Reiseblog

2012 Südafrika

Tag 28


Heute geht es erneut über eine Grenze. Ziel heute Vic-Town in Simbabwe.
Die Ausreise aus Botswana ist unkompliziert und schnell, die Einreise nach Simbabwe dagegen das genaue Gegenteil. Jeder braucht ein Einreisevisum, eine Straßennutzungserlaubnis, sowie eine einjährige Versicherung für sein Auto. Das wir nur 2 Tage bleiben wollen, interessiert niemanden. Insgesamt braucht jeder um die 10 Stempel und ist nach der über zweistündigen Aktion ungefähr 150€ ärmer. Was für ein Aufriss, Herr Mugabe braucht wohl Geld. Naja, hoffentlich lohnt sich der ganze Terror. Aber nachdem was die anderen von den Vic-Falls so erzählen, scheint es das wohl.

Nach einer weiteren 15 minütigen Kontrolle unserer Fahrzeuge nach Waffen und Schmuggelgut, haben wir es endlich geschafft. Hallo Simbabwe, das vierte und letzte Land unserer Reise. Nach Sambia werden wir es dieses Jahr leider nicht schaffen. Das waren die drei Tage, die wir am Anfang wieder zurück gefahren sind.
Erster Anlaufpunkt ist der Nationalpark, in dem unser heutiges Camp liegt. Wir bezahlen den Eintritt in den Park, sowie die Nacht auf der Campsite (wieder fast 50€ pro Person. Simbabwe ist mir jetzt schon zu teuer) und beschliessen erst noch der nahen Crocodile-Farm, mit über 40.000 Krokodilen die größte Afrikas, einen Besuch abzustatten, bevor in den Park fahren, da die Campsite vom Eingang der Lodge noch eine gute Stunde entfernt liegt.

Die Farm ist der größte Produzent von Krokodillederprodukten und Krokodilfleisch in Afrika. Wir bekommen einen Führer zugewiesen und dieser startet auch sofort mit seiner Tour. Wir lernen sehr viel Interessantes, wie zum Beispiel den Unterschied zwischen Alligatoren und Krokodilen, dass Krokodile in ihrem ca. 100 Jahre umfassenden Leben 45 Mal neue Zähne bekommen und dass das größte Krokodil der Welt, Gustav (kein Scheiss), in Tansania lebt und sagenhafte 7,90m lang ist.

Eine Station später dürfen wir 3 Wochen- bis 2 Monate alte Mini-Krokdile in der Hand halten. Es wird uns genau erklärt, wie wir die Babys zu halten haben, da auch diese schon ein messerscharfes, gefährliches Gebiss haben und einem, wenn man nicht aufpasst, durchaus einen Finger kosten können.
Wir sehen Krokodile in sämtlichen Altersklassen, erfahren, dass die Tiere der Farm selten älter als 20-30 Jahre werden, bevor sie geschlachtet und das Fleisch und Leder verarbeitet wird. Auch wenn die Führung und die Infos super interessant sind, kommt es einem doch so vor, als würde man hier, so schnell es geht, durch die verschiedenen Stationen geführt werden, um am Schluss wieder im Souvenirshop zu landen. Bleibt man einmal länger stehen, oder geht einen Weg der nicht vorgesehen ist, wird man sofort mehr oder weniger freundlich zurecht gewiesen.

Höhepunkt der Führung ist eine Fütterung der wirklich großen 4-6 Meter Krokodile im Hauptbecken der Farm. Der Guide geht mit einem großen (und uuuuunglaublich stinkenden) Stück Elefantenfleisch auf die Brücke oberhalb des Geheges und befestigt das Stück an einer Art Angel. Sofort verschwinden alle Krokodile lautlos im Wasser. Was jetzt folgt spottet jeder Beschreibung.
Die Riesenechsen katapultieren sich senkrecht aus dem Wasser, bis nur noch das letzte Ende des Schwanzes im Becken ist und schnappen nach dem stinkenden Leckerbissen. Das Geräusch, wenn ein Meter lange, unglaublich muskulöse Kiefer zuschnappen und die Knochen aufeinander knallen ist unbeschreiblich und jagt einem, ob man will oder nicht, jedes einzelne Mal eine Gänsehaut den Rücken rauf und wieder runter.

Da sämtliche Kroko-Souveniers in Deutschland verboten sind und man hart für die Einfuhr bestraft werden kann, fällt unser Kaufrausch im Shop sehr spartanisch aus. Wir fahren, durch einen derben Regenguss zurück zum Nationalpark.

