Reiseblog

2012 Südafrika

Tag 16

Tag 16 beginnt mit Einkaufen in Maun. Die Waren stapeln sich verführerisch vor unseren Augen und jeder ist sofort im Kaufrausch. Ich, als Getränkemanager lenke meine Füße sofort in den Liqour Shop und lasse von 3 Mitarbeitern einen kompletten Hubwagen, Palettenweise  mit Cola, Bier, Tonic Water, Wasser, Grants und Co befüllen. Danach geht es weiter in Richtung Nxaipan Nationalpark. In diesem Park sollen sich, laut Reiseführer, die größten Herden an Wildtieren ganz Botswanas befinden. Es geht wieder den ganzen Tag ausschließlich über Asphaltpisten. Fuß auf Gas, Anlage an, und gib ihm. Circa 5 Stunden später stehen wir vor den Toren des Parks.  Wir gehen ins Office und bezahlen für 2 Nächte die Campsite, sowie den Eintritt in den Park. Wow… ganz schön teuer. Hoffentlich lohnt sich der Spaß auch. Wir bekommen den Weg zu unserer Luxuscampsite beschrieben. WCs und Duschen seien vorhanden. Herrlich.

Wir fahren keine 10 Minuten durch den Park, da kreuzt eine Giraffe unseren Weg, bzw. den Weg des vorausfahrenden Teams, Uli und Horis. Horis spielt eine Runde Hasenfuß mit dem Langhals und verliert. 5 Meter vor Team 5 kreuzt das Tier unsere Sandpiste. Unglaublich wie langsam das durchaus schnelle Rennen bei so einem großen Tier aussieht. Als würde das Vieh in Zeitlupe laufen.

Die nächste Stunde durch den Park sehen wir bis auf ein Paar Oryxe und Springböcke leider keine weiteren Tiere und fragen uns schon, wo sich die abertausenden Tiere denn verstecken. Naja gut, 2500 Quadratkilometer sind zugegebenermaßen auch recht groß.

Wir kommen an unserem ersten Zielpunkt im Park an. Die gigantischen und weltweit bekannten Baines Baobab Trees. Diese 7 Baum-Kolosse (7 Schwestern) stehen seit über 2500 Jahren an diesem Platz. Es ist unmöglich auch nur einen einzigen dieser Bäume mit allen 14 Leuten gleichzeitig zu umfassen. Einer der Riesenbäume ist in frühen Jahren umgestürzt und einfach weiter gewachsen. Wie ein gestürzter Riese liegt er vor uns. Die Rinde der Bäume fühlt sich seltsam, fast steinig hart an. Vor, hinter und neben den Baobab-Affenbrotbäumen stehen überall deutlich lesbare NO CAMPING Schilder. Schade, der Platz wäre zum übernachten geradezu episch.Wir beschliessen, dass diese Epik aber definitiv eine weitere tolle Kulisse für Teamfotos sind und positionieren uns.

 

 

Nach unserem Fotoshooting soll es weiter zur Campsite gehen. Diese liegt, laut Navi-Team, direkt am anderen Ende der Salzpfanne. Sowohl die Filmcrew die uns entgegen kam, als auch der einheimische Fahrer des Safari Wagens der Lodge haben uns dringendst davon abgeraten die schlammige Pfanne zu durchqueren, “nicht passierbar.” 

