Reiseblog

2012 Südafrika

Tag 22

Der Tag beginnt wie immer, mit einem kleinen Frühstück. Danach satteln die Fahrer die Autos um, schließlich müssen Rückbänke für die Mitfahrer freigeräumt und Dachzelte eingeklappt werden. Noch kurz auf die Toilette und es geht los, ab nach Sun City. Während der Fahrt zaubert Sunny, Bruder Rectus eine neue Bartfrisur, zwei Zöpfe zieren nun den Bart des Mönches. Zusätzlich wird sein wallendes Haupthaar auch noch einer Flechtkur unterzogen und zu einem Zopf ála Lara Croft geformt. Bruder Rectus entzieht sich so nun jeglicher ethnischer Einordnung und soll die Mitspieler am Pokertisch verwirren. Ein verwegener Plan. Caros Dekolletté wird noch um einige Etagen tiefer gelegt, auf dass ihre Mitspieler vor lauter Gaffen nicht mehr auf ihre Karten achten mögen. Überhaupt werden alle unsere Spieler hervorragend aufs Gewinnen vorbereitet. Die Fahrt nach Sun City dauert in etwa 30min. Angekommen im Park wollen wir mit der Einschienenbahn in den Casinokomplex hereinfahren und warten circa 20min. am Shuttle Bahnhof auf den Zug. Nach weiteren 10 Minuten teilt man uns mit, dass die Bahn leider gerade einen Defekt hat und wir den Bus nehmen müssen. Na das fängt ja großartig an.

 

Nach weiteren 20 Minuten sind wir endlich da. Die erste Runde durch den Komplex wird gedreht, das laut wummernde, tutende, klingelnde und blinkende Entertainment Center wird durchschritten, oh mein Gott, was für eine Reizüberflutung, und die Bridge of Time betreten. Hier wird, laut Führer, ein künstliches Erdbeben simuliert. Die Brücke zieren künstliche Risse und Spalten, doch bis auf ein wummern und knacken aus ein paar Lautsprechern und unglaubliche minimalistische Bewegungen der Blumenkübel und Mülleimer, kann von einem “Erdbeben” nun wirklich nicht die Rede sein. Enttäuschend.

Direkt dahinter ist der Bereich, der sich Valley of Waves nennt. Ein großer Wasserpark mit Wellenbad, künstlich aufgeschüttetem Strand und diversen Rutschen. Das sieht wirklich lustig aus. Dahinter sieht man die Spitzen des Palace Hotels. Lost City. Das Hotel soll an eine alte Ruine erinnern (also rein vom Baustil her so aufgemacht sein). Das billigste Zimmer um hier eine Nacht verbringen zu dürfen liegt bei 600$. Für die Suiten sind die Preise klar, nach oben hin offen. Leider ist der Zutritt ausschließlich für Hotelgäste erlaubt und gut gesichert. Hier ist uns der Zutritt also leider nicht gestattet, schade, dass hätte ich zu gerne mal gesehen.

 

 

Doch wir haben ja noch nicht alles gesehen, durchs Entertainment Center geht es zurück zum “rieeesigen” Casino im Hotel. Sunny entdeckt auf dem Weg durchs Kinderparadies einen rosa Elefanten zum darauf reiten und kann nicht widerstehen. Schmollend sitzt und weint sie so lange und so laut auf dem Minielefant, bis der großherzige Bruder Rectus endlich einen Penny in den Plastikelefanten einwirft.

Im Casino angekommen müssen wir nüchtern feststellen, dass das mit “zweitgrößten Casinokmplex der Welt” wohl nur ein netter Werbegag sein kann. Groß ist was anderes. Vielleicht, wenn man den Golfplatz und sämtliche Areas aller Hotels dazurechnet, die Casinos an sich sind eher klein bis mittelmäßig. Nichtsdestotrotz, jetzt muss gespielt werden.

Sunny und ich lassen die anderen Meditieren und sich konzentrieren und verziehen uns in den Wasserpark. Schließlich warten jede Menge Rutschen, unter anderem eine Kamikaze-Rutsche darauf ausprobiert zu werden…

Der Wasserpark ist herrlich und glücklicherweise auch nicht all zu voll. Die Wellen in der Mitte sind großartig und wechseln sich zwischen angenehmen Wellengang und Riesentsunamiwelle ab. Die Riesenwelle macht einen mordsspaß. Die Rutschen sind mäßig bis super. Mein Highlight ist neben der 35m hohen Kamikaze Rutsche (das Bremsen tut immer so am Arsch weh) eine Rutsche die sich Tarantula nennt. Eine enorm schnelle Rutschbahn in völliger Dunkelheit. Man weiss nie in welche Richtung die nächste Kurve geht, absolut geil. Die beiden Reifenrutschen sind auch sehr witzig, wobei die Reifenrutsche im dunkeln nicht halb so breit ist wie die im hellen und damit langsamer und unspektakulärer. Alles in allem machen die Rutschen aber echt Laune und unsere drei Stunden im Wasserpark vergehen wir im Flug.

