Reiseblog

2012 Südafrika

Tag 35

Die Nacht war klar, kühl und ohne Gewitter. Der Morgen ist einfach nur herrlich. Kaum zu glauben, dass wir in drei Tagen schon bei Minus 10 Grad und Schneegestöber aufstehen werden. Heute geht es ein letztes Mal selber auf die Pirsch. Morgen fahren wir zwar auch noch einmal pirschen, allerdings lassen wir uns dort fahren, da der Park nicht selbst befahren werden darf. Eines der wichtigsten Schutzgebiete für bedrohte Leo- und Geparden, die Farm Okonjima, eine Farml der AfriCat Organisation.
Wir klappen die Dachzelte zusammen und fahren erst einmal zu der nahen Lodge frühstücken. Herrlich so ein Frühstück auf einer offenen Terrasse, geschützt vor der sengenden Sonne, direkt über einem kühlen Wasserloch. Da tunken sich die Croissants doch wie von selbst in die Marmelade.

 

Der Etosha Nationalpark ist atemberaubend, schon am Eingangstor, sehen wir auf einer Wiese direkt neben der Zahlstelle, ein paar dutzend der süßen Zebramangusten. Als Alea sich allerdings zu nah eines der putzigen Tierchen heranwagt um es zu streicheln, wird er sofort vom Rangerteam der Rezeption zurück gerufen. Vermutlich besser so, denn die kleinen hinterlistigen Biester können ganz schön feste zubeissen und sind, auch wenn sie nicht aussehen, nicht ungefährlich. 

Man weiss überhaupt nicht wo man zuerst hinschauen soll. Gisi erzählt uns über Funk, dass er in den gesamten 6 Jahren Afrika-fahren, die Etosha Salzpfanne noch nie so grün erlebt hat. Tatsächlich glaubt man zur Zeit hier eher, sich in einem Mecklemburg-Vorpommerischen Landidyll aufzuhalten, als in einer Salzpfanne mitten in Afrika. Es sollte aber noch kurioser werden. Von jetzt auf gleich fahren wir mitten durch ein Meer von kleinen, gelb blühenden Pflanzen.
Wenn man nicht alle Paar Meter Giraffen und Zebras sehen würde, könnte man glatt meinen, man befindet sich in Deutschland in einem Rapsfeld. Absolut irre.
Schon auf den ersten Paar hundert Metern sehen wir dutzende Giraffen, teilweise sehr nah an der Straße. Der Park wimmelt nur so vor Tieren. Impalas, Springböcke, Oryxe, Elands, Giraffen, Zebras, Marabous, Paviane… nur Elefanten sehen wir keine.
Kein Wunder, da zur Zeit wirklich überall in der Etosha verteilt, kleinere und größere Wasserlöcher bis zum Anschlag gefüllt sind. Die Elefanten müssen nicht an bestimmte Wasserlöcher um ihren Durst zu stillen, und bleiben lieber außerhalb der Sichtweite.
Auch die Wege sind teilweise komplett überflutet. Es macht uns eine Mords-Laune, durch die Riesenpfützen zu brettern und uns die Karren noch mal so richtig schön einzusauen. In einem unachtsamen Moment allerdings, als wir gerade nach einem gesichteten Tier Ausschau halten, prescht der gute Tom an uns vorbei und macht endlich seine Drohung von vor drei Tagen wahr.
Meine Hand zuckt zwar noch zum Fensterheber, aber leider zu spät. Die abgestandene Salzbrühe verteilt sich über unsere Klamotten auf der Rückbank und an der Fahrzeugdecke. Uääää. Krieg!
Wir legen eine kurze Pause ein und geniessen den Blick über die Etosha. Der Platz ist für ein kleines Picknick wie geschaffen, hier kann sich garantiert kein größeres Tier unbemerkt nähern. Wir sind völlig umgeben von Wasser, ein irrer Anblick, inmitten einer eigentlich trockenen Salzpfanne. Da dieser Anblick einfach nicht zu beschreiben ist, hier das zweite und letzte 360° Panorama:

