Reiseblog

2013-2014 Südamerika

11.12. + 12.12.2013 (Tigre & La Plata)

Ja, so langsam fühle ich mich angekommen in Südamerika. Aber bisher habe ich ja nur das Großstadtleben gesehen. Zeit endlich die Füße aus dieser gigantischen 13 Millionen Einwohner Metropole zu schieben, mit der breitestens Straße (20 Fahrstreifen, davon 4 alleine für die Busse reserviert), dem vermutlich kompliziertesten Bussystem und einem der bekanntesten Theater der Welt. Ach ja und ziemlich schrägen Straßenkünstlern

Mein erster Stopp führt mich allerdings kaum 60 Kilometer hinaus, nach Tigre, einer kleinen Vorstadt im Delta des Rio Paraná. Hierher kommen viele der porteños, um mal einen Tag abzuschalten und das ruhige Flussleben zu geniessen. Im Delta sind Autos nämlich ziemlich nutzlos. Hier bewegt man sich fast ausschliesslich mit seinem Boot über die vielen kleinen Arme des Flusses.

Ich nehme keines der Touristenboote, sondern einen der Wasserbusse der Einheimischen. Über eine Stunde lasse ich mich quer durch die Kanäle schippern, bevor ich gefragt werde wo ich denn eigentlich noch mal hin wollte. Ich habe mich schon gewundert, denn eigentlich sollte die Fahrt ja nur 30 Minuten dauern. Naja, egal. Ich werde irgendwo auf einer sehr kleinen Insel mit genau 2 Häusern drauf abgesetzt. Allerdings nicht mal für eine Minute, denn der Kahn den ich nehmen soll, ist schon in Sichtweite. Ich winke, der Käptn schippert zu mir und kaum das ich eingestiegen bin gehts auch schon den selben Weg zurück. Ich bin der einzige Fahrgast. Schon ein komisches Gefühl so mitten im Nirgendwo, in einem kaum bewohnten Flussgebiet...

Seis drum. Ich werde auf einer anderen Insel abgesetzt und stehe auf einem Steg im Garten eines Wohnhauses (kein Witz!). Ein winzig kleiner Pfad aus Steinplatten führt rechts am Gebäude vorbei in den Busch. Sonst ist hier genau gar nichts. Kurz geht mir durch den Kopf, dass mein Behelfsspanisch vielleicht falsch verstanden wurde, aber ich mache mich erst mal auf den nun mal einzigen Weg, der sich mir bietet, verlaufen kann ich mich ja schlecht. Es folgt Buschwerk und einige weitere (teilweise echt schöne) Wohnhäuser auf Stelzen. Nach circa 10 Minuten kommt jemand mit seinen Hunden aus einem der Häuser. Auf meine Frage hin ob ich wirklich auf Rama Negra bin und ob es das Restaurant aus meinem Reiseführer noch gibt, deutet der Mann nur den Pfad entlang. Hm, okay.
Und hey, tatsächlich, nach weiteren 5 Minuten Fußmarsch durch Buschwerk stehe ich vor.... Moment mal.... ihr wollt mich verarschen, oder?! ...im ERNST?!

Ich stehe vor einem Schild mit der Aufschrift „Alpenhaus“, mit dazugehörigem Holzhaus dahinter. Neben Salchichas, Jambonon und Fiambres, stehen Bratwurst, Kassler und Leberkäse auf dem Holzschild im Garten, so als ob diese Gerichte völlig selbstverständlich zusammen auf eine Speisekarte gehören. Nach einem ungläubigen Blick auf die Karte und dem immer noch ungläubigen Blick als das „Schöfferhofer Weizen“ endlich vor mir steht, beschliesse ich die Kellnerin zu 

fragen, was hier eigentlich läuft. Die Antwort ist denkbar einfach und auch genau so einfach zu verstehen, denn die gute Frau spricht deutsch mit mir. Ihr Mann stammt aus Wien, hat sich in Südamerika in sie verliebt, ist hier geblieben und hat zusammen mit ihr ein Stück seiner Heimat nach Tigre gebracht. Tzzz... Die haben doch alle n Knall hier.

Der Aufenthalt auf meinem nächsten und letzten Inselziel „Tres Bocas“ ist zwar weniger deutsch, aber definitiv nicht weniger abenteuerlich. Dieses Mal werde ich zwar von dem Wasserbus auf der richtigen Seite der Insel abgesetzt und muss nicht erst über die gesamte Insel laufen, allerdings wäre das hier auch nicht so einfach getan, denn Tres Bocas ist wesentlich größer und die Umrundung hier würde statt zwanzig gute achtzig Minuten dauern, aber dazu später. Ich folge erst mal wieder dem einzigen betonierten(!) Pfad und nach kaum 20 Metern gesellt sich ein streunender Hund zu mir. Einige hundert Meter ein zweiter.
Ich komme an einen kleinen Kanal und gehe diesen entlang. Auf beiden Seiten des Kanals stehen teils einfache, teils unglaublich luxuriöse Häuser. Die Abendsonne senkt sich langsam dem Fluss entgegen und die Farben der Blumen in der goldenen Sonne strahlen um die Wette. Wahnsinn!

