Reiseblog

2013 Vietnam

Tag 13

Heute war wieder früh aufstehen angesagt, da wir vor unserer Fahrt nach Hoi An schließlich noch die Hauptattraktion hier in Hue, die Zitadelle in der auch die verbotene Stadt liegt, besichtigen wollten. Hier braucht man schon eine Menge Phantasie, um sich den alten Prunk und Protz, der hier einst geherrscht haben soll, noch vorstellen zu können. Von den einst 300 Gebäuden der mächtigen „Stadt in der Stadt“ sind nur 80 überhaupt erkennbar, von denen nur noch circa die Hälfte vollständig, und von diesen wiederum die Hälfte halbwegs restauriert. Nichtsdestotrotz, interessant ist es allemal, kann man doch hier ein Stück Geschichte besichtigen.

Zurück sind wir mit dem Mototaxi gefahren. Einen Preis genannt, stur bei diesem geblieben und zack, ab zu dritt auf den Roller. Irgendwie kam mir noch vor einer Woche sowohl das Feilschen, als auch die Aktion einen Roller mit mehr als zwei Leuten zu benutzen noch sehr viel fremder und weiter weg vor. Wie schnell man sich an so etwas doch gewöhnen kann…

Im Hotel frage ich noch einmal nach einem bestimmten Shop, der bei mir im Online-Reiseführer stand, den ich aber trotz Suche nicht finden konnte. Der Hotelinhaber, ein unglaublich freundlicher Mann Anfang 30, bedeutete mir auf sein Motorroller zu steigen. Kurzerhand fuhr er mich 2 Straßen weiter und zeigte mir, wo der Shop war, dieser war allerdings leider geschlossen, also fuhr er mich postwendend zum Hotel zurück. So, nun aber noch fix ab was Essen, die Zeit ist schließlich knapp bemessen.

Wir kehrten wider besseren Wissens in ein Restaurant ein (die Straßenküchen waren einfach zu weit entfernt) und aßen noch schnell zu Mittag, bevor es an Bord des Busses nach Hoi An ging. Zurück im Hotel konnte ich das Ticket für die Busfahrt (die in 10 Minuten beginnen sollte) nicht mehr finden. Ich erinnerte mich allerdings daran, morgens beim Aufräumen meiner Geldbörse, es noch in der Hand gehalten zu haben. Das einzige, was mir passiert sein konnte, war, das es ausversehen, bei den Papieren die ich nicht mehr brauchte, mit im Müll gelandet ist.
Ich beschrieb der netten Hoteldame mein Problem. Das sei kein Problem, sagte sie, lächelte mich an und telefonierte erst einmal mit ihrem Handy. Da man hier nie so richtig weiss, ob man auch richtig verstanden wurde, fragte ich noch einmal nach. Jaja, sie habe schon verstanden. Ihr Handy klingelte, sie ging ran und wies mich an ihr zu folgen.
Sie ging die Treppe hinauf zu unserem Zimmer, dachte ich zumindest. Ich war verunsichert, als sie einfach an unserem Stockwerk vorbei ging, sagte dazu aber einfach nichts mehr und folgte ihr weiter. Bis auf den Speicher. Dort oben gab es eine große Pappkiste, in der der Papiermüll lag (die trennen hier Müll?!).
Ich fing an in der Kiste zu wühlen, sie wühlte fleissig mit und nach kurzer Zeit hatte ich auch schon das Ticket gefunden. Klar, Herr Vogelsang in seinem Element: Zerstreutheit.

Boris nimmts gelassen, als ich wedelnd, mit den Tickets in der Hand die Treppe herunter komme.

Keine Minute zu spät, denn gerade als ich mich wieder zu Boris setzen will, fährt auch schon der Bus vor. Ein Liegebus. Häh? Wir haben doch aber nur einen Sitzbus bezahlt…? Die Tickets werden allerdings akzeptiert. Hm, dann wird das wohl so stimmen.

Und ab geht’s, nach Hoi An. Hanoi, Hoi An, Nha Trang, Nhi Trung, Cat Ba, Sa Pa, Cat Cat…. Hui… so langsam komm ich echt durcheinander, das klingt alles so gleich.

Nach ungefähr 2 Stunden fährt der Bus an eine Tankstelle. Man geht fix aufs Klöchen, macht noch schnell eins, zwei Besorgungen, und dann solls auch schon weiter gehen… Leider war unser Kupplungsseil mit dieser Planung nicht einverstanden und beschloss spontan zu reißen. 3 Mechaniker der Tankstelle waren sofort zur Stelle und reparierten im Akkord. Ein Fahrradhändler, der gerade an der Tankstelle vorbei fuhr sah uns dort stehen und witterte das Geschäft seines Lebens.

 
Ich war neugierig was in den Kesseln ist, da es dampfte und echt lecker roch. Schnell von 20.000 auf 10.000 runter gehandelt und schnell eines der dampfenden Brotdinger gekauft. Es stellte sich als eine Art Mischung aus Dampfnudel und Frühlingsrolle heraus. Sehr frisch, heiss und lecker.

Meinem Beispiel folgten noch einige andere und er machte wohl tatsächlich das Geschäft seines Lebens.

Das Austauschen des Kupplungsseiles dauerte keine Stunde. Danach ging es sofort weiter.
Zum Glück ist Hoi An nicht all zu weit entfernt, so dass wir nach ungefähr 4 Stunden Fahrt schon am Ziel waren. Der Weg war aber wieder mal alles andere als langweilig. Sollte ich irgendwann noch einmal nach Vietnam kommen, werde ich dieses wunderschöne Land garantiert ausschließlich mit dem Motorrad bereisen. Aussicht gefällig?

Wir bezogen unser Hotel und gingen erst einmal in die Stadt. Der erste Eindruck war phänomenal. Kleine Händlerhäuser in Terracotta- und milden Farbtönen drängten sich dicht an dicht in den kleinen Gassen. Der Baustil erinnert ein bißchen an Kolonialarchitektur. Kleine mit Eisengittern beschlagene Fenster, kleine Balkone, gedrungene Häußchen, die warmen Farben…

Wir kommen an eine kleine Brücke die über und über mit bunten Lampions behängt ist. Auch die Bars und Restaurants am anderen Ufer leuchten bunt und warm zu uns herüber. Wow, ist das schön hier.
Wir sind gespannt, wie uns die Stadt morgen am Tage gefallen wird.

 

Erst einmal ein Paar der Schneiderlädchen anschauen. Hier ist wirklich ein Schneider neben dem anderen. Die Schnitte sind zumeist sehr westlich, die Kleidung ziemlich oft die Gleiche. Man versucht uns, sobald man sich nur im Entferntesten für ein Kleidungsstück interessiert sofort in den Laden herin zu ziehen. Many Colors, many materials, you can choose. Soso, na, dass schauen wir uns morgen dann mal genauer an, schließlich habe ich über die Stadt ja Touri-mäßig schon vorher gelesen, und es ist fest geplant mir hier einen Maßgeschneiderten Anzug zuzulegen, da die Preise für so etwas hier ungefähr ein Zehntel von dem betragen, was man in Deutschland dafür zahlen müsste. Aber dazu morgen.

Wir lassen uns, ob unserer Müdigkeit, der Einfachheit halber ins nächste Touri-Restaurant fallen. Die Preise hier haben sich mal wieder gewaschen, das Essen ist so Lala. Wie immer. Mal sehen, ob wir morgen nicht ein schönes Straßenessen ausmachen können.



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