Reiseblog

2012 Südafrika

Tag 29

Der Morgen beginnt mit Jörg. Nein, ich meine nicht unseren lieben Alea, sondern eine besondere Vogelart, deren Gezwitscher klingt wie in lang gezogenes “jöööööööörg”. Wieder mal ein sehr schöner und lustiger Naturwecker.
Sunny öffnet das Moskitonetz unseres Dachzeltes und wir blicken direkt auf den Sambesi River. Das Aufwachen durch Geräusche der afrikanischen Tierwelt, die Luft am frühen Morgen und solche Panoramen… Das werde ich in Deutschland definitiv vermissen. So steht es sich quasi wie von selbst auf, hier musste ich mich nicht einmal für dieses Vorhaben überwinden.

 

Heute wird es ein weiteres Highlight der Afrika-Tour geben. Wir besuchen die weltberühmten Victoria Falls. Der 1,7km(!) lange Wasserfall, ist in der Regenzeit der breiteste durchgehende Wasserfall der Welt. Außerdem ist der Wasserfall mit über 120 Metern an der tiefsten Stelle ungefähr doppelt so hoch wie die Niagarafälle. Ich bin mehr als gespannt was uns dort erwartet.

Der Weg aus dem Camp heraus ist genau so spannend und abenteuerlich, wie der Weg hierher (siehe Tag 28). Nach circa einer Stunde kommen wir in Vic-Town an und melden uns erst einmal in unserem Camp an, bevor wir mit den Jeeps direkt zum Parkplatz der Vic-Falls weiterfahren.
Schon hier, auf dem Parkplatz, hunderte Meter entfernt vom Wasserfall, kann man Dröhnen und Tosen der Wassermassen deutlich hören und spüren. Meine Spannung steigt.

Nach einem (teuren) Eintrittsgeld und ein Paar hundert Metern Fußweg, können wir nun das aller erste Mal einen Blick auf den gigantischen Wasserfall werfen. Wir befinden uns am Ende eine Schlucht. Auf der linken Seite stürzen circa 200 Millionen Liter Wasser pro Minute(!!) in den sich am Fuße des Wasserfalls gebildeten Fluss. Auf der anderen Seite der Schlucht marschieren wir nun knappe zwei Kilometer an diesem gigantischem Naturphänomen entlang. Um jede Biegung wird der Ausblick noch schöner, der Wasserfall noch höher, der Niederschlag noch dichter. Kaum fünf Minuten nach Sichtung des Wasserfalls sind alle bis auf die Unterhose durchnässt. Die Gischt des Wasserfalls reicht teilweise bis zu 300 Meter über den Wasserfall hinaus und kann selbst 30km weiter ins Landesinnere noch gesehen werden. Aufgrund dieses “Regens” nennen die Einheimischen diesen Mosy-oa-Tunya, was übersetzt tosender Rauch bedeutet.

Am anderen Ende der Schlucht wartet aber noch das mit Abstand spektakulärste auf uns, der Danger Point.
Hier, am zweithöchsten Punkt der Fälle, befindet sich auf unserer Seite ein riesiger Fels, der bis zu 50 Meter an den Wasserfall heran reicht. In Deutschland absolut unvorstellbar, ist dieser Fels weder abgesperrt, noch abgesichert. Macht man hier, auf den glitschigen Steinen einen falschen Schritt fällt man 108 Meter, mit dem Wasserfall gegenüber in den Tod.

Gisbert setzt sich an die Kante und lässt die Beine baumeln. Ich stelle mich, nachdem ich mit hinunterschauen meine Neugier befriedigt habe, einen Meter entfernt der Kante an den Abgrund, mache die Augen zu und lasse die atemberaubende Soundkulisse auf mich wirken. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben. Dieser Platz ist so unwirklich und irre. Leider kann man hier, wenn man nicht mit wasserdichten Taschen ausgestattet ist, keine Fotos machen. Schon nach den ersten 200 Metern am Wasserfall entlang, wäre sämtliche Technik ohne Schutzmaßnahmen kaputt.
Wir bleiben fast eine Stunde an diesem, wohl einem der gewaltigsten Plätze der Erde, bevor wir zurück zu unseren Fahrzeugen marschieren.