Ich würde euch sau gerne meine Fotos von Tigre zeigen, aber leider habe ich am Tag danach meine Speicherkarte der Kamera im Laptop von Micha (meinem Cuchsurf Host) vergessen und so muss ich mich erst mal, damit ihr nicht ganz ohne Eindrücke dasteht, mit fremden Fotos behelfen.
Sämtliche Fotos aus Tigre hier stammen also nicht von mir, waren aber ähnlich und werden sobald ich wieder Zuhause bin selbstverständlich nachgereicht.

Die beiden Hunde weichen den ganzen Weg über nicht von meiner Seite und verscheuchen jeden einzelnen Hund aus den Wohnhäusern, der mich anbellen will. Wie praktisch, eine Guided Tour, fast wie gebucht. Fehlt nur noch das der andere Hund mir die örtlichen gegebenheiten erklärt.
Irgendwann hört der betonierte Pfad einfach auf und geht in einen sumpfigen Matsch über. Ich gehe noch circa 200 Meter weiter, bis ich auf eine sehr alte, unglaublich liebe Dame treffe. Die Omi strahlt übers ganze Gesicht ob des unerwarteten Besuches aus Deutschland und fragt mich 10 Minuten lang aus. Ich antworte mit meinen rudimentären Spanischkenntnissen und sie freut sich noch mehr, als sie hört, dass ich erst seit 3 Wochen überhaupt Spanisch spreche. Die ganze Zeit über hält und tätschelt sie meine Hand und lässt mich erst nach etlichen besos (Küsschen) und Umarmungen wieder gehen.

Überhaupt kommen mir die Menschen im Delta unglaublich entspannt und freundlich vor. So gut wie jeder auf anderen Booten, oder am Flussrand winkt einem zu wenn man vorbei fährt. Wenn man nach irgend etwas fragt und die Leute merken, dass man nicht sofort versteht, wird so lange mit Händen und Füßen erklärt, bis das Gegenüber das Gefühl hat, dass man verstanden hat.

Ich esse noch ein paar Empanadas auf der Terrasse des einzigen Restaurants auf Tres Bocas (inklusive sprechendem Papagei), und fahre mit einem der letzten Boote in den Sonnenuntergang hinein, zurück nach Tigre Stadt. Was für ein großartiger Tag.

Jetzt habe ich doppelt Lust Buenos Aires endlich den Rücken zu kehren und das Landleben kennen zu lernen.

 

Der nächste Tag führt mich nach La Plata. Ich besuche diese kleine Stadt aus genau einem einzigen Grund, dem uuuuunglaublichen archäologischen, paläontologischen und antropologische Museum "Museo de la Plata".
Leider komme ich aufgrund meiner Busverbindung erst gegen Abend in La Plata an und habe nur noch 2 Stunden Zeit für das Museum. Die Ausstellungen, prähistorischen Skelette, ausgestopften Tiere, Korallen, Plakate, Evolutionserklärungen und archäologischen Funde sind dermaßen interessant und fesselnd, dass ich es in den gesamten zwei Stunden, nicht mal ins erste Obergeschoss schaffe, wo noch mal eine ähnlich große Ausstellung auf mich gewartet hätte.
Schade, aber allein das Untergeschoss war den Besuch der Stadt wert. Tip von mir: Unbedingt ansehen und wenn man sich nur im entferntesten für Archäologie, Dinosaurier und die patagonische Tierwelt begeistern kann, mindestens 4-5 Stunden Zeit nehmen.

Abends im Hostel bei Bier, Salat und Hühnchen werfe ich meine komplette Planung an der Küste entlang nach Süden zu fahren über den Haufen und beschliesse von Viedma aus bis Baroliche (ins Andengebiet, also in den tiefsten Westen von Argentinien), eine der letzten verbliebenen Eisenbahnstrecken zu nutzen, und die knapp 1000 Kilometer quer durchs Land in der Holzklasse des Tren Patagonico, für sagenhafte 7,60€ zu reisen.
Der historische Zug hat nicht nur ein Restaurant und ein Kino, sondern, für die 18 Stunden Fahrt auch direkt noch eine Disko an Bord.
Hammer! DAS will ich sehen.

Meine nächsten beiden Ziele von hier aus sind aber erst der beliebteste Strandort von ganz Argentinien, Mar del Plata und das kleine verschlafene Surferparadies Necochea.

Ich bin gespannt was mich noch so alles erwartet...

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