Reiseblog

2012 Südafrika

Tag 27

Heute ist erst einmal wieder ausschlafen angesagt. Trotzdem klettern alle sehr früh aus den Zelten, da die Sinne bereits um acht Uhr morgens unglaublich heiss auf unsere Autodachunterkünfte brennt. Hinzu kommt der afrikanische Naturwecke. Hunderte Vögel plärren, zwitschern und schreien wild durcheinander. So steht es sich doch gleich viel leichter auf.

Erste Überraschung des Tages ist das uuuuunglaubliche Frühstücksbuffet. Es gibt alleine 7(!) verschiedene Sorten Müsli. Fleisch (Kudu, Springbock, Hähnchen) wird frisch gegrillt, Tomaten, frisches Obst, eine große Brot und Brötchenauswahl und sogar Nutella gehört mit zum Allround Programm. Das ist definitiv das bisher beste Frühstück der Reise.

Nachdem nach diesem Mahl herrlich gesättigt in unser Camp zurückkehren erwartet uns dort eine ganze Horde Wildschweine, die auf der Suche nach Nahrung durch unser Camp… schweinen. Highli macht direkt ein Paar Fotos und wagt sich wohl ein bißchen zu nah an seine Artverwandten heran, denn um ein Haar wird er von einer Wildsau umgerannt. Highli, mach uns die Schweine nicht wuschig.

Einziger fest geplanter Tagespunkt heute ist eine Bootssafari auf dem Chobe. Gegen Mittag bewölkt sich der Himmel und es ist herrliche 28 Grad warm. Genau das richtige Wetter für eine Safari. Nicht zu heiss, die Sonne brennt einem nicht den Schädel weg und die Krokodile können sich wunderbar auf ihren Sandbänken ausruhen. Das kleine Bötchen beherbergt neben uns und zwei vietnamesischen Studentinnen den Bootsführer und Guide, sowie einen Barmann. Ja ehrlich, unser Boot ist ausgestattet mit Softdrinks und Bier in einer Kühlbox. Nobel geht die Welt zugrunde.

Die Safari ist jeden einzelnen Cent wert. Wir sehen dutzende Elefanten, teilweise nur 3 Meter von unserem Boot entfernt am Ufer stehen. Wir sehen aus dem Chobe saufende Giraffen, jede Menge Wasserböcke, Wildvögel, Krokodile und Nilpferde. Unser Guide erklärt uns, warum gerade die so knuddelig aussehenden Hippos weitaus gefährlich sind, als zum Beispiel die Krokodile. Nilpferde haben ein festes Revier, welches sie in der Gruppe verteidigen. Sie sind sehr leicht reizbar. Fühlen sich die Tiere bedroht, greifen sie an und ziehen einen so lange unter Wasser, bis man ertrinkt. Sehr gefährlich ist außerdem, dass man, in einem Boot sitzend, Nilpferde sehr leicht übersehen kann, da die Tiere bis zu 30 Minuten unter Wasser bleiben können, ohne an die Oberfläche zurück zu kommen und atmen zu müssen. In der Regel, bleiben sie aber nie länger als 3-5 Minuten unter Wasser.

Wie leicht reizbar die Tiere tatsächlich sind, demonstriert uns der Guide direkt am lebenden Objekt. Er manöveriert unser Boot sehr nah an eines der Tiere heran und stoppt dann den Motor. Kein Geräusch = kein Reizen. Dann warten wir bis wir fast neben dem Tier dümpeln, bevor der Motor wieder angeschmissen und vollgas gegeben wird. Keine 2 Sekunden später katapultiert sich, nur wenige Meter neben unserem Boot ein riesengroßes, geöffnetes Maul aus dem Wasser und schreit uns hinterher. Bea erschreckt sich so sehr, dass sie laut aufschreit und fast vom Boot springt. Wie gut, dass sie es nicht getan hat, sonst könnten wir den zweiten Teil, das unter Wasser ziehen, nun auch noch beobachten.

