Reiseblog

2013 Vietnam

Tag 5

Unser Weg führt uns heute nach Cat Cat, dem berühmtesten der umliegenden Dörfer, des ansässigen Stammes der Hmong. In bunte Trachten gehüllt, kann man die Hmong Frauen in der Stadt stets gut ausmachen. So können Boris und ich, seit gestern Abend geschult (“Come to my Village!”), diesen Damen lieber aus dem Weg zu gehen, in der Helligkeit immerhin ausweichen.

 

 Nach einem dürftigen Frühstück machen wir uns auf den Weg. Am Dorfrand angekommen müssen wir erst einmal für die Straße nach Cat Cat Eintritt bezahlen(!!!). Oh man, touristischer gehts nicht. Doch damit noch lange nicht genug. Kaum sind wir um die erste Kurve herum, ist die ganze Straße voller Hmong-Frauen (man sieht einzelne Hmong wirklich die nächsten 3 Kehren den Berg hinunter stehen), die uns alle sofort mit einem “Buy from me, buy from me” bestürmen. Durch die ersten 3 können wir uns noch gerade so durchschlängeln, doch die nächsten beiden sind wirklich hartnäckig. Nach gut fünfzehn Minuten und nur circa 200m zurückgelegten Weges wird Boris weich und kauft einer der beiden Damen eine Maultrommel ab. GROßER FEHLER!

 

„You buy, from her, you buy from me!“ Während die eine Dame nun zufrieden ist und sich zurückfallen lässt, wird die andere, nun angesportn, immer penetranter. Wenn ich schätzen müsste, würde ich sagen, dass wir innerhalb des nächsten Kilometers, ungefähr 35 Mal diesen letzten Satz hören durften. Die Aussicht dagegen, wird immer grandioser. Ich würde so gerne die Ruhe dieser Landschaft geniessen, wäre da nicht…. Naja, ihr wisst schon. Ich bin wirklich hart an der Grenze meiner Geduld und gebe ihr nun etwas unverblümter zu verstehen, dass ich nichts kaufen möchte, woraufhin sie Boris wieder belagert. Long Story Short: Nachdem wir ihr beide, nun etwas eindrücklicher, zu verstehen gegeben haben, dass wir nichts weiteres kaufen möchten, gibt sie irgendwann endlich auf.
Bisher fand ich, selbst die etwas penetranten Damen gestern Abend wirklich super lustig und nett. Nun weiss ich, dass es auch Ausnahmen gibt.

 

Die Landschaft ist mittlerweile einer Postkartenidylle gewichen und ich mache unzählige Fotos.

 

 

Im nächsten „Dorf“, da wo fünf Hütten beieinander stehen, kontrolliert man unsere Straßentickets noch einmal und wir werden eine Treppe hinunter geschickt. Nun folgen wir ungefähr 2km lang einem kleinen betonierten Pfad, der immer mal wieder von Treppen unterbrochen, und links und rechts mit unzähligen Wellblech- und Holzhütten gesäumt ist, in denen es überall das Gleiche (Tand) zu kaufen gibt.

 

Am Ende des Weges fällt die Treppe steil ab und man blickt auf einen Wasserfall, mit einer Brücke davor und einem kleinen Dorf auf der anderen Seite. Wem jetzt noch nicht klar sein sollte, das dies nun das anvisierte Ziel ist, dem wird es durch traditionelle Musik, die aus irgendwelchen Boxen dröhnt, noch deutlicher, quasi mit einem kompletten Zaun, ins Gesicht geschmettert. HALLO DÄMLICHER TOURI, DU BIST JETZT DAA! Man fühlt sich weniger an ein abgelegenes Bergdorf der Hmong, als vielmehr an ein Thmendorf im Phnatasialand erinnert. Eine Show im Dorf, in der von jungen Hmong traditionelle Tänze aufgeführt werden (und zwar stündlich) macht diesen Eindruck noch plastischer. Wenn man konsumgestörter Amerikaner ist, findet man das bestimmt „absolutely amazing“, ich finde es eher anstrengend und kitschig. Ja, das Dorf am Wasserfall ist schön, ja der Ort an sich ist mystisch und unwirklich. Der eigentliche Zauber des Ortes wird allerdings von Plastikkramverkauf, nervendem „buy from me“ und Erlebnispark Athmosphäre fast komplett aufgefressen. Sehr, sehr schade.

 

Ein kleiner Pfad am Ende des Dorfes erregt unsere Aufmerksamkeit und Hooray, er führt wirklich eng am Fels über dem reissenden Fluss, zu weiteren Hmong Dörfern, quer durch die Wildnis. Wir wandern noch ungefähr eine Stunde weiter, ehe uns der Weg zu abgedreht und auch zu gefährlich wird, drehen wieder um, und halten unsere dampfenden Füße zum krönenden Abschluss noch in die eiskalten Fluten des klaren Flusses. Herrlich.

 

 

Als wir nach 5 Stunden Wanderung und so einigen Höhenmetern wieder oben in Cat Cat ankommen, bin ich ganz stolz, als ich sowohl unsere Getränke, als auch unsere beiden Suppen, komplett auf vietnamesisch bestelle. Naja… vielleicht auch Pseudo-Vietnamesisch, aber hey, die Sprache ist ja auch kackschwer!

