Reiseblog

2013 Vietnam

Tag 12

Ich höre zwar Boris´ Wecker nicht, bekomme aber im Halbschlaf mit, dass er aufsteht um seine Tour zu starten. Ich drehe mich einfach um und schlafe weiter. Herrlich, endlich mal wieder ausschlafen.
Als ich gegen halb 1 aufwache merke ich, dass mein Hals immer noch weh tut, trotz gestern Abend noch gekaufter Dobendan und Schlafen mit Schal. Doof.
Naja, ich muss ja heute nicht viel tun und kann mich ein wenig auskurieren.

Draußen regnet es Bindfäden. Perfekter Tag um mal Nichts zu tun. Ich habe geschlafen wie ein Baby, trotz des Lärms der Hauptverkehrsstraße in Hue, die direkt vor unserem Fenster liegt. Dabei hatte ich nicht mal Ohrenprops benutzt. Hm… Naja, wie gesagt, man gewöhnt sich eben an alles. Auch an immerwährendes Gehupe. Ich glaube, wenn ich zurück nach Berlin komme, wird mir die Stadt unglaubklich leise vorkommen, weil nicht ständig 50 Motoroller um die Wette hupen.

Ich gehe erst einmal ausgiebig duschen. Das Wetter draußen ist immer noch schlecht. Bei offener Balkontür lege ich mich aufs Bett und fange an, die noch fehlenden Tage in den Blog zu hacken. Warum summiert sich sowas eigentlich immer so schnell?

Als es endlich nicht mehr so in Strömen regnet, packe ich schnell meine sieben Sachen zusammen und verlege meinen Arbeitsort in die nahe gelegene DMZ, die coole Bar mit dem nicht so coolen Essen von gestern Abend. Eine Sache die mir hier weiter im Süden des Landes aufgefallen ist, dass sowohl die Straßenhändler, als auch die Verkäufer in den Boutiquen und Shops sehr viel aufdringlicher sind als in Hanoi. Ist es die veränderte Mentalität hier unten, dass die Menschen weiter im Süden einfach temperamentvoller werden, so wie in Europa, oder liegt es einfach daran, dass sich in den kleineren Städten auf weniger Einwohner mehr Touristen verteilen?

Als ich nach circa eineinhalb Stunden wieder ins Hotel zurück kehre, fängt es erneut an heftig zu regnen. Doch dieses Mal bleibt es nicht dabei. Es stürmt und schüttet plötzlich wie aus Eimern. Die Straße vor dem Hotel verwandelt sich in einen Fluss, die Autoreifen sind nur noch zur Hälfte zu sehen, die Mopedfahrer sehen aus, als würden sie auf Jetskies über die Straße heizen. Die Wellen die sie schlagen sind derart heftig, dass die Beine von so manchem bis über die Waden im Wasser versinken. So einen Regen habe ich, selbst in Afrika, bisher noch nicht gesehen.

Boris hat uns für heute Abend noch ein Show-Essen im Stile von Kaiser und Kaiserin gebucht, mitsamt Hofmusik und eigenem Herold. Es ist sehr lustig, da wir die einzigen Gäste in dem riesigen Restaurant sind. Wir werden als Kaiser (ich) und Kaiserin (Boris, ob der langen Haare) verkleidet und von zwei Musikern zu unserem Tisch begleitet. Von da an folgt ein Gang auf den anderen, alle sehr schön aufgemacht mit aus Möhren und anderen Gemüsen geschnitzten Fasanen, Drachenbooten, Libellen und allem möglichen anderen. Das Essen an sich ist nicht spektakulär, unsere für uns eigene sechsköpfige Band allerdings schon. Wie auf einem asiatischen Mittelaltermarkt werden wir mit historischen Instrumenten und selbstverständlich auch historischen vietnamesischen Songs beglückt. Freut Euch auf das Video, denn da gibt es nicht nur uns als Kaiser und Kaiserin zu sehen, sondern auch originale Klänge aus der natürlich gekauften CD der Band. Herrlich schräg das Ganze (also nicht von den Tönen her, sondern aus europäischer Sicht gesehen).

Zwischen den Gängen kommt unser Hofnarr einmal in Jeanshemdn und Jeanshose zu uns gestiefelt, erzählt aus seinem Studentenleben, denn den Job als Herold macht er nur nebenberuflich. Er macht auch keinen Hehl daraus das er sich auf seinen Feierabend freut. Ein bißchen so kommt uns auch die Küchencrew vor, die uns, kaum das wir unsere Teller so dreiviertel geleert haben, uns schon wieder auftun.

Wie gesagt, das Essen war es nicht sonderlich wert, die Erfahrung, wie man sich fühlt wenn man 3 Köche, 2 Bedienstete, einen eigenen Herold und 6 Musiker sein eigen nennt (und als Kaiser vermutlich noch viel, viel mehr…) allerdings schon.



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