Reiseblog

2013 Vietnam

Tag 8

Das Frühstück kommt wie erwartet; viel zu früh. …habe ich eigentlich erwähnt, dass unser Frühstücksraum im zehnten Stock liegt und man von hier eine wunderbare Sicht über die Altstadt von Hanoi hat…? Wir hauen rein und machen uns abfahrbereit.

Heute geht es nach Ha Long Bay, auf eine dreitägige Bootstour, garantiert eines der Highlights in diesem Urlaub. Für den gesamten Trip, inklusive Vollverpflegung (7 Mahlzeiten) und aller Eintrittsgelder haben wir 170$ pro Person bezahlt. Wir sind gespannt was uns geboten wird. Unser Touristenführer Tuán scheint auf jeden Fall schon mal sehr nett zu sein und spricht, anders als der gestrige Guide, hervorragendes, gut verständliches Englisch.
Nach zweistündiger Busfahrt machen wir einen kurzen Stop an, oh Wunder, einem Touristenshop. Na, noch ne Keramikvase für 2000$? Oder doch lieber einen steinernen, mannshohen Löwen für den Vorgarten für 7000$?

Auch auf dieser Fahrt entrinnen wir bei ein paar Überholmanövern nur knapp dem Tod und ich rufe mir wieder meinen guten Vorsatz ins Gedächtnis: Nicht nach Vorne gucken! Die Fahrt ist nicht weniger ruppig als die gestrige, ganz im Gegenteil. Dennoch schlafe ich, ob der partyreichen letzten Nächte ein Paar mal leicht und einmal auch etwas fester ein; Man gewöhnt sich schließlich an alles.

Wir erreichen den Hafen in Hanoi, und werden auch sofort zu unserem Schiff geführt. Ein sehr schöner, doppelstöckiger Zweimaster mit großem Sonnendeck mit Liegestühlen. Ich traue meinen Augen nicht, als ich das Schiffsinnere betrete, laut einem Zettel an der Wand gibt es auf dem Boot Free WiFi. Derbe, sogar hier. Ich werde mich wie im Mittelalter fühlen, wenn ich wieder nach Deutschland komme (den Verkehr und die Märkte mal ausgenommen).

Wir beziehen unsere sau gemütliche und wirklich sehr schön hergerichtete Kabine, und gehen wieder Hinauf. It’s Lunchtime!
Damit auch der letzte dämliche Tourist merkt, dass das ja hier nun jetzt romantisch zu sein hat, laufen im Hintergrund 80er und90er Jahre Popsongs, als klassisches Gitarrengedudel. Bei uns nennt man so etwas glaube ich Fahrstuhlmusik.
Wir werden quasi mit Essen überschüttet. Sobald ein Gang fertig ist, wird sofort der nächste aufgetischt. Tomaten und Gurken, Kürbissuppe, Riesengambas, Frittierter Fisch mit Kohl, Schweinefleisch mit Gemüse, gebratenes Hühnchen mit süß, saurer Sauce und Reis und zum Abschluss natürlich noch Nachtisch, frischer Obstsalat. Ich bin dermaßen vollgefressen, dass ich das Gefühl habe, das Boot müsste eigentlich sinken. Beim Essen lernen wir endlich ein klein bisschen unsere Mitfahrer kennen: Ein älteres, aber ungemein fit aussehendes Lehrer-Ehepaar aus Perth, zwei noch ältere, und ein bißchen weniger fit, aber sehr lieb aussehende Damen aus Melbourne und ein schwules mittdreißiger Pärchen aus Kanada. Alle stellen sich als total lieb heraus. Mit dem Lehrer Ehepaar und den Kanadiern tauschen wir sogar Mail Adressen und Webseiten aus. Wer weiss, wann ich mal nach Kanada komme…

Etwa eine halbe Stunde nach dem Mittagessen steht schon der nächste Programmpunkt auf dem Plan: Kanu fahren. Oh Gott, mit meinem vollen Bauch? Na gut okay, ich habe ja eine Schwimmweste an… Wir fahren etwa eine halbe Stunde an einigen Inselchen vorbei, bevor wir zu einer Durchgangshöhle kommen:

http://dl.dropbox.com/u/18037549/2012-10-02%2015.26.00.mp4

 

