Reiseblog

2012 Südafrika

Tag 7


Nach einer Nacht inmitten von Brüllfröschen (keine Ahnung ob die wirklich so heißen, der Lautstärke nach würde es aber passen), und Maulwurfsgrillen (klingen zwar nicht laut, sind aber in Warheit noch deutlicher lauter als die Frösche), werden wir pünktlich um 7 Uhr morgens vom allgemein bekannten i-Phone-Vogel geweckt. Er pfeift die Melodie von T-Online… zumindest fast. Er vergisst ständig den letzten Ton. Zelte zusammen packen, das letzte Mal aufräumen, frühstücken in der Lodge, das letzte Mal in den Pool springen und ab geht die Post.
Ab ins Ungewisse. Denn weder die Afrika-Neulinge, wie ich einer bin, noch die alten Hasen, die schon 5 und mehr Jahre in diese Gegend fahren, haben jemals einen Fuß in diese Gegend gesetzt.Weniger als 1% aller Namibia-Reisenden fahren in dieses Gebiet; zu gefährlich.
Nach circa eineinhalb Stunden Fahrt haben wir schon satte 31km auf dem Tacho (circa 70% des kompletten heutigen Weges führen durch das Flussbett des Hoanib- und des Gumma-Domi Flusses). Doch wir sollen für diese Strapazen entlohnt werden. Nur eine Stunde später hält der Tross plötzlich an. Per Funk kommt die Durchsage: Elefanten.
Einer nach dem anderen tuckert in Schritttempo an den ersten 2 Elefanten unseres Namibia-Aufenthaltes vorbei. Das siebte und letzte Auto sind Sunny und meine Wenigkeit. Alle unsere lieben Teamkollegen kommen unbehelligt, jedoch scharf beäugt an den beiden Dickhäutern vorbei. Wir setzen uns in Bewegung. Just in dem Moment als wir auf einer Höhe mit dem Elefantenbullen sind, stellt dieser seine großen Ohren auf, rollt seinen Rüssel auf und rennt laut trompetend mit seinen  3 Tonnen Lebendgewicht auf unsere Karre zu. Äh… Mist.

Sunny versucht das Gaspedal durchs Bodenblech zu treten und rettet mit dieser Aktion unserer beider Dünnhäute. Das war knapp. Nur 20min. später kommt die erneute Durchsage: Elefanten. Kurz darauf die Durchsage:  2 Herden links und rechts unseres Weges. Na super. In einer Schlucht, die teilweise nur 5-6 Meter breit ist, kommen sich die Dickhäuter schnell bedrängt vor und schalten in den vorhin beschriebenen Offensivmodus. Wie zuvor fahren wir nicht mit der gesamten Kolonne, sondern alle einzeln an den beiden Herden vorbei. Je weniger Lärm und je weniger Autos, desto weniger Bedrohung.

Mir gehen, ob des eben Erfahrenen, gehörig die Knochen, doch es bleibt uns nichts anderes übrig, als dem Tross zu folgen. In Schritttempo geht es ab durch die Mitte. Doch schon als wir nur noch circa 25m Meter zu den Tieren haben, können wir sehen, dass diese absolut entspannt sind, weiter fressen, sich mit Sand bewerfen, oder einfach liegen(!!) bleiben.

Einen Wüstenelefanten in freier Wildbahn zu sehen ist schon eine Sensation an sich, da es, so weiß der General zu berichten, nur noch circa 600 dieser Tiere gibt. Einen Elefanten liegen zu sehen ist wiederum ungefähr so wahrscheinlich, wie ein weibliches Wesen zu sein und nicht von Bruder Rectus begattet zu werden. Alleine am heutigen Tag haben wir circa ein Zehntel aller noch lebenden Wüstenelefanten der Welt gesehen und diese zusätzlich teilweise liegend. Eine Sensation in der Sensation. Der absolute Hammer.

Eine halbe Stunde später, nach der verdienten Pause, wieder Elefanten. Dieses Mal mit Babys dabei. Als die Dickhäuter uns sehen, bilden sie sofort einen Kreis um ihre Kleinen und beobachten, was wir tun. Alle kommen heil vorbei, die Tiere bleiben absolut entspannt. Leider steht der Elefantenbulle der Herde 100m weiter. 5 unserer Fahrzeuge sind schnell genug – Brezel-Uwe und  Margot, seine Lebensgefährtin, sowie, na klar, wem sonst, Sunny und icke, wird der Weg durch den Bullen abgeschnitten. Er klappt seine Ohren auf, schaut uns böse an, macht einige Schritte in unsere Richtung und… bleibt stehen. Mexican Stand Off. Wir malen uns aus, wie unser Auto wohl mit 2 großen Stoßzähnen plus Elefant dran aussehen würde. Während wir noch Kopfkino haben, beschließt der große graue Berg uns als langweilig und ungefährlich einzustufen, dreht sich nach rechts und trottet gemütlich zu seiner Herde zurück.

Es folgen Giraffen, Oryxe, Springböcke und Paviane entlang unserer Strecke, alle nur wenige Meter neben unseren Autos. Scheiß auf den Berliner Zoo.

