Reiseblog

2012 Südafrika

Tag 26

Warum brach der erste Bericht nach Tag 25 ab, und warum kommen die letzten Afrika-Berichte nun erst ein ganzes Jahr später?
Ein kurzer Shit-Happens-Exkurs:

Es passierte an Tag 34… Just der Tag, an dem ich mit meiner Beifahrerin eine kleine Meinungsverschiedenheit hatte und eh schon gereizt war. Das kleine Netbook, welches ich mir von Gisi geliehen hatte um den Blog zu schreiben, stürzte ab. Nun gut, das ist schon des Öfteren passiert. Allerdings hat es ihn an dem Tag so gründlich zerlegt, dass das Programm mit dem ich den Blog schrieb, nicht mehr in der Lage war die gespeicherten und(!) zwischengespeicherten Daten wiederherzustellen. Tag 26-32 waren mitsamt platzierten Fotos und über 12 Seiten Text schon komplett fertig. Tag 33 und 34 schon Stichpunktartig. Ich hätte beinahe Gisis Netbook mitsamt Netzteil an die Wand geschmissen, aber mehr dazu in Tag 34.
Punktum: Ich hatte keinen Bock, mir die letzten 3 Tage Urlaub durch Dauertippen zu versauen. Und erst einmal zu Hause, hatte ich dann auch keine Muße mehr. Deshalb kommt der letzte Teil des Berichtes erst jetzt. Es ist zwar mittlerweile alles ganz schön weit weg, aber a) habe ich das Tagebuch von Gisi als Anhaltspunkt und b) kann ich anhand meiner geschossenen Fotos sehr gut die Tage rekonstruieren. Außerdem ist es schön in Gedanken wieder voll und ganz in Afrika zu sein und jeden Tag genau ein Jahr später noch einmal Revue passieren zu lassen.

Tag 26 – 2.2.2012

Die Gewitter in der Nacht sind wieder mal heftig, dennoch schlafe ich sehr gut. Ich glaube man gewöhnt sich an alles. Leider hat General Gisi den Befehl zum ultra frühen Abmarsch erteilt. So werden wir alle mit dem glockenhellen Klang von Toms Kochtopf um 5Uhr, mitten in der Nacht also, geweckt.
Sunny, Alea und ich müssen noch das fettige Geschirr vom Vorabend abwaschen. Na super. Mit unseren Kopflampen und bewaffnet mit Spüli und Bürste machen wir uns ans Werk. Jeder muss ja mal abspülen, aber warum heute ausgerechnet wir…?!
Innerhalb von 30 Minuten ist alles erledigt und wir schwingen uns in die Karren. Heute geht es zu einem der ganz großen Höhepunkte im Afrika Trip 2012: Der Chobe Nationalpark. Bekannt für seine außerordentlichen Tiermassen und der höchsten Sichtungsdichte. Wir sind gespannt.

Auf der Piste stellen nun alle das fest, was wir gestern Abend schon sahen: Auf der Autobahn gibt es hundert Mal mehr Elefanten als auf der von uns gewählten Hunters Road.
Zwei Stunden später, am Haupttor des Parks angekommen, gehen Margot (Geld), Horis (Betörung) und ich (Dolmetscher), ins Büro um den Eintritt zu verhandeln. Während Margot noch in der kleinen Schlange wartet, fällt mir ein großes Poster des Parks zu meiner linken auf. Sämtliche Wege sind farblich markiert und mit Uhrzeiten versehen. Ich schaue auf die Legende und traue meinen Augen kaum. Es ist zeitlich geregelt, wann die Elitetouris in ihren Safari-Legebatterien und die Individualtouristen mit ihren eigenen Karren die Routen befahren dürfen. Und zwar gültig seit, tadaa, gestern. Na super. Was das heisst ist klar und auch schnell aus der Karte ersichtlich: Die Individualtouristen (wir) werden mal wieder benachteiligt, dürfen zu den besten Zeiten nur in die abgelegenen Winkel des Parks fahren und haben erst Erlaubnis an den Fluss, das tierreichste Gebiet vor zu dringen, wenn die Mittagshitze die Tiere genau von dort wieder weg treibt. Was für ein Beschiss!

Wir bezahlen also den Eintritt (vermutlich genau so viel wie die Edeltouristen, die allerdings dem Land durch ihre mehrere hunderte Euro teuren Übernachtungskosten wesentlich mehr Geld in die Kasse spülen) und stecken kurz die Köpfe zusammen. Gisbert Hiller, der nicht gerade für seine zurückhaltende Art bekannt ist, passt diese Situation natürlich gar nicht. Gisi befiehlt: Erst mal fahren. Wir stellen uns also dumm und fahren einer nach dem anderen durchs Haupttor in den Park. Leider kommen wir nur bis zu uns, Wagen drei, bevor uns einer der Beamten den Weg versperrt. Wir funken nach vorn. Kommando zurück. Also doch die 15km Teerstraße um den Park herum.
Doch schon der erste Kilometer der Teerpiste lohnt sich. Rechts auf dem Hang, kurz vor Gisis Karre, steht eine Tüpfelhyäne und bleckt die Zähne. Wir sehen leider nur noch das Hinterteil des imposanten Tieres im Dickicht verschwinden.

