Reiseblog

2012 Südafrika

Tag 33


Der heutige Tag beginnt spät. Klar, es wurde ja auch gestern noch ordentlich in Aleas Geburtstag hinein gefeiert. Die Barrechnung spricht Bände…
Die Truppe stärkt sich mit einem deftigen Frühstück, im, wie fast immer in Afrika, offen gehaltenen Raum des Restaurants. Unser heutiger Weg führt uns über Rundu zur Koukuas Farm, einer traditionellen Rinderfarm, von alten Freunden von Gisbert. Die deutsche Farm befindet sich bereits seit 3 Generationen im Familienbesitz und wir sind gespannt auf die deutschen Südwestafrikaner.
Unterwegs gibt es nur einen nennenswerten Zwischenfall, mal wieder eine der vielen Polizeikontrollen.
Polizeikontrolle heisst: Wagen verlassen, Führerschein und Ausweis zeigen, Gepäckkontrolle und Unterschrift im nahen Büro. Die schwarzen Schafe der Kontrolle sind dieses mal Tom und ich.


Wir sitzen ob der Hitze mit freiem Oberkörper in den Autos und als wir aufgefordert werden den Wagen zu verlassen und wir der Aufforderung ohne Umschweife folge leisten, geht eine wütende und laute Schimpftirade über uns hernieder. Dies sei eine offizielle Polizeikontrolle der namibischen Polizei, was wir uns denn erlauben würden, ohne T-Shirt vor die Beamten zu treten. Kleinlaut verziehen wir uns zurück ins Auto und bedecken unsere Blöße, bevor wir, unter strengen Blicken, erneut ins Büro stiefeln um die Unterschrift zu leisten.
Gegen meine Bierdose in der Fahrerhalterung, sowie der Whiskeyflasche in Alea- und Gisis Fahrzeug wird großzügig hinweg gesehen, bzw. das interessiert einfach niemanden.

Nach einem kurzen Einkauf in Rundu (20 butterzarte 300-400g Steaks (circa 7€ pro Steak)), geht es weiter zur Farm von Beowulf und Susann.
Die beiden erwarten uns nicht und freuen sich riesig, als die Autos auf ihren Hof rollen. Es gibt ein herzliches Wiedersehen mit den alten Freunden und alle Neuzugänge werden willkommen geheissen. Danach bekommen wir erst einmal eine kleine Führung über die wunderschöne Farm (die aussieht wie eine Miniatur-Burg). Die Trockenpfanne hinter dem Haus ist dank der Regenfälle der letzten Zeit komplett überfluetet und einem riesigen See gewichen. Wow, hier würd ich glatt einziehen.
Sunny und Gisi schmücken sich mit einer der wunderschönen und herrlich duftenden Blumen eines nahen Strauches. An Sunny bin ich Blumen ja mittlerweile gewöhnt, aber unsere Dorfschönheit Gisi wird nun auch von mir spontan in den Kreis der hübschen Jungfern aufgenommen:


Roberto, Uli, Bea und Maria schaffen derweil den gusseisernen Grill heran und wir laden die beiden zum Abendessen ein. Während Roberto den Grill anfacht, zeigt uns Susann ihre zwei neuesten Haustiere. Einen großen grauen Papagei, den Highli sofort ins Herz schliesst und am liebsten adoptieren würde – Highli, keine Sorge, wir sagen dir Bescheid sobald es Essen gibt – und einen handteller großen Skorpion, den Susann vorgestern selbst im eigenen Garten eingefangen hat.Sie nimmt ihn geübt in die Hand und setzt ihn uns direkt vor die Füße. Sofort stellt das kleine gefährliche Tier seinen Stachel auf und geht in die Angriffsposition über. Wow, sowas sieht man sonst nur hinter Glas. Einerseits beruhigend, dass dieses Ding nicht mehr in unserem Zelt, oder auf dem Weg dahin auf uns warten kann, andererseits auch beängstigend, wenn man nun mal mit eigenen Augen sieht, was einem hier generell so über den Weg laufen kann.
Zusätzlich zu den Steaks zaubert Tom seine berühmte Bohnenpfanne und es fliessen natürlich ordentlich Whiskey, Bier und anderes. Schliesslich ist auch Beowulf ein gestandener Whiskey Liebhaber und freut sich jedes Jahr über die Mitbringsel des Afrika-Corps.

Kaum haben wir unser Abendessen beendet und uns dem gemütlichen Teil des Abends gewidmet, als mit ungeheurer Heftigkeit, dass sich nahende Gewitter losbricht. Innerhalb von Nanosekunden schüttet es wie aus Eimern. Krass. Okay, jetzt weiss ich auch, wie aus der Trockenpfanne hinter dem Haus so ein See werden konnte. Susann und Beowulf laden kurzerhand die gesamte Runde in ihr großzügiges Wohnzimmer ein und erzählen uns spannende und unglaublich interessante Geschichten über das Leben auf einer Farm in Afrika.
Da gibt es zum Beispiel das Problem, dass man seinen Führerschein in Afrika offiziell kaufen kann und das Menschen, die seit Ewigkeiten auf dem Land leben und die Assoziation groß=schnell, klein=langsam so verinnerlicht haben, dass es just aus diesem Grund immer wieder zu heftigen Unfällen kommt. Oder die Geschichte, als einer der Farmarbeiter eines Tages mit einem Wasserhahn in der Hand zu Susann ins Auto steigt. Susann fragt, ob auf der Farm ein Wasserhahn kaputt wäre und bekommt zur Antwort, dass der Wasserhahn für die Farmwohnung gedacht sei. Auf die Frage, ob denn mittlerweile eine Wasserleitung zu den Farmwohnungen liegen würde, bekommt Susann nur ein Stirnrunzeln als Antwort.
Wir sitzen noch bis tief in die Nacht mit Susann zusammen und lauschen den Geschichten über das Leben in Afrika. Auch als Beowulf sich ins Bett verzieht und die Runde nach dem Gewitter wieder nach draußen wechselt, ebben die Gespräche nicht ab.
Ich verabschiede mich irgendwann aus der Runde und verschwinde ebenfalls ins Zelt zu Sunny, die sich aus Müdigkeit schon direkt nach dem Essen und vor dem Gewitter in selbiges zurückgezogen hat.
Wie ich am nächsten Morgen erfahre, hat Sunny das heftige Gewitter und den starken Regen völlig verschlafen. Nur zu verständlich, bin ich doch selbst, als ich erst einmal gelegen habe innerhalb von Sekunden hinweg gedämmert.

 

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