Alea hingegen ist absolut fasziniert von den vielen seiner Artgenossen (Wildrinder) und versucht Kontakt aufzunehmen. Während er wild muhend und grunzend hinter einer kleinen Herde herjagt, achtet er in seiner Extase nicht mehr auf die Fahrspur und bricht mit seinem Auto, in dem übrigens auch der General und sein Whisky residieren, im tückischen Sand ein. Rien ne va plus. Nichts geht mehr.

Die Abschleppseile werden ausgepackt und nacheinander fahren sich beim Rettungsversuch  auch Brezel-Uwe und Met-Tom fest. …das wird eine längere Aktion. Die Sandmatten werden heran geschafft, die Spaten ausgepackt und nach schweißtreibenden 45min. bekommen wir tatsächlich alle Wagen wieder aus dem Chaos frei.

 

 


Der General hat sich derweil seinen Klappstuhl ausgepackt, einen eiskalten Whisky-Cola gemixt und gibt aus sicherer Entfernung Regieanweisungen. Fast wie Zuhause.

 

 

Es folgt dr zweite Fluss unseres heutigen Weges, dieses Mal sogar mit Wasser. Unzählige Male führt uns der schmale Pfad durch das Flussbett, vom einen Ufer aufs andere. Immer wieder sieht man die Fontänen links und rechts der vor einem fahrenden Fahrzeuge aufspritzen. Uli, unser Navigator, führt uns sicher durch alle tückisch schlammigen Passagen.

 

Was nun folgt ist ein Bericht, wie es sich wirklich und wahrhaftig zutrug. Nichts als die reine Wahrheit. Glaubt dem Bericht des Masters Gisbert kein Wort, nur hier findet die unverblümte Wahrheit. Pressefreiheit sei dank:

 

Und es begab sich, dass mon General als Beifahrer maulig wurde und es ihm wohl nicht schnell genug ging, weshalb er Alea, seinen persönlichen Chauffeur, dazu anstachelte, den Fahruntergrund zu wechseln und den Allrader quer durch das morastige Flussbett zu jagen. Brezel Uwe fand die Idee ebenfalls super, doch kann man in einem Flussbett nur schwerlich der Fahrspur des Vordermannes folgen. So passierte es, dass der Meisterbäcker kurze Zeit später per Funk meldete, er brauche Hilfe. Er hatte sich festgefahren, und zwar ordentlich.

Uwes Fahrzeug steckte nicht etwa einfach nur im Flussbett fest, nein, er hatte es sogar geschafft, einen der wenigen Flecken Treibsand(!) zu finden, die es in diesem Gebiet gibt. Die Reifen waren nur noch halb zu sehen, die Vorder-, wie auch die Hinterachse lagen auf und sanken langsam aber stetig, immer weiter ein. Der Wagen war keinen Zentimeter mehr zu  bewegen. Ran an die Klappspaten!

Was jetzt folgte war eine Rettungsaktion, wie sie im How-To-Save-A-Car-Out-Of-Treibsand-Katalog stehen könnte. Nun ja, bis auf eine Ausnahme: Alea, unser sonst unschlagbarer Techniker, der schon so einige kleinere und größere Pannen an unseren Fahrzeugen behoben hat, fing an Uwes Fahrzeug zu sichern, damit es nicht noch weiter einsinken möge. Er bediente sich dazu eines großen Highlift-Jacks aus  Stahl und seinem Klappspaten. Nun stellte er allerdings fest, dass eine fest angebrachte mobile Hebevorrichtung unter einem Fahrzeug ziemlich unpraktisch ist, wenn man das Fahrzeug ja noch bewegen möchte. Er beschloss also, den Highlift-Jack wieder zu entfernen. Dabei passierte es dann. Das Gerät hatte, dank des ein wenig weiter eingesunkenen Fahrzeuges, natürlich ein wenig mehr Spannung als noch beim Anbringen und hatte sich verkeilt. Der Hebel wurde gelöst, der Highlift-Jack entlud seine Spannung und der Griff des Ungetüms versuchte das lose Mundwerk unseres lieben Sängers mit einem ungebremsten Rückschlag zu festigen. Kurz gesagt: Highlift-Jack vs. Aleas Kiefer, 1:0.
Nun ging die eigentliche Rettungsaktion los. Drei unserer langen Abschleppseile wurde zusammen geknotet und frontal an Toms Fahrzeug angebracht. Dahinter kam unser Fahrzeug, fest gemacht an Toms mit einem 3 Meter Seil und dahinter wiederum das Fahrzeug von Bauzaun-Roberto und seiner Frau Bea, ebenfalls mit drei Metern Abschleppseil. Dann fuhren wir alle nacheinander zurück um die Abschleppseile zu spannen und setzten dann alle gleichzeitig in L4 (dem Ich-fahre-durch-alles-Gang), mit eingerasteter Differenzialsperre, um den Fahrzeugen zusätzlich Grip zu geben, mit Vollgas zurück um mit der Kraft von über 350PS, Uwe aus dieser üblen Falle zu ziehen.
Wäre der General nicht auf die hanebüchene Idee der ultimativen „Abkürzung“ gekommen und hätte Uwe damit nicht verleitet es ihm gleich zu tun, wären wir wohl alle über eine Stunde eher an unserem Zielort angekommen. Somit verdient am heutigen Tage einvernehmlich und eindeutig der General höchst selbst den Titel des „Deppen des Tages“.

Herzlichen Glückwunsch.



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