Die Fahrspuren die durch den dicken, pappigen Schlamm führen, sind eindeutig schon einige Wochen alt. Kamikaze-Tom kribbelt es gehörig in den Fingern. Den gesamten Stop lang spricht er kein Wort und malt sich wohl eine Durchquerung nach der nächsten im Kopf aus. Irgendwann reicht ihm sein Kopfkino wohl nicht mehr aus, er verlässt wortlos die Gruppe, packt Maria am Kragen, setzt sie neben sich ins Auto und gibt Gas. Alle gucken, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, gebannte 2 Minuten unserem Spartakus hinterher. Er schafft es tatsächlich bis zur anderen Seite, ohne ein einziges Mal stecken zu bleiben. Alles springt in die Karren. Das Grinsen wird noch breiter. Per Funk kommen Anweisungen, die Reihenfolge wird festgelegt, keiner fährt, bevor der Vordermann nicht komplett die Schlammschlacht abgeschlossen hat, Ausweichen ist hier, trotz der unglaublichen Weite nämlich absolut nicht möglich. Keine 2 Meter neben der eingefahrenen Fahrspur wird der Schlamm nur tiefer und tückischer. Der einzig “sichere” Weg ist just diese eine Fahrspur. Ein Wagen nach dem anderen heizt in L4 mit heulendem Motor quer durch die Pfanne. Der Schlamm spritzt zu den Fenstern hinein, die Frontscheibe wird komplett eingesaut, den Unterboden kann man vor Schlamm nicht mal mehr sehen. Kurz: Spaß!

Alle kommen heile und ohne zu stecken zu bleiben auf der anderen Seite an. Die Fahrzeuge werden geparkt, Zeit für ein verdientes, kühles Bier auf der anderen Seite.

 

Wir machen 20 Minuten Pause und fahren dann weiter Richtung Campsite. Nach nur 10(!!) Metern, findet unser Navi-Team das Schild für die Campsite. Genau 30 Meter von unserem Pausenpunkt entfernt befindet sich unsere Campsite. Die Pause hätten wir uns wohl sparen können. Die Campsite ist mehr als mickrig. Nur mit Mühe und Not finden alle Fahrzeuge auf der Winz-Area Platz. Doch nicht nur das, die Toiletten stellen sich als ein ein einziger Bretterverschlag mit genau einem Plumpsklo heraus, die angesagte Dusche ist ein Wassereimer, der aufgrund der Trockenheit selbstverständlich leer ist (von ein Paar Insekten mal ausgenommen).

15 Minuten Pause im Schatten, dann soll es für 5 der sieben Teams auf Pirschfahrt gehen. Die vielen Tiere können sich ja nicht ewig verstecken.

Nur 10 Minuten nachdem der Fünfertross die Campsite nach links verlassen hatte, kam er rechts schon wieder ins Sichtfeld. Unsere Campsite befindet sich auf einer Insel mitten in der Pfanne, wie uns Gisi per Funk mitteilt. Kurz nach dem Funkspruch biegt Team 1 wieder in die Schlammpfanne ab, Team 3, Tom und Maria folgen. Noch bevor der Wagen des Generals die andere Seite des Trockensees erreicht, setzt der Wagen des Smutjes heftig auf  und fräst sich einen halben Meter tief in den pappigen Schlamm. Na super. Das Schauspiel konnte wunderbar von der Campsite aus bewundert werden. Ich packe den Spaten und pro Forma das dicke Abschleppseil aus unserem Auto aus und mache mich auf Richtung Wagen 3, nichts ahnend was nun kommen sollte. Die Rettungsaktion des festsitzenden Fahrzeuges dauert geschlagene 2 Stunden. Zuerst versuchen wir mit 5 Spaten das Fahrzeug so weit frei zu legen, dass wir die Sandmatten vor die Vorderreifen bekommen und der Wagen nicht mehr komplett aufsitzt. Der Schlamm ist schwer wie Steine und pappt an den Spaten wie Zement. Sunny und Caro gehen irgendwann dazu über den Schlamm mit Armen und Händen von den Reifen zu entfernen. Eine halbe Stunde lang wird gebuddelt, geschüppt, geschoben, und sich eingesaut. Dann der erste Versuch. 7 Leute versuchen zusätzlich das Fahrzeug anzuschieben. Keine Chance. Der Wagen sitzt immer noch zu sehr auf, die Reifen drehen sich, bewegen das Fahrzeug aber keinen Millimeter vorwärts. Die ersten 2 Fahrzeuge werden mit Abschleppseilen verbunden. Nun wird versucht die feststeckende Karre rückwärts mit 2 anderen Autos aus dem Schlamm zu ziehen. Schwierigkeit hierbei: Die beiden anderen Autos müssen auch teilweise ein Stück auf die Pan fahren. Man muss also versuchen beim abschleppen nicht zu viel Gas zu geben, um nicht die beiden nächsten Karren auch noch im Schlamm zu versenken. Gar nicht so einfach und leider auch wieder erfolglos. Der General und sein Fahrer sind mittlerweile zu Fuß durch die Pan auch am Tatort angekommen und haben glücklicherweise ein weiteres Abschlepp-Panzerseil dabei. Zwei weitere Fahrzeuge, darunter auch meines, werden angespannt. Leider reichen unsere Panzerseile nicht aus und wir müssen mit den dünnen Abschleppseilen weiter verbinden. Nachdem alle Seile fest gemacht und gespannt sind, setzen sich alle in die Autos. 3…2…1 und GAS! Die dünnen Seile zwischen mir, dem Fahrzeug dahinter und dem Fahrzeug davor halten diesem Druck genau 3 Sekunden stand, bevor sie zerreissen. Während der gesamten Aktion zieht sich der Himmel um uns herum immer mehr zu. Am 360° Hintergrund fangen Blitze an zu zucken. Wenn es jetzt anfangen würde zu regnen, kommt keiner von uns noch aus der Pfanne heraus. Wir befinden uns schließlich an einer Insel. Eile ist geboten. Der Druck wächst.