Wir erreichen einen kleinen Seitenarm des Chobe und fahren langsam hinein. Ein paar hundert Meter vor uns, sehen wir dutzende Hippos links und rechts des Ufers in der Savanne stehen. Je weiter wir mit dem Boot in den Seitenarm hinein fahren, desto mehr Hippos sehen wir lautlos in den Chobe gleiten. Unser Guide macht nun deutlich öfter den Motor unseres Bootes aus und fährt nah ans Ufer. Hier, so sagt er, haben die Nilpferde keine Chance unter unser Boot zu kommen, da es hier nicht tief genug sei. Er macht immer nur für Sekunden den Motor des Bootes an um Stück für Stück zu wenden. Von den dutzenden gesicheteten Hippos, sind nur noch eine handvoll an Land. Man kann unserem Guide ansehen, dass auch ihm nicht ganz wohl bei der Sache ist. Als unser Kahn nach einer gefühlten Ewigkeit endlich die 180° Drehung geschafft hat, gibt der Guide erleichtert vollgas. Wir sehen 3-4 Hippos die aus dem Wasser schießen und einige weitere nah zur Oberfläche kommen. Wären wir hier weiter gefahren, wäre unser Boot gnadenlos von den massigen Tieren umgeworfen worden. Wie gut, dass wir einen erfahrenen Guide haben.
Die Entspannungs- und Beruhigungs-Gin-Tonics, Whiskey Colas und Biere melden sich und wir halten an einer kleinen unbesuchten Insel an, damit unsere Männer ihr Revier markieren können. Nach gut zwei Stunden, etlichen tollen Erinnerungen und massig gesehenen Tieren, werden wir wieder zurück zur Lodge gefahren. 2 Stunden in einem Plastiksitz verlangen sofortige bepoolung. Also rein ins herrlich kühle Wasser. Mit der Idee bin ich bei weitem nicht alleine, fast unsere gesamte Crew kühlt sich vor dem Abendessen noch mal ab.

Lustige Kurzanekdote:
Gisi “Chief” Hiller, kann sich wohl nicht so richtig entscheiden und beschliesst erst nach einer guten halben Stunde auch noch mal poolen zu gehen. Kurz nachdem er im Wasser ist, haben wir anderen aber, aufgrund der Zeit, die wir schon im Pool verbracht haben genug und einer nach dem anderen verlässt den Pool. Übrig bleibt unser armer Hippo Gisi der nun ganz ohne Freunde einsam im Pool dümpelt und sich beschwert, das niemand mit ihm spielen will.

Plötzlich bricht auf der Terrasse das absolute Chaos los. Zwei Dutzend Meerkatzen (kleine Affen) lassen sich, auf den Angriffsruf des Anführers, gleichzeitig aus den Bäumen fallen und greifen sich alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Lose Zuckertüten, die Cocktail-Deko, Butterstücke, alles was irgendwie interessant aussieht wird gegrabscht und bevor man noch wirklich mitbekommen hat, washier eigentlich gerade abgeht verschwinden die kleinen Strauchdiebe schon wieder in den Bäumen. Ein ganz frecher, versucht Gisis kleines Safari-Fernglas zu mopsen, aber Tom, geistesgegenwärtig wie immer, schmeisst spontan mit einem seiner Flip-Flops und trifft. Die Meerkatze lässt das Fernglas fallen und schwingt sich wütend schreiend, in den Baum zurück.
Keine 30 Sekunden später ist der ganze Spuk vorbei und die Affen machen sich in den Bäumen über ihre Beute her. Intelligente, kleine, gerissene Viecher.

Nach dem Abendessen gibt es auf der Terrasse der Lodge noch eine gemütliche Runde. Alle vereint in einem großen Stuhlkreis. Die Bloody Marys, Gins und Whiskeys werden gedankenverloren geschlürft und zwei Fragen werden in die antroposophische Runde gestellt. “Worauf freut ihr Euch Zuhause am meissten” und “was werdet ihr am meissten vermissen”. Ich freue mich am meissten auf mein Bett und meine Wohnung. Am meissten vermissen werde ich das Einschlafen und Aufwachen inmitten der wilden Natur, die Luft Afrikas und diese unendliche Weite der Savanne. Die Lockerheit der Afrikaner und das Gefühl, dass einen kein Stress der Welt hier erreichen kann.

Mit diesen Gedanken liege ich in meinem Dachzelt, lausche den Geräuschen der Nacht und werde vom Quaken der Frösche und Grunzen der nahen Hippos langsam in den Schlaf gewiegt.

 

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