Gisi bemerkt am Horizont einen dunklen Fleck am Himmel und zieht sein Fernglas zu Rate. Geier. Wir sind neugierig, steigen wieder in die Karren und fahren in Richtung der kreisenden Aasfresser. Mitten auf dem Weg halten wir an, die Geier rechts von uns, keine 100 Meter entfernt. Die Sichtung toppt alles, was wir bisher an Tieren hier in Afrika erlebt haben. Ein komplettes Löwenrudel, mit über 10 Tieren, macht sich, direkt vor unseren Augen, keine 100 Meter von unseren sicheren Autos entfernt, über einen gerade gerissenen Springbock her. Die Wächter-Löwin behält die Umgebung, samt Geier und uns, genauestens im Auge, stuft uns aber nach einiger Überlegung (glücklicherweise) als ungefährlich ein, und verscheucht lieber die etwas zu nah gekommenen, frechen Marabus.
Das Schmatzen, Knacken und Reißen des Fleisches, ist bis zu unseren Autos hörbar. Uaa, was für eine Soundkulisse. Ich bin ganz froh, dass man es nur gerade eben hören kann. Trotzdem, gute 60 Meter trennen uns von den Tieren und man kann sich ausmalen, wie die Geräusche 50 Meter näher klingen würden.
Wir beobachten die schaurig schöne Szenerie fast eine gesamte Stunde lang. Kleine Machtkämpfe zwischen den Löwen, die tobenden Jungtiere, das Auseinandernehmen der Beute. Ein wahnsinns Anblick. Selbst Gisi, der in 6 Jahren Afrika mittlerweile so einiges gesehen hat, ist völlig geflasht. Ein so großes Löwenrudel, und dann auch noch kurz nach einem Riss, beobachten zu können, war ihm bisher noch nicht vergönnt.
Nach diesem Erlebnis legen wir an einer der nahen Nationalpark-Lodges einen kurzen Stop ein und kühlen uns im definitiv größten Pool der Reise einmal richtig schön ab. Herrlich im Urlaub.
Im kühlen Pool und der sonnigen Terrasse, finden Sunny und ich auch endlich einen ruhigen Augenblick, um uns gegenseitig zu entschuldigen, uns auszusprechen und diesen doofen Streit aus der Welt zu räumen. Ein Kuss und alles ist wieder gut. Ist ja auch doof, sich in so einem schönen Land, so anzublaffen und tot zu schweigen.
Es folgt ein Mittags-Burger und schon gehts weiter auf die Pirsch und Richtung Onguma Lodge, unserem heutigen Nachtrevier. Bis zur Abenddämmerung, um 19 Uhr sind wir noch quer durch den wunderschönen, blühenden Etosha-Nationalpark gefahren.
Bei all den Tiermassen, die wir heute zu Gesicht bekommen haben, es bleibt bei einem einzigen Elefanten. Naja, wir beschweren uns nicht, wir haben ja mittlerweile nun wirklich genug Elefanten gesehen.
Die Lodge ist tatsächlich mal etwas anderes. Keine schicke offene Terrasse im Lounge Stil, sondern als einzelne Wellblech- und Lehmhütten aufgemachte Räume, die aber allesamt noch einmal überdacht sind. In Wände eingebaute Autotüren, riesige auf rostigen Fahrrädern sitzende Plüschbären, ein Flur mit hunderten von Schildern… strange, aber cool.
Nach dem wirklich leckeren Abendessen-Buffet, gibt es draußen auf der Terrasse noch eine kleine Liveband. Drei Männer, drei Gitarren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (am Anfang sitzt einer der drei noch an einem kleinen Keyboard), drehen die Jungs so richtig auf, und nehmen sofort alle mit. Die Stimmung ist super. Man sieht einfach, wie viel Spaß die drei bei ihren Songs haben. Es geht sogar so weit, dass einige Gäste aufstehen und tanzen.
Ich gehe an die Bar und traue meinen Augen nicht. Hier gibt es Weizenbier(!). Echtes, in Windhoek gebrautes Weißbier. Hammer! Das muss ich probieren. Es kommt natürlich nicht an ein echtes bayrisches heran, aber es ist unverkennbar Weizen. Derb. Und das mitten in Afrika.

Sunny und ich kapseln uns kurz darauf ab, und legen uns auf eine der vielen Poolliegen, oberhalb der Terrasse. Der Sternenhimmel ist wieder einmal unschlagbar schön. Auch wenn das jetzt vielleicht kitschig klingen mag, ich könnte wirklich Stunden damit verbringen dort hinauf ins unendliche Nichts zu glotzen. Nie zuvor habe ich so genau die Milchstraße gesehen, nie zuvor so viele Sterne auf einmal.
Morgen ist der letzte “richtige” Tag hier in Afrika. Übermorgen Abend sitzen wir schon wieder im Flieger gen Heimat. Ja, ich freue mich auf Deutschland, auf meine Freunde, meine Wohnung, mein Berlin. Das einzige was mich stört ist, dass ich dafür hier weg muss…

 

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