Einen weiteren Kilometer später geht die erste Straße in den Nationalpark hinein. Eine der für uns zur jetzigen Zeit verbotenen Routen. Doch der erste Wagen biegt ab und alle folgen, ohne Kommentar. Mehr als rausschmeißen kann man uns schließlich nicht, aber dafür müssten sie uns erst einmal finden.



An der Riverfront angekommen können wir nun links ins erlaubte, langweilige Gebiet abbiegen, oder rechts (gegen die Fahrtrichtung) auf den interessanten, aber verbotenen Pfad. Ich glaube welchen Weg wir einschlagen, brauche ich nicht mehr zu erwähnen. Schon nach den ersten paar hundert Metern wird klar, warum dieser Teil des Parks zur jetzigen Tageszeit so beliebt ist. Wir fahren mitten durch eine Pavianhorde.

Hunderte Tiere mit ihren Babys sitzen, stehen, liegen, rennen, klettern, oder chillen rum und glotzen uns links und rechts des Weges neugierig nach. Kurz darauf erblicken wir dann die ersten Flusspferde, Krokodile, große und kleine Wildvögel, weitere Paviane, Impalas und Springböcke. Immer mal wieder wird unsere idyllische Ruhe und unser genialer Ausblick von schimpfenden und uns böse anguckenden Safari-Wagen-Fahrern unterbrochen, die wir aber allesamt nur freundlich zurück grüßen und geflissentlich ignorieren.

Nach circa einer Stunde aufregender und sichtungsreicher Safari, kommen wir an einen der Stop-Points, die einzigen Plätze an denen man aus dem Auto aussteigen darf, bzw. die Plätze, an denen die Legebatterien Pause machen.


Wir klappen die Heckklappen unserer Allrader herunter und gönnen uns erst einmal ein ausgiebiges Frühstück, mit bester Sicht auf badende Elefanten. Während wir so da stehen und genüsslich unser Frühstück vertilgen, sichte ich, nur circa fünfig Meter von uns entfernt einen gut eineinhalb Schritt großen Waran. Es hat schon ein bisschen was von Uhrzeit-Feeling, wie die riesige Echse behäbig über den Sand trottet. Wie ein kleiner überlebender Dino.

Unser Timing ist mal wieder allererste Güte, haben wir doch gerade zusammengepackt und unsere Karren bestiegen, als der nächste Touri-Wagen heran rollt. Der Fahrer sieht ziemlich mürrisch aus und ruft uns einige Sachen zu, die wir mit freundlichen Grüßen und Winken erwidern. Ich sehe nur noch, wie der Guide zu seinem Funkgerät greift und aufgeregt hineinspricht. Na, da wird uns doch wohl niemand verpetzen…?

Wir fahren ein Stück weiter durch den Park, als links ein (gesperrter) Weg, noch weiter hinunter an den Fluss führt. Selbstverständlich schlagen wir genau diesen ein. Eine weitere halbe Stunde und viele, viele Tiere später, führt der Weg in einer kleinen Schleife wieder auf den ursprünglichen zurück und wir halten an um uns zu beraten. Dieses Mal ist unser Timing weniger gut, denn genau als wir mitten im Park rumstehen und beraten, was wir nun tun, kommt der nächste Safari Wagen angerollt.
Der Fahrer bleibt stehen, steht auf und brüllt unverständliches Zeug in unsere Richtung, bevor er das Funkgerät nimmt und (vermutlich) über uns berichtet.
Ich verstehe nicht, warum der gute Mann so aufgebracht ist. Wir fahren doch nur in falscher Richtung, auf einer gesperrten Straße in einem Gebiet, in dem wir uns um diese Zeit gar nicht aufhalten dürften, und stehen außerhalb unserer Fahrzeuge dort, wo man die Autos nicht verlassen darf… Es gibt doch wirklich Schlimmeres.

Nach kurzer Absprache ist klar: Wir fahren in das Camp des Nationalparks und machen eine großzügige Mittagspause. Die Tiere ziehen sich in der Mittagshitze sowieso in den Park zurück und kommen erst gegen Abend wieder heraus. Auf dem Weg zum Camp passiert es dann:
Ein Safari Wagen steht am Rande des Busches und alle schauen gebannt ins Gestrüpp. Wagen Eins, Gisbert ist natürlich neugierig und hält direkt daneben. Durch die Funke hallt das Wort direkt in unsere Köpfe: “Löwen!”

Endlich. Hatten wir doch schon fast gedacht, die majestätischen Tiere, den König Afrikas gar nicht mehr zu Gesicht zu bekommen.
Und tatsächlich keine 20 Meter abseits der Straße liegen 5(!) Löwen im Schatten einiger Bäume. Wir beobachten die Tiere gute zwanzig Minuten lang, bevor wir selig weiter gen Campsite fahren.