Auf dem Parkplatz wartet schon jemand auf uns. Oi Oi, ein Souvenierverkäufer und alter Bekannter des Afrika-Corps hat die Autos mit den Aufklebern sofort wiedererkannt. Extra für diesen Mann (unter anderem) hat Gisbert dieses Mal eine ganze Kiste MPS-T-Shirts eingepackt. Wir verschenken MPS-T-Shirts, Hosen und T-Shirts von uns und alles mögliche andere an die sich in Windeseile vermehrenden Souvenierhändler. Währenddessen nutzen wir die Gelegenheit und tauschen unsere klitschnassen Wasserfall-Klamottem gegen frische, trockene. Plötzlich fängt es von einer Sekunde auf die andere an, wahnsinnig heftig zu regnen. Alle rennen wie von der Tarantel gestochen von den Souveniershops zurück zu den Autos und springen hinein, erst mal genau mit nassen Klamotten für diesen Tag.


Wir fahren zu wohl einem der geschichtsträchtigsten Orte in Sinbabwe, dem Victoria Falls Hotel. Hier nächtigte schon so manche Berühmtheit, wie zum Beispiel die Queen Mother herself.

Erst mal mit den total verdreckten Karren und den versifften Fahrern genau vor dem Luxushotel parken und einige Gruppenfotos machen. Danach gehts direkt weiter mit alle Mann (und Frau) auf die Terrasse des Hotels. Wow, was für ein Ausblick! Kostprobe gefällig?


Nachdem wir hier den ein- und anderen Cocktail verköstigt und eine Kleinigkeit gegessen haben, geniessen wir einfach noch ein wenig die Aussicht der Terrasse und hängen unseren Gedanken nach. Ich habe mir übrigens einen Salat mit Krokodilfleisch bestellt und muss sagen: Unglaublich lecker! Krokodil hat in etwa die Konsistenz von Hühnchen, schmeckt dabei aber ganz leicht nach Fisch. Wirklich lecker.

Die Erlebnisse von heute müssen erst einmal verarbeitet werden und ziehen wir uns Richtung Campsite zurück um schon am frühen Nachmittag dort unsere Zelte aufzuschlagen. Einige Partien Poker werden gespielt, das ein oder andere Nachmittagsschläfchen gehalten und Sunny und ich, klar wir gehen mal wieder den Pool testen.
Gegen Abend kommt der alljährliche T-Shirt Verkäufer vorbei und preist uns seine Ware an. Wir stellen schnell mit einigen Ausgesuchten das MPS-SWA-2012 T-Shirt zusammen und bestellen. Lieferung für 14 T-Shirts: Morgen früh vor Abfahrt. Sind wir mal gespannt ob das was wird…

Den krönenden Abschluss des heutigen Tages bildet das Spezialitätenrestaurant Mama Afrika. Hier wird original von Mama gekocht und im gusseisernen Topf serviert. Hmmmm, lecker! Einige bestellen sich Krokodil, doch da ich das ja heute schon hatte, entscheide ich mich für das Kudu-Gulasch.
Nachdem wir alle pappsatt und glücklich in unseren Stühlen hängen, tritt noch eine afrikanische Musiktruppe auf. Tolle Stimmen, tolle Tänzer, ein rundum gelungener Abend. Sunny, die noch kurz im Souveniershop des Restaurants verschwunden ist, kommt kurze Zeit später mit einem neuen Armreifen und einer neuen Brosche zurück.

Der Armreif ist aus Messing, die Brosche aus Natur. Die vermeintliche Brosche stellt sich nämlich als gar keine heraus. Mitten auf Sunnys Brust sitzt ein handteller großer dunkelbrauner Schmetterling, der sich auch nicht aus der Ruhe bringen lässt, als wir bezahlt haben und gen Zelt aufbrechen. Seelenruhig bleibt er den gesamten Heimweg über auf Sunnys Top sitzen.
Erst kurz vor dem Camp fliegt er plötzlich davon.

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