Wir treffen uns im Casino wieder und planen das weitere Vorgehen. Wie gesagt, waren alle sehr enttäuscht von Sun City und hatten in den drei Stunden längst alles gesehen. Sunny, Alea und ich beschließen noch ein klein wenig im Wasserpark zu planschen, Bruder Rectus möchte dem alten Spruch: “Pech in der Liebe Glück im Spiel” noch auf den Zahn fühlen und stürzt sich erneut ins Casino. Als wir wieder im Wasserpark ankommen ist dieser gerade im Begriff geschlossen zu werden. Wir schummeln uns, ohne Eintritt zahlen zu müssen, an den Securitys vorbei, die um diese Uhrzeit nicht mehr besonders acht geben und pellen uns schnell aus den Klamotten. Alea will unbedingt noch die Kamikaze Rutsche ausprobieren und erklimmt den Berg. Oben angekommen macht er Bekanntschaft mit einem der Bademeister, der unseren Schreihals, nach einigem hin und her tatsächlich noch rutschen lässt.

Wieder unten angekommen beschliesst Alea, noch einmal den Berg zu erklimmen, allerdings nicht um noch einmal zu rutschen, sondern um den netten Bademeister mal zu fragen, ob es nicht doch noch irgendeine Möglichkeit gibt, in unserer letzten Stunde hier, Lost City zu besichtigen. Probieren geht bekanntlich über studieren und so sagt der patente Bademeister prompt zu, uns noch das sonst für nicht Residents verschlossene Hotel zu zeigen.

Er schleust uns in einen “Nur-für-Personal” Shuttle Bus an der bewachten Schranke vorbei zum Eingang des Hotels. Schon dieser ist mit der Skulptur zweier Leoparden, die eine Horde Springböcke jagen und dem dahinter befindlichen Springbrunnen aus Oryxköpfen, ziemlich… nun… eindrucksvoll (protzig). Überall stehen Wachleute mit Knöpfen im Ohr. Die Securities an der linken Seite des Hotels sind Freunde unseres Bademeisters. Diese beschliessen uns einfach mal nicht zu sehen. Und schwupps, sind wir im Hotel. Uns bleibt der Mund offen stehen. Was für ein krasser Luxusschuppen.

 

 

 

Unser Privatguide steuert sofort auf den ersten Aufzug zu und drückt, während er seinen Schlüssel in den Aufzug steckt, das neunte Obergeschoss. Die Tür öffnet sich zur anderen Seite und gibt den Weg frei zu den Gemächern des Personals. Von hier kommen wir auf den höchsten Turm des versunkenen Palastes. Von dort oben können wir über ganz Lost- und Sun City blicken. Was für ein geiler Ausblick.

Wieder unten führt uns Ishmay an den Pool und zeigt uns den unglaublichen Außenbereich des Nobelhotels. Von der Poolseite sieht das ganze Hotel tatsächlich so aus, als wäre es gerade eben aus einer Erdspalte empor geschossen und das Wasser läuft noch an der Unterseite ab. Gigantisch. Dieser kleine Ausflug hat sich doch noch voll gelohnt.

Die Eingangshalle, die uns zum Abschluss gezeigt wird, ist dann auch der absolute Höhepunkt. Zwei marmorne Treppen, führen an einem riesengroßen Mosaik vorbei hinunter zum eichenen Tisch mit den Weinen des Abends. Die Fenster, die den Erker rundherum umgeben sind ungefähr 12m hoch und lassen viel Licht herein. Die ganze Halle wird gestützt durch jadesteinerne Säulen. Jede einzelne Säule ist ein Kunstwerk für sich. Der absolute Wahnsinn. Die gesamte Atmosphäre hier atmet Reichtum und Prunk, ohne dabei in irgendeiner Weise kitschig oder “too much” zu wirken. 

 

 


Nachdem wir noch ein bisschen mit Ishmay gequatscht haben und ihm noch den ein und anderen Dollar zugesteckt haben für diese tolle Gelegenheit (und dafür, dass die Bänder der Videokameras nicht so genau angeschaut werden), nehmen wir wieder den Staff-Bus und fahren zurück, unseren kleinen Halb-Ägypter aus seinem Spiele-Paradies abholen. Horis hat, wie alle anderen auch, leider alles verloren. Kein Glück im Spiel, kein Glück in der Liebe. Tja Bruder Rectus, das Leben ist kein eben kein Ponyhof.

Zurück in der Camp Site ist alles still. Schlafen die etwa alle schon? Ach Quatsch, die sitzen bestimmt in der Bar und betrinken sich. Doch auch in der Bar, Pustekuchen. Niemand da. …wo sind die bloß?

 

Der Highlander, hier in Afrika hat sich der Name Highli eingeschlichen, löst das Rätsel auf. Die ganze Bagage sitzt, aufgrund eines kräftigen Regenschauers, mit dem Alkohol im Damenklo.

Wir steuern auf den gemauerten Bau zu und hören schon von weitem Caros unverwechselbares Lachen. Tatsächlich, dort sitzen sie, die Beine in einer mit warmen Wasser gefüllten Badewannen, jeder einen Whisky-Cola in der Hand, quatschen und trinken. Auch hier ist die Atmosphäre unbeschreiblich, allerdings dezent anders als in dem Prunkhotel.

Wir gesellen uns noch eine Weile dazu, dann fallen mir langsam aber sicher die Augen zu und ich beschließe mich ins Dachzelt zu verdrücken, schließlich wird die Fahrt morgen wieder lang.

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