Reiseblog

2012 Südafrika

Tag 9

Die Straßen in Afrika tragen, wie auch ihr deutsches Pendant Buchstaben in absteigender Reihenfolge, mit der einzigen Ausnahme, das A-Straßen nicht existieren. Sprich eine B-Straße ist gut ausgebaut, gelegentlich in den Städten sogar geteert, eine C-Straße ist noch sehr gut befahrbar und entspricht unseren guten Landstraßen, den ungeteerten selbstverständlich. Ab D wird es dann immer abenteuerlicher. Anstatt heute zwischen Sysfontein und Opuwo die gut befahrbare B-Road zu nehmen, beschliesst unser Navi-Team mal zu schauen, was die Neuen so drauf haben und baut einen „kleinen“ Umweg ein. Die Strecke wird dadurch um circa 50km länger, von der Fahrtdauer her allerdings um circa zweieinhalb Stunden gestreckt, denn: Es geht auf eine F(!) Straße.

Zwischenzeitlich kommen Passagen, auf denen man sich wünscht mit einem Monstertruck unterwegs zu sein und selbst dann würde man noch 50% der Steine merken. Wir haben Steigungen von über 20% bewältigt. Abschüsse befahren, auf denen  man nur noch die kommenden 4 Meter „Fahrbahn“ sehen kann und Passagen bewältigt, die wir uns vor ein Paar Tagen noch nicht zugetraut hätten. Major Tom wollte völlig losgelöst von der Erde, sein Raumschiff zum Mond fliegen, ist allerdings schon auf der Startrampe verreckt. Einer der langjährigsten Afrika-Erfahrenen und einer der besten Fahrer des Teams überhaupt, hat es tatsächlich geschafft seine Karre auf dem steilsten Stück des Weges abzuwürgen und musste sich fast den gesamten Berg wieder hinunterrollen lassen um überhaupt wieder so viel Grip zu kriegen, diese steile Passage zu meistern. Ganz zum Leidwesen des viel zu dicht auffahrenden, weil seinem Fahrstil stets vertrauenden, Teams Gisi und Alea. Der Dschänäräll und sein Meisterchauffeur mussten ebenfalls (natürlich laut fluchend und Tom verwünschend) ein ganzes Stück rückwärts den Berg wieder hinunter.

Tom ließ die Fluchtirade wortlos über sich ergehen, konnte es sich aber nicht nehmen lassen, im Anschluss daran zu zeigen, wer eindeutig der bessere Fahrer ist und jagte seinen Toyota in halsbrecherischem, unfolgbaren Tempo den Berg hinauf, dass Alea und Gisi die Steine nur so um die Ohren flogen.

Oben angekommen ist erst einmal eine kurze Verschnaufpause angesagt und wir erfahren, dass Bea heute Geburtstag hat. Zum Glück hat unser Erotikteam Uli & Horis an alles gedacht und Party-Ausrüstung für jede nur erdenkliche Feier dabei. Das die Ballons Herzform haben… Nun, man muss multifunktionell denken in Afrika, man muss ja auch notfalls für eine spontane Tantra-Party gerüstet sein…

Wir fahren weiter und erreichen schon kurz darauf wieder höher-buchstabige Straßen und je weiter wir fahren, desto sichtbar grüner wird die Fauna um uns herum.

Am Horizont können wir deutlich ein satt-grünes Land erblicken. Es riecht nach Regen. Nur 30min später fahren wir direkt in unseren aller ersten heftigen Regenschauer hinein. Wir können erahnen, was für ein Gefühl es sein muss, der Regenzeit entgegen zu fiebern und dann den ersten Regen nach monate-, teils jahrelanger Wartezeit zu erleben.

Kurz darauf erreichen wir wieder höher-buchstabige Straßen und je weiter wir fahren, desto sichtbar grüner wird die Fauna um uns herum. Am Horizont können wir deutlich ein satt-grünes Land erblicken. Es riecht nach Regen. Nur 30min später fahren wir direkt in unseren aller ersten heftigen Regenschauer hinein. Wir können erahnen, was für ein Gefühl es sein muss, der Regenzeit entgegen zu fiebern und dann den ersten Regen nach monate-, teils jahrelanger Wartezeit zu erleben.

Unser General weiss zu berichten: Von 1976 bis 1981, gab es in Namibia eine der heftigsten Trockenperioden. Über 80% der namibischen Tierwelt wurden dahingerafft, allerdings kein einziger, der erst vor kurzem bewunderten Wüstenelefanten, denn diese Tiere können enorm lange ohne Wasser auskommen.

Dieses Jahr ist ebenfalls ein äußerst trockenes. Viele der von uns bisher befahrenen Routen (zum Beispiel die durch die beiden Flussbetten, wo wir die Elefanten sichteten) wären bei Regen überhaupt nicht passierbar gewesen. Dann verwandeln sich diese trockenen Flussbetten nämlich schnell in reißende, tiefe Flüsse.

