keine einzige Videoaufnahme für das YouTube Video gibt. Nun ja, zumindest nicht mit der guten Kamera, mit der Handycam habe ich trotzdem das wichtigste mitgenommen.
Nach der Verabschiedung unseres Gay-Paares und des Bootswechsels ging es weiter auf einen abgelegenen Teil der Zielinsel für heute Abend, Cat Ba, für eine kleine Fahrradtour.

Die Fahrräder… nun ja, sagen wir mal so, es hätte schlimmer kommen können. Es gab genau 2 „Mountainbikes“, die Boris und ich bekamen. Bei mir ging (zum Teil) die Schaltung, dafür konnte ich kaum bremsen, bei Boris war es umgekehrt. In der Theorie hatte er 17 Gänge, in der Praxis genau einen. Naja, dafür hatte er annehmbare Bremsen. Aber wie auch immer, wir haben hier schon Schlimmeres überlebt, also nix wie rauf auf die Bikes und ab dafür.
Es ging ungefähr 7km ins Inselinnere, zu einem kleinen Dorf. Die Häuser hier schienen relativ modern, eher Stadt- denn Landhäuser. Das Dorf an sich war auch nicht großartig sehenswert, dafür aber die Insel um so mehr. Der Weg führte zuerst an einer kleinen Bucht entlang, bevor er plötzlich einen steilen, kleinen Hügel hinauf ging und uns durch den tropischen Wald der Insel bis zu den Reisfeldern der Dorfbewohner brachte. Herrlich ruhig hier, Natur pur.

Zurück an Bord gab es erst einmal Mittagessen. Es wurden wieder diverse, endlos scheinende Gänge aufgetischt. Habe ich eigentlich erwähnt, dass das Essen auf dem Boot fantastisch ist?

Kaum das man uns das Dessert reichte, wurde auch schon wieder an einer kleinen Holzfloßinsel angelegt. Es sollte mit den Kanus zu einem kleinen, abgelegenen Strand gehen. Doch, oh weh, es gab nur ein einziges Kanu. Also hiess es erst einmal auf Kanus warten. Nach einer Dreiviertelstunde waren endlich genug Kanus organisiert und es konnte los gehen. Der Strand war nicht all zu weit weg, nur circa 2,5km. Abgelegen, voller Muscheln, direkt am türkisfarbenen Meer, mitten in der Ha-Long-Bucht, mitten im Nirgendwo.
Nichts wie aus aus dem Boot, rein ins Meer und treiben lassen. Herrlich im Urlaub!

Nach einem herrlichen Meer- und Sonnenbad am einsamen Strand ging es zurück zum Boot und direkt weiter nach Cat Ba, der Nationalpark-Insel mitten in Ha-Long-Bay.
Diese Nacht war ein Hotel auf der Insel für uns gebucht, unser Boot war ja schon wieder mit anderen Touristen unterwegs. Das Hotel entpuppte sich als Hochhaus direkt am Strand. Alle Balkone gingen hinaus in die Bucht und wir hatten eine fantastische Sicht auf den Sonnenuntergang.
Nach dem Abendessen mit dem australischen Lehrer-Ehepaar (die australischen Rentnerinnen hatten ein anderes (ungleich teurer aussehendes) Hotel gebucht und blieben für 2 Tage auf Cat Ba), gingen Boris und ich noch einmal in den Ort um einen Sundowner in irgendeiner netten Bar zu geniessen und uns ein bißchen Cat Ba Town anzusehen.
Der Ort ist komplett anders, als wir es bisher von Hanoi gewohnt sind. Wenig Verkehr, etwas verschlafen und überall Touristen. Wir sehen eine kleine Online-Zock-Internet-Café-Bude und ich komme auf die grandiose Idee mit Boris um unseren Sundowner zu zocken. Wir entscheiden uns für eine Runde Fifa. Wer verliert muss sowohl die Drinks, als auch die PCs bezahlen. Gesagt getan, wir starten Fifa online und………. Ähm ja…….. Das gesamte Menü ist natürlich auf Vietnamesisch. Nicht nur, dass ich mit Fifa online überhaupt nichts anfangen kann, es ist wohl eine Mischung aus Management eines eigenen Temas/Spielers und Fußball Simulation, die Menüs sind auch deutlich vielfältiger und verwirrender, als die des normalen Fifas. Aber wie wir schon gelernt, der hilfloser-Tourist-Blick zieht immer. Kaum sitzen wir völlig überfordert vor dem Bildschirm, kommt von hinten ein circa zehnjähriger Junge, loggt uns in irgendeinen Account ein, erstellt uns ein Spiel, wählt sogar die Mannschaften, die wir ihm sagen, nämlich Italien für meinen kleinen italienischen Reisekumpanen, und natürlich Deutschlands Nationalmannschaft für mich.

Eine halbe Stunde später sitzen wir in einer kleinen Bar am Meer und ich bezahle… Nun ja, was soll ich sagen, wäre mein Eigentor nicht gewesen….

Wir schlürfen gedankenverloren unsere Bierchen, als uns plötzlich ein Engländer anquatscht, David, der männliche Part des weltreisenden Pärchens aus dem Zug von Sa Pa nach Hanoi. Was für ein Zufall. Wir quatschen ein bißchen und stellen fest, dass wir die nächsten paar Tage so ziemlich die gleichen Reiseziele haben. Wir haben sogar morgen Abend denselben Zug von Hanoi nach Hue gebucht, wie die beiden. Nun ja, die werden wir wohl noch des Öfteren sehen in den nächsten Tagen. Schon lustig, ein wenig wie auf dem Jakobsweg hier, da trifft man auch alle naselang dieselben Leute. Aber nun ja, Vietnam ist ja auch nicht gerade breit und wenn man eben von Nord nach Süd unterwegs landet man zwangsläufig in denselben Städten.

Für uns blieb es bei dem einen Bier, waren doch Boris und ich beide noch zu Skype-Gesprächen nach Hause verabredet. Morgen geht es mit dem Boot zurück aufs Festland und Abends, nach einem kurzen Stop in Hanoi, direkt weiter ins 700km entfernte Hue, nach Zentral-Vietnam.

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