Die Seile werden anders aufgeteilt, das erste Fahrzeug näher an das Unfallfahrzeug heran gebracht, aber eben auch wieder weiter in den Schlamm, die Seile werden erneut festgezurrt, Caro, Maria und Sunny schürfen weiter Schlamm unter Toms Auto weg und sind schon bis zum Hals hoch verschlammt. Keine schöne Aufgabe, denn der Matsch ist nicht nur äußerst schwer und klebrig, sondern stinkt auch noch wie eine vermoderte Pfütze. Der vierte Anlauf klappt nun endlich, auch wenn uns dabei ein weiteres Seil reisst und wir es von vornherein mit einem Auto weniger versuchen müssen. Doch es funktioniert. Toms Karre ist endlich aus den Matschfluten gerettet.

Der General hat unterdessen beschlossen, dass es vollkommen hirnrissig ist in der Campsite zu übernachten. Falls es heute Nacht gewittert, oder auch nur regnet, ist die Pfanne morgen früh so verschlammt, dass wir hier die nächsten Tage nicht mehr wegkommen. Der einzig logische Platz ist der Platz um die Baobab Trees. NO CAMPING!

Einziges Manko, wir müssen ERNEUT mit ALLEN Fahrzeugen durch die Schlammpfanne. Nun ja, nicht mit allen, der General ist ja schon drüben.

Allerdings ist durch das erste Durchfahren aller Fahrzeuge, die bisher benutzte Spur nun gänzlich zu tief und damit unbrauchbar. Tom fährt wieder als erstes und kreirt eine neue Spur direkt neben der bisherigen. Alle anderen folgen. Niemand bleibt stecken, auch wenn es ein Paar mal wirklich knapp ist. Schwein gehabt, ein weiteres so feststeckendes Auto hätten wir vor dem Gewitter sicher nicht mehr frei bekommen.

Wir schlagen unser Lager inmitten der NO CAMPING Schilder auf. Also doch noch ein episches Camp. Haben wir uns aber auch verdient, finde ich.

Zum Abendbrot zaubert unser Smutje ein herrliches Chicken-Curry und am Lagerfeuer danach fliessen reichlich Gin-Tonic, Bier und Whiskey-Colas durch unsere ausgetrockneten Kehlen. Gisi gibt ein Paar Afrika-Schauermärchen seiner ersten Expeditionen zum Besten und alle lauschen gespannt und sind froh, dass wir für viele dieser damaligen Notfälle bestens ausgerüstet wären. Als das erste Gewitter uns dann schließlich erreicht und es in Strömen anfängt zu regnen, verschwinden alle schnell in den Dachzelten und schlafen fast augenblicklich ein.

 

 

 

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