Leider habe ich das Video ein klein wenig zu früh abgebrochen, kurz nach den Aufnahmen turnten ein halbes Dutzend Affen an den Berghängern und auf den Hangbäumen entlang. Ein sehr schönes Schauspiel. Unser Guide nannte uns „lucky ones“, denn selbst er, hat bisher auf keiner seiner Touren (und die macht er schon seit über 3 Jahren) Affen, so tief unten an den Hängen beobachten können. Auch er starrt fasziniert den Kletterkünstlern hinterher. Auf der Rückfahrt von der Höhle zu unserem Boot tauchte plötzlich hinter einem der Felsen, direkt hinter Rose und Pete, dem australischen Pärchen, ein großes Boot auf. Die beiden ruderten was das Zeug hielt, kamen aber der anderen Seite nicht merklich näher. Das Boot kam immer näher und wich in etwa so aus, wie es Autofahrer in Hanoi City tun: Einfach weiter fahren und hupen. Unsere beiden Lehrer haben sich glücklicherweise aus der Situation befreien können. Unser Guide rief zwar, sie sollen rückwärts rudern, das spornte die sportlichen grauen Nomaden (so werden reisende Rentner in Australien genannt, wie ich von den beiden gelernt habe) aber nur noch mehr an Gas zu geben, und schließlich entkamen sie mit einigen beherzten Paddelschlägen ihrem Unheil.

Während wir mit den Kanus ungefähr eineinhalb Kilometer weiter nach Titop Island fuhren, fand unser Boot einen Ankerplatz für die Nacht, nicht weit von der Insel entfernt. Wir legten am künstlich erweiterten, aber nichtsdestoweniger sehr schönen Sandstrand an und entledigten uns unserer unbequemen (und unglaublich hässlichen) Schwimmwesten. Mission erkannt: Ins Meer rennen Teil 2 (Teil eins gab es im Tagebuch vom Jakobsweg).

Herrlich warm, aber dennoch kühl genug, um einem bei dem tropisch-heissen Wetter eine Abkühlung zu verschaffen. Nach zehn Minuten wollten Boris und ich aber noch die Zeit nutzen, um den Berg der Insel zu erklimmen und die Aussicht zu geniessen. Von unten, sah es fast so aus, als würde man diese Höhenmeter in der halben Stunde, die uns noch geblieben war gar nicht bewältigen können, doch die Stufen waren zwar viele, aber dafür auch steil. Ich zählte 424 Stück bis zur Aussichtsplattform, Boris kam auf 436, gab aber zu unterwegs statt Stufen wohl auch mal Schritte gezählt zu haben… Die Warheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.
Die Aussicht von hier oben über die nahen Buchten und Inseln ist gigantisch, hier hilft keine Beschreibung, das muss man gesehen haben:

Kurz nach unserem Abstieg ging es auch, natürlich wieder per Kanu, zurück auf unser luxuriöses Schiff. An Bord begrüßte man uns mit einem Sundowner, einem sehr schweren, aber sehr leckeren Wein, auf dem Sonnendeck und liess uns noch Zeit ein wenig anzukommen und uns frisch zu machen. Danach gab es noch eine original vietnamesische Kochstunde. In kurzen Schritten zeigte und Tuán, wie man Frühlingsrollen, das wohl traditionellste der vielen vietnamesischen Gerichte zubereitet. Zuhause kenne ich nur die Variante: Packung aufreissen, alles in den Ofen, Ofen an, zwanzig Minuten warten.
Hier mussten wir allerdings noch selbst die Reisblätter anfeuchten, die Menge des Innenlebens bestimmen, es formen, die Rolle vorsichtig falten (der schwierigste Part) und das ganze Gebilde am Schluss mit Eiweiss zusammenkleben. Eine halbe Stunde später gab es dann, neben gefühlt 30 anderen Gängen, unter anderem auch unsere selbst gerollten Frühlingsrollen.

Pappensatt und todmüde begab ich mich in die Kabine, während Boris sich von unserem Tourguide noch chinesisch Schach beibringen liess. Die Krux dabei, das Regelsystem ist nicht nur wesentlich komplexer und komplizierter, das komplizierteste für einen nicht Asiaten besteht wohl darin, die Spielsteine, welche ausschließlich mit chinesischen Schriftzeichen bemalt sind, sobald das Spiel ein fortgeschrittenes Stadium erreicht und die Steine eben nicht mehr so geordnet liegen, noch auseinander zu halten…

Wie auch immer, ich lag derweil in der Kabine, mit Handy im Bett und wollte noch ein wenig Blog schreiben, als plötzlich der kleine Mann mit dem Hammer vorbei kam, mir auf die Augenlieder schlug und ich, mitsamt Handy in der Hand einfach eingeschlafen bin.



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