Reiseblog

2013 Vietnam

Tag 10

Der Morgen beginnt (wie an jedem Tag des Ha-Long-Trips) sehr früh. Um halb Sieben klingelt der Wecker, denn wir wollen vor der Abreise um halb acht schließlich noch Duschen und Frühstücken. Die Dusche erfrischt und macht wach, das Frühstück ist super. Es gibt sogar Phó Bó, die traditionelle nordvienamesische Suppe mit Rindfleisch. Lecker. Da mir mein Hals seit gestern Abend weh tut (vermutlich aufgrund der omnipräsenten Klimaanlagen) gönne ich mir direkt mal eine heisse, frische Suppe zum Frühstück und fühle mich direkt ein bisschen vietnamesischer.

Kaum waren wir fertig, da war auch unser Transferbus schon da, der uns zurück zum Schiff brachte.
Mit diesem ging es dann gut 2 Stunden quer durch die Lamb-Stones. Neues Objektiv auf die Kamera gesteckt und ab an Deck, Motive jagen. Ich habe auf der Rückfahrt zu unserem alten Boot bestimmt an die 100 Bilder geschossen. Vom Leben der auf schwimmenden Häusern wohnenden Fischern, von Buchten, den Stones und auch ein Paar an Bord. Das Wetter wurde leider immer schlechter und als die ersten Tropfen fielen, packte ich die Kamera schnell ein. Gerade, als wir mit dem Transferboot an unserem richtigen Schiff ankamen, fing es an zu regnen. Das überschiffen klappte einwandfrei und schnell. An Bord bekam ich endlich meine vergessene Kamera und Boris seine geliebten (15 Jahre alten) Wanderschuhe zurück. Ich nahm die Cam sofort in Betrieb und gab einen kleinen Reisebericht für das kommende YouTube Video ab. Da unsere Kabinen nun durch andere Gäste belegt waren, verstauten wir unser Gepäck einfach im großzügigen Oberdeck. Wir waren noch nicht ganz angekommen, als auch schon wieder zum Essen gepfiffen wurde. So viel in so kurzer Zeit haben wir den ganzen Trip noch nicht zu uns genommen. Ab heute Abend heisst es mal wieder ein bißchen zurückschrauben. Wir wollen ja nicht fett und hässlich aus dem Urlaub zurück kommen, sondern durchtrainiert und gutaussehend. Das Essen war mal wieder ein Traum und man lernte auch direkt noch, die neu zugestiegenen kennen. Eine Engländerin berichtete uns von einem Unfall, der sich heute in der Ha-Long Bucht ereignet hatte. Ein Speedboat (welches die Passagiere von den größeren Schiffen in die Häfen bringt) sei wohl ausversehen rückwärts gefahren und habe ein anderes Transfer-Speedboat gerammt, welches daraufhin kenterte. Bei diesem Unglück gab es angeblich 5 Tote, welche durch den Aufprall verletzt wurden, oder ohnmächtig geworden und danach in der Bucht ertrunken sind. Wow, zum Glück sind wir von so etwas verschont geblieben, ist doch erst 2011 ein Schiff der Flotte hier gesunken und hat 11 Menschen das Leben gekostet.

Da es jetzt so richtig schön plästerte, war mein eigentlicher Plan, die letzte Stunde auf dem Sonnendeck zu geniessen, leider hinfällig. Also hab ich mir Boris` Netbook ausgeliehen und schon mal angefangen, die bisher noch nicht geschriebenen Tage aufzuarbeiten.

Es regnete noch immer, als wir in Ha-Long-Hafen ankamen. Regenjacke raus, Regenschutz über den Rucksack gespannt und ab zum Bus, vier Stunden Fahrt zurück nach Hanoi. Zwei Stunden lang habe ich die letzten Paar Tage, 5, 6 und 7, im Bus nieder geschrieben. Hach wie schön, dass die Strecke nach Hanoi nicht annähernd so kurvig ist wie die nach Sa Pa, da kann man sogar im Bus Bericht schreiben.
Nach einem kurzen Zwischenstop an der bisher größten Touri-Falle, kamen wir nach guten 4 Stunden unversehrt wieder in Hanoi an.