Wir stellen die Stühle Richtung Chobe auf und geniessen den kühlen Schatten unter einem Baum, mit eiskalten Getränken. Mittagspause.
Gisbert erläutert das weitere Vorgehen. Zwei Stunden Pause, danach erneute Safari quer durch den Chobe Nationalpark.
Sunny und ich rollen dezent die Augen. Wir sind nun über drei Wochen in diesem Land, haben sämtliche großen Tiere der Savanne gesehen, in allen erdenklichen Lebenslagen, Größen und Farben. So langsam aber sicher sind wir gesättigt. Das tausendunderste Zebra sieht eben immer noch genau so aus, wie das tausendste.

 

 

Wir reden mit der Gruppe und finden in Uli und Horis noch zwei, denen es genau so geht. Wir schlagen vor, die Gruppe zu trennen und mit Horis und Uli schon nach Kasane zu unserer abendlichen Lodge zu fahren.
Gesagt getan. Wir rödeln die Karren auf und tuckern los. Keine zweihundert Meter vom Camp entfernt, übersieht Sunny eine scharfe Wurzel in einer Kurve und… pfffffffffffff.

Unser erster Ersatzreifen ist fällig. So schnell kanns gehen. Uli und Horis, die nur 3 Minuten später wieder im Camp auftauchen um nach unserem High-Lift zu fragen, ernten natürlich brüllendes Gelächter und die Sprüche die nun durch den Funkverkehr prasseln, werde ich einfach an dieser Stelle hier genau so ignorieren, wie ich sie gestern schon ignoriert habe. Nachdem wir fachmännisch in Rekordzeit unseren Reifen gewechselt haben, fahren Uli und Horis nun an der Spitze unserer zwei-Wagen-Kolonne. Keine fünf Minuten später taucht allerdings schon das nächste Hindernis des Heimweges auf. Eine Büffelhorde.

 

 

Unzählige dieser massigen und gefährlichen, weil sehr leicht reizbaren Tiere, stehen links und rechts unserer Straße. Wir überlegen kurz die Horde zu umfahren, entscheiden uns aber dagegen und rollen mit großem Sicherheitsabstand zum Vordermann, langsam hintereinander mitten hindurch. Die ersten 50 Meter sind aufregend, aber ruhig. Doch je weiter wir in die Herde hinein kommen, desto unruhiger werden die Tiere. Einige Drohgebärden und Scheinangriffe folgen und uns wird mulmig zumute. Büffel sind Herdentiere und wenn zwei oder drei beschliessen auszurasten und uns wirklich anzugreifen….

Aber es geht, Gott sei Dank, alles gut. Es bleibt bei Scheinangriffen und angegrunzt werden. Wir nehmen eine der Seitenstraßen aus dem Park, wollen wir doch nicht unbedingt der gleichen Wachmannschaft am Haupttor begegnen. In Kasane angekommen machen wir uns auf die Suche nach der Lodge, da erblickt unser Bayer, Uli, einen Kentucky Fried Chicken.
Wie ferngesteuert hält er genau auf diesen zu und parkt. Okay, dann wird das Abendessen eben vorverlegt. Das letzte Mal Fast Food ist eben über drei Wochen her…

Uli und ich entscheiden uns für das gleiche Menü und Uli sagt: Dann hol ich uns beiden eines.
Da das Menü riesengroß ist, gehe ich davon aus, Uli bestellt uns zusammen eines, aber er meinte mit beiden EINES, eben BEIDEN eines. Und da sitzen wir nun. Jeder mit 20 Hähnchenteilen, großer Pommes und großer Cola und schaffen beide gerade so die Hälfte unserer Menüs… Naja, die Kommunikation zwischen Bayer und Rheinländer ist nun mal nicht einfach.

Die Lodge, die Gisbert ausgesucht hat, liegt direkt am Fluss, ist ausgestattet mit einem riesigen Pool und wirklich wunderschön. Das einzige, das uns ein etwas mulmiges Gefühl beschert, sind die “Beware of Crocodiles” Schilder, die überall im Camp angebracht sind. Wir bauen die Zelte auf und springen erst einmal in den herrlich erfrischenden Pool.

Einige Stunden später, taucht der andere Teil unserer gesplitteten Gruppe im Camp auf und erzählt mit leuchtenden Augen von den gesichteten Tiermassen im Park. Wir gehen trotz unseres KFC-Fressflashs noch alle zusammen auf der riesigen, überdachten Terrasse der Lodge zu Abend Essen und werden von der Auswahl am Menü für unsere Ess-kapade (höhöh) gerügt. Och maaaanno, hätten wir doch vorhin nicht so viel Tschikken in uns rein gestopft. Aber so wie es aussieht werden wir auch morgen Abend noch auf dieser Lodge verweilen. Nach dem Essen führt eine Showgruppe noch Tänze auf und es wird laut gesungen.

Ein perfekter Abschluss, eines fast perfekten Tages.

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