Reiseblog

2013 Vietnam

Tag 17

Der Bus hält immer mal wieder an und nimmt irgendwelche Leute für einige Kilometer mit, die sich dann einfach zwischen die Betten auf den Gang setzen. Die ganze Nacht hindurch verschwinden immer mal wieder ominöse Pakete im Gepäckteil des Busses und werden irgendwo anders wieder abgeliefert. Die Mühe eine Logik hinter solchen Aktionen hier zu suchen, mache ich mir schon gar nicht mehr. Ich denke mal, ich würde sie eh nicht verstehen. Die Plätze waren zwar Klasse, trotzdem finden weder Boris noch ich so richtig Schlaf. Ob das einfach an der Geräuschkulisse und der Umgebung liegt, oder doch daran, dass wir nur all zu gut wissen, wie hier gefahren wird, vermag ich nicht zu sagen.

Um halb sechs, eine halbe Stunde früher als erwartet kommen wir völlig fertig am Hotel an. Der Nachtportier, den wir wach klingeln, checkt uns mit kaum offenen Augen ein. Wir beziehen das Zimmer und schlafen erst einmal bis halb 12 durch.

Der Tag startet langsam. Eine Schnorchel-Aquarium-Insel-Tour für morgen buchen. Eine Phó essen gehen und dann Sachen packen und ab zum so viel gelobten Traumstrand. Das Wetter ist wieder mit uns. Sonne satt und knappe 30 Grad, lassen einem gar keine andere Wahl, als immer mal wieder ins Meer zu hüpfen. Die Wellen hier sind noch eine ganze Spur derber, als die gestrigen. Mit guten 3-4 Metern, macht es einen mordsspaß sich einfach ins Wasser zu werfen und unter den Wellen durch zu tauchen.

 

 

Da hier sowieso alle Paar Minuten jemand mit Ess- und Trinkbarem vorbeikommt, muss man sich gar nicht erst die Mühe machen vorher für den Strand einzukaufen. Wir essen Chili-Brot und Krabbenchips und giessen all das mit eiskalten Bierchen herunter. Herrlich im Urlaub.

Der Strand ist nur mäßig besucht, doch je weiter der Tag voranschreitet und die Sonne der Erde entgegenstrebt, desto mehr Einheimische tauchen auf. Ganze Schulklassen bevölkern den Strand und halten hier im Sand ihren Sportunterricht ab. Fußball, Fangen, Gemeinschaftsspiele und natürlich schwimmen im Meer. Ich bin zwar immer gerne zum Sportunterricht gegangen, aber für so eine coole Sportunterrichtlocation hätte ich viel gegeben.

Die Sonne ist schon weg, als ich das letze Mal für diesen Tag ins Meer hüpfe. Das Wasser ist herrlich warm und ich schließe mich den sportlichen Vietnamesen an, mich in jede Welle zu stürzen.

Wie wir in Hoi An ja schon gelernt haben, ist der perfekte Abschluss für einen Tag am Strand, ein gelungenes Essen. Sich hier in Nah Trank ein Nicht-Touri-Lokal zu suchen gestaltet sich schwieriger, als die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die ganze Stadt ist auf Touristen ausgerichtet. Hochhaushotels am Strand, Souvenierläden über Souvenierläden und teure Boutiquen. Einmal im Jahr, so wird uns von unserem netten Kellner berichtet, wird die kleine Stadt am Meer von Russen völlig überrannt. Deshalb also sieht man an jedem zweiten Shop und jeder Touri-Info kyrillische Schriftzeichen.

 

Der Abend führt uns in die Stadtübliche Why-Not-Bar. Dieses Exemplar allerdings ist mit 2 Billardtischen, großer Tanzfläche und ebenso großer Terrasse, ungefähr 10x so riesig wie der kleine Billiardtisch-Tanz-Schuppen in Hoi-An.

Selbstverständlich entern Boris und ich sofort wieder den Billardtisch und spielen unsere erste Partie gegen zwei Australier (die wir locker abziehen).
Danach geht die erbitterte Billiardpartie gegeneinander weiter, die ich (dieses Mal ziemlich knapp) wieder gewinne.

Wir bestellen uns zwei Bier und werden vom Kellner gefragt, ob wir ihn erkennen würden. Es ist derselbe junge Mann, der uns heute Morgen ins Hotel eingecheckt hat. Wow, was für ein Arbeitstag. Der gute arbeitet nun seit 16 Stunden, wie er uns mitteilt, mit nur einer Stunde Pause zwischen den beiden Jobs. Ganz schön heftig.

Boris ist nach der erneuten Niederlage weinend gen Hotel gezogen. Ich bin noch für ein Siegerbierchen im Pub geblieben. Auf der Terrasse bin ich dann noch mit einigen Backpackern ins Gespräch gekommen und habe, lustigerweise, Victoria, eine Engländerin wiedergetroffen, die ich in der ersten Partynacht in Hanoi kennen gelernt habe.

Lang wurde der Abend aber auch bei mir nicht. Die Bustour hat auch in meinem Schlaf-Wach-Rhythmus ihre Spuren hinterlassen. Um ein Uhr, war auch ich im Hotel und gab mich endlich dem seligen Schlummer hin.

So langsam wird mir bewusst, dass unsere schöne Tour am anderen Ende der Welt bald vorüber ist. Morgen brechen die letzten 3 Tage an. Ich freue mich schon wieder auf meine Wohnung, auf Berlin, auf den Herbst in Deutschland. Auf der anderen Seite könnte ich gerne noch weitere 3 Wochen in Vietnam bleiben. Hier gibt es so viel zu sehen, so vieles ist auch nach nun über 2 Wochen immer noch befremdlich und anders. In “nur” drei Wochen ist es leider unmöglich hier alles zu sehen.

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