Wir wurden direkt vor unserem Hotel wieder abgesetzt. Das ist überhaupt das grandioseste hier in Vietnam. Egal welche Tour man bucht, man wird immer direkt am Hotel abgeholt und auch wieder direkt vor dieser Tür abgeladen. Unsere lustigen und lieben Rzeptionistinnen begrüßten uns herzerwärmend und fragten uns, ob wir ihnen wohl einen Gefallen tun und unseren Zimmerschlüssel noch abgeben könnten. Öhm… häh? Haben wir den nicht….?
Es stellte sich heraus, dass sie uns fälschlicherweise mit Zimmer Nummer 602 verwechselt hatten. Puh, und wir dachten schon. Schön, dass wir nun direkt eine Gegenbitte hatten, nämlich unser Gepäck noch bis zur Abfahrt unseres Zuges unterstellen zu dürfen. Wir durften. Die Vietnamesen sind wirklich unglaublich lieb und zuvorkommend und auch, wenn der Verkehr am Anfang erst einmal einen Eindruck vermittelt, so wird doch sehr viel Rücksicht aufeinander genommen.
Als wir, zurück an der Rezeption, den Zug nach Hue buchen wollten, kam es erneut zu einer Verwechslung. Man dachte wir hätten schon gebucht, und wollte uns direkt die Tickets überreichen. Doch auch dieser Irrtum war schnell geklärt und wir konnten noch einmal fix in die Altstadt um etwas Essen zu gehen. Ja, ich weiss, eigentlich wollten wir ja kürzer treten, aber das Streetfood vor drei Tagen war einfach zu lecker. Also führte ich Boris zielstrebig (dank meiner Partynächte kannte ich unsere Gegend mittlerweile wie meinen berliner Kiez) zum angepeilten Restaurant, und wir bestellten uns erneut die heisse Pfanne für Zwei. Während Boris Ziege nahm (uaaaa, nein danke, ein Mal und nie wieder) begnügte ich mich mit Rindfleisch. Exotisches Essen kommt bestimmt noch früh genug.

Auf dem Weg zu unseren Rucksäcken sahen wir zum ersten Mal, wie dieses Müllsystem hier funktioniert. Quasi gesehen so, wie bei uns der Eiermann früher. Die Müll-Leute, mit ihren großen Karren halten vor den einzelnen Häusern an, holen eine Glocke heraus und läuten was das Zeug hält. So lange, bis sie entweder keinen Bock mehr haben, oder der Hausherr mit seinem Müll heraus kommt. Sehr interessante Vorgehensweise.
Zurück im Hostel, verabschiedeten wir uns von unserem wirklich empfehlenswerten Hostel (May De Ville Hostel), und suchten uns zwei Moto-Taxis. Da wir ja nun so langsam die Preise wussten, konnten wir fix und gut verhandeln und machten aus 2x 100.000 Dong schnell 2x 40.000.

Die gesamte Fahrt zum Bahnhof, ist es doch unser letzter verrückter Mototrip in Hanoi, habe ich mit meinem Handy gefilmt und wäre dabei um ein Haar an einer Ampel vom Bike gefallen, da mein lustiger Fahrer so Gas gegeben hat, und ich durch meinen schweren Rucksack enorm nach hinten gezogen wurde.

Da wir ja nun schon wissen wie der Hase am Bahnhof so läuft, beziehungsweise eigentlich überhaupt nicht, aber wir wissen, dass man bei irgendwem in der Empfangshalle seine Vouchers gegen Tickets eintauschen muss, stellen wir uns mit unseren Vouchers und einem Hilfe-wir-sind-dumme-Touris-Blick mitten in die Halle und werden auch prompt angesprochen. Zack, Tickets gegen Zugtickets getauscht, und dann erst einmal Bier eingekauft, schließlich haben wir erst 7 Uhr und unser Zug fährt 14 Stunden.

Unser Abteil teilen wir mit zwei nicht so richtig gesprächigen Spaniern und so komme ich schnell mit ebenfalls Bier trinkenden Engländern (keine Vorurteile…) auf dem Gang ins Gespräch. Nach etwa eineinhalb Stunden verziehe ich mich ins Abteil und tippe noch ein bißchen Tagebuch, ich habe ja keine Lust bald schon wieder 4 Tage aufholen zu müssen.

Na dann, Huah, auf nach Hue!



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