Reiseblog

2012 Südafrika

Tag 36

Unser letzter kompletter Tag in Afrika bricht an. Uaaa, was für ein Gefühl. Heute aber noch mal so richtig Afrika pur auf der Farm Okonjima. Den letzten Tag werden wir damit verbringen Leoparden und Geparden zu beobachten. Wir machen uns auf den Weg. Die letzten 200km brechen an. Wir fahren vorbei an den Ausläufern des riesengroßen, 48 Kilometer langen Waterberges. Auf diesem Berg haben 1904 die circa 3000 Mann starke deutsche Schutztruppe, den Aufstand der Herero niedergeschlagen. 3000 schwerst bewaffnete und bestens ausgerüstete deutsche Truppe gegen 60.000 Herero mit Speeren und Pfeil und Bogen. Bei diesem Massaker haben nur circa 15.000 Herero überlebt. Die deutschen Truppen trieben die Ureinwohner dieses Landes zurück in die lebensfeindliche Omaheke Wüste und liessen jeden erschiessen, der sich der deutschen Stellung, auf der Suche nach Wasser wieder näherte.
Wir besuchen eine Lodge auf der Spitze des Berges. Die Fahrt dort hinauf ist schon ein Abenteuer für sich. Die Wege sind teils so steil, das man auf der Kuppe angelangt, über die Motorhaube hinweg keinen Boden mehr sieht. Trotzdem jagen wir gnadenlos unsere Toyotas den Berg hoch. Wenn jetzt noch einer schlapp machen sollte, sind wir nah an unserer Vermietungsstation.


Der Blick aus den einzelnen Hütten der Lodge (jedes Zimmer ist quasi eine eigene kleine Holzhütte am Hang, mit Kamin und Balkon), ist der absolute Wahnsinn. Steppe, soweit das Auge reicht. So stellt man sich Afrika vor (nur meisstens nicht so grün, wie es gerade ist).
Von hier aus gehts ohne Umwege weiter nach Otjiwarongo, die Leoparden warten auf uns. Nach dem ersten großen Tor des Nationalparks und Leopardenreservats, sehen wir direkt die Leopardenwarnschilder. Schon verrückt diese Verkehrszeichen mit Elefanten, Nashörnern, Leoparden und Warzenschweinen drauf. Der Park ist wunderschön. Wieder sehen wir einige Abschnitte, in denen die gelbe Blume, unser Afrikaraps, blüht.
Nachdem wir unsere Fahrzeuge auf der Campsite abgestellt haben, machen wir uns erst einmal daran die Fahrzeuge von den Aufklebern zu entfernen. Da wir auf jedem Auto um die 10 Aufkleber haben, einer davon, 1mx1m auf der Fahrzeughaube, dauert die ganze Prozedur dementsprechend lange. Bah, sehen die Jeeps jetzt wieder weiss und langweilig aus.
Kurz nachdem wir fertig sind und uns gerade mit einer Limo in den Schatten der Bäume verzogen haben, kommen Chris und Daniel, unsere Guides für den heutigen Tag, mit zwei 9-sitzigen Toyota Safari-Jeeps.
Das zweite und letzte Mal, begeben sich die Individualtouristen in die Luxustouri-Legebatterien.
Erster Anlaufpunkt ist ein kleines Steinhaus, mit vielen Infotafeln und Fotos über die AfriCat Organisation. Chris erzählt uns (in sehr gutem Englisch), dass AfriCat seit bestehen in 1961, schon über eintausend Leoparden gerettet hat und er erklärt uns auch, wie es meisstens vonstatten geht. Die Leoparden sind für Rinderzüchter und andere Zuchtviehhalter ein Alptraum, da man sie nur sehr schwer fangen kann, sie aber immer wieder Tiere reissen. Die Tiere werden oft von den Farmbesitzern getötet. Häufig sogar, bevor sie überhaupt etwas gerissen haben. Genau diese Situation möchte die AfriCat Organisation ändern, da die Tiere von der Ausrottung bedroht sind. Überall im Land macht die AfriCat Werbung und Seminare, dass die Farmbesitzer, sollten sie einen wilden Leoparden sichten, die Organisation anrufen sollen. Diese rückt dann mit speziell ausgebildeten Rangern aus und fängt die Leoparden lebend ein.
Wir werden zum ersten Gehege gefahren. Auf dem Weg dorthin erzählt uns Chris von Wahoo, dem ersten Leoparden des Camps. Er wurde von seiner Mutter verstoßen und von Wayne, dem Begründer der Farm mit der Flasche großgezogen. Als Wayne für einige Monate krankheitsbedingt in ein Hospital musste, entwöhnte sich der Leopard so schnell von seinem Ziehvater, dass er ihn bei seiner Rückkehr sofort angriff. Wahoo ist Menschen gewöhnt und deshalb der gefährlichste Leopard im ganzen Camp, da er keine Scheu vor den Menschen besitzt und ohne zu zögern auch Menschen angreifen würde. Er wird in einem Extra Gehege gehalten, in dem es wiederum einen Extra-Bereich gibt, in dem Wahoo gefüttert wird. Bei dieser Fütterung sind wir nun live dabei. Das Fleisch wird auf dem Baum verteilt und keine 3 Minuten später schleicht auch schon lautlos dieses wunderschöne Tier zu seinem Abendbrot. Wir schauen von einer Art Käfig aus zu, wie der Leopard sich in einer einzigen fliessenden Bewegung auf den Baum katapultiert. Die Grazie mit der sich dieses Tier bewegt ist nicht zu beschreiben. Jede Bewegung, jeder Sprung, jeder Schritt wirken wie gemalt. Als wäre alles eine einzige große Bewegung.
Nach guten 10 Minuten ist Wahoo satt und hat genug davon beobachtet zu werden. Er verschwindet genau so schnell und lautlos wie er gekommen ist hinter einer der sichtdichten Zäune.