Am frühen Abend erreichten wir dann Opuwo, die Hauptstadt der Himbas. Ein unglaubliches Gedränge der verschiedensten Kulturen bevölkert hier die Straße. Wo man hinschaut Menschen, Shops, Schulen, öffentliche Einrichtungen, Wahllokale, Flohmärkte und sogar ein Krankenhaus. Dazu später mehr. Ein unglaublich buntes und belebtes Bild. So viele Menschen auf einem Haufen haben wir zuletzt am Frankfurter Flughafen gesehen. Das unglaublichste an diesem Bild ist allerdings, dass sich hier traditionell gekleidete Himbas, mit traditionell gekleideten Hereros und modern gekleidete Menschen, wie selbstverständlich mischen. Von Ausgrenzungen, oder gar Anfeindungen keine Spur. Ob wir allerdings überall so willkommen und gern gesehen sind kann man nicht so genau sagen. Die allermeisten Einwohner empfangen uns zwar mit offenen Armen und winken uns mit ehrlicher Freude zu, doch es gibt auch immer mal wieder den ein oder anderen der uns mit Argwohn begegnet, oder gar nicht begeistert aussieht, wenn man durch „sein“ Dorf fährt.

Da poste ich doch gestern ein Bild von Roberto mit bandagierten Füßen und habe doch noch gar nicht erzählt, wie es zu den Bandagen kam. Ich Banause, ich. Nun denn, dann wird das eben nachgeholt:

Roberto hatte sich in Torra Bay so ordentlich die Füße in der Sonne verbrannt, dass er schon seit Tagen nicht mehr richtig laufen, geschweige denn alleine stehen kann. Seine Füße sind stark verbannt, krebsrot und stark angeschwollen. So beschlossen wir heute n Opuwo mit Roberto ins hiesige Krankenhaus zu fahren.

Da Roberto und seine Frau nur sehr wenig englisch sprechen, fungiere ich als Dolmetscher und fahre mit unserem Hobbitfuß-kranken auf den Parkplatz des mit Stacheldraht umgebenen Krankenhauses. Das Bild des Inneren, sowie der Ärzte und Patienten, lässt sich nur äußerst schwer in Worte fassen. Sagen wir mal so, ich kann mir keinen einzigen Zeitpunkt in Deutschland vorstellen, an dem die Situation in einer Klinik ähnlich gewesen sein kann. Die Liegen waren zerfetzt, die Wände beschmiert, die Vorhänge hingen dreckig von den verrosteten Stangen, alles lief quer durcheinander, eine Reihenfolge war nicht zu erkennen. Die Ärzte waren kaum von den restlichen Menschen im Krankenhaus unterscheidbar, elektrische Maschinen gab es genau eine, den Blutdruckmesser und der Geruch an diesem Ort tat sein übriges. Kurzum, hier möchte man nicht am offenen Herzen operiert werden. Der Arzt allerdings war sehr freundlich und verschrieb unserem Hobittfüßigen Roberto 5 verschiedene Tabletten als Antibiotikum und eine Salbe. Die Beratung, Untersuchung und Medikamente zusammen genommen kosteten uns sagenhafte 56 namibische Dollar, umgerechnet etwa 5€. Wahnsinn.

Nach dem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus geht es sofort weiter zu unserem Nachtrevier. Wir residieren in einer unglaublich schönen Lodge oberhalb von Opuwo. Als ich am Pool stehe, dessen Wasser über den Rand der Terrasse zu schwimmen scheint, mit einem eisgekühlten Getränk in der Hand und wartend auf mein Abendessen, wird mir schlagartig die unglaubliche Schere zwischen Arm und reich bewusst. Nur 500m vom Krankenhaus entfernt ist von den Verhältnissen in der Stadt und dem Hospital rein gar nichts zu erahnen. Schön, dass wir keine Pauschaltouristen sind und auch die andere Seite immer wieder vor Gesicht gehalten bekommen. Die Rückfahrt dann ist noch einmal ein Abenteuer. Felix, der Fahrer des Hotels bringt uns mit einem kleinen Jeep zu unserer Campsite. Das Auto in das wir einsteigen riecht dezent nach Erbrochenem. Als Felix das Gaspedal durchdrückt und mit ungefähr 100 Sachen über die schmalen Verbindungspfade zur Campsite rauscht, dabei nach hinten in den Wagen schaut und lacht um sich mit Roberto, der schräg hinter ihm sitzt über dessen verbrannte Füße zu unterhalten und bei dieser Aktion fast einen Baum umnietet, wird mir auch klar, warum der Wagen diese besondere Duftnote im inneren trägt.

Wir kommen wider erwartend heil an der Campsite an, kriechen in unsere Zelte, geniessen die frische Luft auf dem Berg, lauschen dem Gewitter, dass in der ferne grummelt und schlafen einer nach dem anderen langsam ein.



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