Letzter Wegpunkt für heute, das Nachtlager. Das klingt nun einfach gesagt, aber dieses muss man in dem vollständig überwucherten und sehr selten besuchten Nationalpark erst einmal finden…

Nachdem wir durch dichtesten Busch gefahren sind und links und rechts der “Straße” immer mal wieder Geisterbahnartig riesige Elefantenköpfe aufgetaucht sind und nachdem Gisi bei seiner geplanten Pinkelpause ein vier Meter langes Krokodil direkt neben sich ins Wasser gleiten sieht, beschliessen wir das mit der geplanten Pause, auf die Campsite zu verschieben.

In diesem Park befindet man sich quasi mitten im Dschungel. Alles ist zugewuchert, die Wege teilweise kaum zu erkennen. Buschpassagen wechseln sich mit sehr anspruchsvollen Schlamm- und Wasserloch-Passagen ab und mehr als einmal kommen wir beim Durchfahren an unsere Grenzen und denen des Autos. Immer wieder gibt es Stellen, die wir nacheinander einer nach dem anderen durchfahren, nur um dem Hintermann Bescheid zu geben, wo er besser nicht herfahren sollte. Es geht aber wie durch ein Wunder alles gut und die Abschleppseile werden nicht gebraucht. Gott sei Dank. In diesem urwüchsigen und schwer zu überschaubaren Dickicht möchte niemand gerne zu lange außerhalb der Fahrzeuge bleiben.
Der letzte Kilometer vor der Campsite verlangt uns und den Autos noch einmal alles ab. Der Weg ist nun wirklich als solcher zu bezeichnen. Manchmal weiss man kaum noch, ob man überhaupt noch auf der Strecke ist, oder schon auf einem Elefantenpfad dahin holpert.

Die Campsite entschädigt jedoch für alles. Zwar stellt sich die teuer bezahlte Nachtunterkunft als simples Stück Wiese ohne jeglichen Komfort wie Toiletten oder fliessend Wasser heraus. Allerdings ist letzteres auch gar nicht nötig, da sich das Nachtlager direkt am Ufer des sich verzweigenden Sambesis befindet. Eine kleine, circa 4 Meter hohe Abbruchkante trennt einem vom müde dahingleitenden Sambesi River. Die Aussicht ist gigantisch. Wir parken unsere Karren direkt an der Kante und werden mit einem der besten Dachzelt-Aussichten der Reise belohnt. Absolut geil. Zwar ist Sunny und mir etwas mulmig dabei unser Auto direkt neben einem offensichtlichen Elefantenabstieg zu parken, aber wir hoffen einfach, dass die Elefanten heute Nacht nicht mehr baden möchten.

 

Feuerholz wird heran geschafft und Tom facht in der Dämmerung unsere Gaskocher an, um seine berühmte Bohnenpfanne zu zaubern. Kurz bevor es dunkel wird, werden wir noch Zeuge eines unglaublich seltenen Spektakels. Am anderen Ufer, keine hundert Meter von uns entfernt, starten zwei Hippos laut brüllend einen blutigen Kampf. Wie wir von unserem gestrigen Guide wissen, passiert so etwas nur sehr selten. Wenn das Alpha-Tier einer Horde herausgefordert wird, was durchaus auch tödlich für einen der beiden Kontrahenten ausgehen kann, wird der Verlierer aus der Horde verbannt.
Unsere Hippos katapultieren sich mehrfach aufeinander zu und zerkratzen sich ihre massigen Körper. Nach gut fünf Minuten ist das Spektakel vorbei und der Unterlegene verschwindet in den Fluten des Sambesi.
Was sind wir doch für Glücksschweine. Ich schätze solch ein Schauspiel sehen nicht mal 1% aller Touristen Afrikas…

Nach der Aufregung kommt uns Toms Bohnenpfanne am Lagerfeuer gerade recht. Je weiter sich die Dunkelheit über das Land legt, desto zahlreicher und lauter werden die klackenden Frösche und die unheimlichen Geräusche eines nächtlichen Urwaldes.

Inspiriert durch die Urwüchsigkeit der Umgebung und den Erlebnissen des Tages, schnappe ich mir spät Abends noch meine Kamera, schalte auf Langzeitbelichtung und probiere ein Experiment, welches mir schon lange im Kopf herum schwirrt. Malen mit Licht. Ich zeichne, während die Kamera circa dreißig Sekunden lang belichtet, mit einer Lampe, die ich immer wieder verdecke, Buchstaben ins nächtliche Afrika.

MPS SWA 2012

 

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