Chris und Daniel geleiten uns zurück zu den Safari-Jeeps und bringen uns zum nächsten Gehege. Dieses Mal zu einem Gehege mit 4 Geparden.
Die Tiere liegen, wie bestellt, alle beieinander, mitten auf dem Weg im warmen Sand und räkeln sich. Sie sind die Safarifahrzeuge gewohnt und machen keinerlei Anstalten sich von uns aus der Ruhe bringen zu lassen. Geparden sind die schnellsten Lebewesen an Land. In vollem Lauf erreichen sie bis zu 90 Stundenkilometer. Das Problem ist, dass sie bei dieser Geschwindigkeit sehr viel Energie verbrauchen und diese auch nicht sonderlich lange durchhalten. Ist die Jagd am Ende nicht erfolgreich, können die Tiere diese Energie nur noch ein bis zweimal nutzen um zu jagen. Schaffen sie es auch dann nicht ein Tier zu erlegen, verhungern die grazilen Katzen. Einer der Gründe warum Geparden in den letzten Jahren sehr selten geworden sind. Wusstet ihr eigentlich das, anders als bei Leoparden, ein Gepard, würde man ihn rasieren, keinen einzigen Punkt mehr auf dem Körper besäße? Bei Geparden ist das Fell, bei Leoparden die Haut gepunktet.

Das letztes Gehege für heute führt uns zu zwei wilden Leoparden, von denen einer ein Funkhalsband trägt. Chris ortet den Leoparden mittels eines einfachen GPS-Empfängers und führt uns auf seine Fährte. Keine 15 Minuten später sichten wir den wilden Leoparden. Chris folgt dem Tier einen knappen Kilometer mit dem Allradjeep querfeldein. Auch wenn es schon ein bisschen geschummelt ist, ist es nichts desto weniger aufregend und toll diese unglaublich seltenen und scheuen Tiere in “freier Wildbahn” beobachte zu können. Habe ich eigentlich erwähnt, dass sich der Park auf einer Fläche von zwanzigtausend Hektar ausbreitet? Ohne GPS würde man in diesen riesigen Gehegen garantiert keine der wilden Katzen spontan finden.
Die Leoparden werden von AfriCat, sobald sie genesen und gesund sind und sich als normal jagende Tiere erweisen (einige Leoparden sind aufgrund ihres jahrelangen Jagdreviers auf Rinder spezialisiert, diese Leoparden jagen keine anderen Wildtiere mehr), in Nationalparks ausgewildert und führen danach meisst ein normales Wildleben.
Auf dem Rückweg zum Tor sehen wir noch eine Eland-Antilope und kurz danach ein Tamara-Tik-Tik. Als wollten uns die größte und die kleinste Antilope der Welt verabschieden.
Hier beide ausgewachsenen Tiere einmal untereinander, leider habe ich keinen besseren Größenvergleich.

 


Wir schliessen das letzte Tor dieser Reise und werden von Chris und Daniel zurück zu unserer Campsite gefahren. Wir haben nun 30 Minuten Zeit uns frisch zu machen, zu duschen und noch ein wenig auszuruhen, bevor sie uns erneut abholen und hinauf zur Lodge zum Abendessen bringen.


Diee Lodge ist, welch ein Wunder, offen gestaltet und wir fläzen uns in die mega gemütlichen Ledersessel und chillen noch ein bisschen, bevor zum Essen gerufen wird. Ich laufe ein bisschen durch die Lodge und entdecke ein unglaublich toll gemaltes Bild. 

Nicht nur, das der Leopard auf dem Bild aussieht wie fotografiert, es sieht auch aus, als wäre das Tier gerade in einer schnellen Bewegung. Wahnsinn.
Nach dem Abendessen gönnen wir uns noch den ein und anderen Drink auf der schönen begrünten Terrasse der Lodge, bevor uns Daniel und Chris zurück zur Campsite fahren.
Die letzte Nacht in den großen, gemütlichen Dachzelten steht uns bevor. Nur noch ein einziges Mal von den Geräuschen des nächtlichen Afrikas in den Schlaf gewiegt und von der kitzelnden Sonne wieder geweckt werden.
Wir werden ein wenig melancholisch und ich lege mich mit Sunny auf das Dach unseres Autos, auf das nicht ausgeklappte zweite Zelt.
Wir schauen ein letztes Mal in den außerirdisch schönen Sternenhimmel Afrikas und hängen unseren Gedanken an die Reise nach, bevor alle nacheinander langsam und nachdenklich in den Dachzelten verschwinden und ein letztes Mal in Afrika einschlafen.

 

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