 

Wir schlendern noch über den berühmten Markt, der in jedem Reiseführer so angepriesen wird und werden überrascht. Hier kann man wirklich noch traditionelles beobachten. Angefangen bei den Garküchen in der Mitte des Marktes, zu dem ganzen lebenden Getier welches hier feilgeboten wird, bis hin zum toten Getier, welches auf Wunsch auch vor den Augen des Kunden geschlachtet und ausgenommen wird.
Ich sehe ein Huhn, welches mit gebrochenem Genick einfach in einen Eimer geworfen wurde, während dessen Beine noch zucken. Als ich wieder aufblicke, kauft gerade jemand einen lebenden Hahn. Das arme Vieh wird aus seinem viel zu kleinen Käfig genommen und dem Käufer präsentiert. Dieser nickt, woraufhin ein Stück Plastik um die Beine des Gockels geschwungen wird, dass dieser sich nicht mehr bewegen kann und dann mit Schwung direkt, auf die Waage gegenüber geklatscht. Danach kommt das immer noch lebendige Tier kopfüber in eine blaue Plastiktüte, wobei der Kopf im Nachhinein dann doch noch wieder herausgefischt wird. Tjoa, ich sage mal so: Frischer kriegt man in keinem europäischen Supermarkt seine Chickenwings.
Noch krasser finde ich allerdings eine Marktreihe weiter Boris‘ Entdeckung. Er reisst nur die Augen auf und deutet mit der Hand auf einen Stand. Ich blicke mich um und sehe sofort was er meint. Auf einem silbernen Tablett direkt neben mir liegen Fleischstücke, Innereien und Undefinierbares. Alles wohl drapiert um einen Kopf… einen Hundekopf.

 

Guten Appetit. (freut euch auf das Video…)

 

In eineinhalb Stunden geht es schon zurück gen Hanoi. Ich erinnere mich an einen Billiardtisch, in einer kleinen Bar der Hauptstraße und wir machen uns auf, um uns dort noch ein wenig die Zeit zu vertreiben. Der Barkeeper und 3 seiner Kumpels stehen um den Tisch und zocken. Naja, warten wir halt. Wir bestellen uns ein Bier und teilen ihm mit, dass wir gerne eine Runde Billiard spielen würden. Er gibt uns das erfrischende Tiger Beer (lecker) und gibt uns zu verstehen, dass sie nur noch eben die Runde zuende spielen wollen. Nachdem wir aber auch nach nochmaligem Nachfragen und 2 weiteren Anstößen weiterhin ignoriert werden bezahlen wir und gehen zurück zum Hotel.

 

Dort angekommen stellen wir fest, dass auch dieses einen Billiardtisch besitzt. Der ist umsonst und sieht auch dementsprechend aus, die Kugeln halten sich in etwa so an ihre Laufbahnen, wie die Mofa-Fahrer  in Hanoi an Verkehrsregeln, aber wir haben trotzdem unseren Spaß. Round 1, fight. Der Bus kommt eine halbe Stunde früher, aber wir denken gar nicht daran unser Spiel zu unterbrechen. Lange haben wir ihn allerdings nicht warten lassen. Nur 10 Minuten später versenke ich die schwarze Kugel nach einem Foul von Boris und habe gewonnen, wenn auch nur knapp.

 

Die Fahrt zurück haben wir per Zug gebucht, man muss ja alles mal erlebt haben. Der Bus nach Lao Cai zum Bahnhof ist dieses Mal nicht ganz so arg überladen wie auf unserer Hinfahrt und wir bekommen sogar echte Sitzplätze. Dafür wird die Fahrt ungewollt länger als geplant, denn ein böser Erdrutsch versperrt uns den Weg ins Tal. Wir stehen ungefähr eine halbe Stunde auf der Bergstraße und sehen dabei zu wie Bagger und Lastwagen Schlamm und Geröllmassen wegschaffen. Nun ja, gut dass das Ding nicht direkt neben uns runter gekommen ist.
In Lao angekommen müssen wir uns eine Stunde vorher für unsere Tickets am Schalter melden, also gehen wir direkt zur Station. Der erste Schalter schickt uns an einen Schalter direkt gegenüber, dieser wiederum verweist uns an eine junge Vietnamesin mit weisser Handtasche, die neben dem Schalter steht. Sie nimmt unseren Voucher entgegen, steckt ihn in ihre Handtasche, streicht uns auf einer kleinen Liste durch und übergibt uns die Fahrkarten, danach verschwindet sie erneut im Getümmel der Bahnhofshalle…

 

Wir versuchen gar nicht erst dieses Prinzip zu verstehen und gehen lieber noch etwas essen. Hier sehen wir zum ersten Mal einen kleinen fahrbaren Wagen, der Döner verkauft. Ich glaube es ist mittlerweile egal an welchem Punkt der Welt man sich aufhält. Die Teigtasche hat diesen garantiert schon erobert. Wir essen aber lieber wieder eine gute Pho Bo und begeben uns danach zum Zug.

 

Der Zug ist unglaublich bequem, die Betten im Schlafwagen, genau wie in Russland, geräumig und gemütlich. Wir teilen das bteil mit einem sehr netten englischen Pärchen auf Asienreise. Sie erzählen uns viele Stories ihrer bisherigen Reise durch China, Laos und Kambodscha. Insgesamt sind die beiden 9 Monate unterwegs und gerade ungefähr bei der Hälfte angekommen.

 

Wir realisieren, dass wir nun auch schon fast eine Woche unterwegs sind, setzen uns mit unseren Reiseführern zusammen und planen den weiteren Verlauf unserer sehr viel kürzeren Tour.
Morgen ist ausspannen angesagt, danach geht es dann für eine Tagestour zur Parfüm Pagode, am Tag danach dann für einige Tage in die Ha Long Bucht. Vermutlich einer der Höhepunkte der Reise.

 

Morgen legen wir erst einmal die Beine hoch, dann sehen wir weiter.

 

 

 

Zurück