Reiseblog

2012 Südafrika

Tag 11

Ich sitze gerade im Auto und lasse mich die an Tag 10 schon beschriebenen B- und C-Straßen entlang kutschieren. Es geht von den Epupa-Falls zurück nach Opuwo. Dort werden wir noch eine weitere Nacht im schönen „Opuwo-Country-Hotel“ übernachten, bevor es dann morgen Richtung Etosha Nationalpark geht. Ich überlege schon seit einer halben Stunde, wie ich den heutigen Tag am besten in Worte fassen soll, denn mit dem heute Erlebten, könnte man wieder ganze Bücher füllen. Wir sitzen gerade bei unserem improvisierten Frühstück, als sich uns jemand nähert. Ein gut  gekleideter junger Mann, Jason, würde uns gerne Krokodile, die Wasserfälle von nahem und ein traditionelles Himba-Dorf zeigen. Für nur 90 namibische Dollar, ca. 9€ seien wir dabei. Wir überlegen nicht lange, da der heutige Tag ansonsten eh nur aus zurück fahren nach Opuwo bestehen würde und schlagen ein.
30min später stehen wir so nah an einem der vielen Wasserfälle, dass wir mit nur einem halben Schritt nach vorn, den Wassermassen in den Grund folgen würden. Gigantisch und Respekt einflößend.

Der Guide erzählt, dass man diesen Punkt der Fälle in der Regenzeit normalerweise gar nicht mehr betreten kann, da es aber bisher so unglaublich wenig geregnet hat, trägt der Fluss nicht so viel Wasser und ermöglicht uns noch die Epupa-Falls so nah zu erleben. Mitten auf dem kleinen Plateau auf dem wir uns befinden, steht ein gigantischer Baobab Baum. Der Guide erzählt uns, das in diesen Baum, die Namen aller hier an Epupa Falls zu Tode gestürzten, eingeritzt werden. Der Baum ist über und über voll mit Namen und Daten. Wir lenken unsere Schritte noch vorsichtiger über die glitschigen Steine, um nicht auch bald auf diesem Baum verewigt zu werden.

Von dieser Stelle aus geht es circa 2km flussaufwärts, immer direkt am Strom entlang. Das erste Highlight ist kein Krokodil, sondern ein Artgenosse von Bruder Rectus, ein Esel. Wir dachten bisher immer, dass der Vergleich eines solchen Tieres mit unserem geliebten Mönch, auf der Tatsache des fast gleichen IQs fußen würde, als wir aber diesen Esel sahen, war uns klar woher diese Vergleiche rühren:

Der Guide sucht am Fluss die Orte ab, an denen normalerweise die riesigen, teils bis zu 7 Meter langen Krokodile faul in der Sonne liegen und auf unvorsichtige Touristen, oder badende Hunde warten. Hunde sind, neben kleineren und größeren Fischen aus dem Fluss, tatsächlich die häufigste Delikatesse der letzten Dinosaurier. Warum ich so viel unsinniges und uninteressantes Zeug über Hunde berichte? Ganz einfach: Weil wir seid gestern auch auf den Hund gekommen sind. Will heissen, ein kleiner Collie,  der in unserem Camp herumstrolchte, hat sich gestern Abend dazu entschlossen unseren lieben Alea als neues Herrchen zu bestimmen. Dieser Streuner ist auch jetzt wieder mit von der Partie und trottet treudoof neben uns her (Also der Hund, nicht Alea). Aufgrund der heute leider nicht scheinenden Sonne, sind sämtliche Kroko-Anlege-Plätze leider völlig leer. Auch unser lebender Köder, Aleas zugelaufener Vierbeiner, der sich an jedem der Plätze furchtlos (oder einfach nur unglaublich dämlich) in den Fluss stürzt, lockt uns keine Flusskrokodile an. Schade, ich hätte wirklich gerne mal eines dieser Riesendinger in freier Wildbahn gesehen. Aber immerhin gibt es zum Abschluss doch noch ein seltenes Tier zu melden. Unser lieber Gisi mimt, mit einem Whiskey-Cola in der Hand auf den nahen Felsklippen den gestrandeten Wal.

Naja, dann eben nicht. Eine Attraktion bleibt ja noch. Ein Dorf mit noch ursprünglich lebenden Himbas.

Kein Show-Dorf, keine Touritenattraktion, nein, ein echtes Dorf der traditionell lebenden Ureinwohnern Namibias. Jason steigt ins Fahrzeug unseres Generals und lotst uns abseits der bekannten Straßen zu diesem versteckten Dorf. Wir bringen selbstverständlich Geschenke mit, denn das wird so erwartet.  Einen großen Sack Maismehl, einen weiteren großen Sack mit Zucker, eine Flasche Öl und klar, die obligatorische Kiste Bier darf auch bei den Himbas nicht fehlen. Wir werden mit offenen Armen empfangen und die Kinder stürmen sofort auf uns zu. Der Älteste des Dorfes begrüßt jeden einzelnen mit Handschlag und dem Grußwort “Morro” – Hallo. Der Guide führt uns durch das gesamte Dorf und zeigt und erklärt uns die Lebensweise der Himba. Unglaublich. Das Dorf besitzt ungefähr 10 Hütten. Manche davon für Menschen, andere sind Hütten oder Pferche für die Tiere. Ziegen, Rinder, Hühner und Hunde streunen unangebunden quer durchs Dorf. Gisi versteht sich blendend mit den Lämmchen und findet unter ihnen auch gleich einen neuen Freund:

 

Die Hütten selbst bestehen entweder aus einfach zusammengesteckten Stöcken und Hölzern, so wie der Zaun, der rund um das Dorf errichtet ist, oder haben eine Ummantellung aus Lehm, der in diesen wenigen Hütten auch als fester Untergrund dient.In eine solche Hütte werden wir sogar eingeladen und bekommen dort von einer Himba, übersetzt von Jason, traditionelle Schmuckstücke, Teile der Tracht (voll herausgeputzt wiegt diese oft mehr als 25kg) und natürlich Reinigungsrituale, Salben und Öle gezeigt. Die Himbas benutzen zur Reinigung ihres Körpers und ihrer Kleidung niemals Wasser. Verständlich, wenn man mit der Allgegenwärtig der Wasserknappheit, beziehungsweise der totalen Abstinenz von diesem lebenswichtigen Gut im heissen Afrika konfrontiert wird. Jeder Tropfen ist kostbar. Die Kleidungsstücke werden mit speziellen Kräutern und Ölen ausgeräuchert. Zur Körperpflege benutzen die Stämme ausschließlich eine ockerfarbene Paste, die aus verschiedenen Baumharzen, vermischt mit Butterfett hergestellt wird. Die Frauen tragen zusätzlich ein selbst hergestelltes, schwarzes Parfüm auf, das entfernt nach Eukalyptus riecht. Der Geruch der Himbas ist für unsere europäischen Nasen zwar gewöhnungsbedürftig, allerdings ganz klar nicht als Gestank zu bezeichnen. Die Eindrücke des Lebens und der Gerüche lassen sich nur schwerlich in Worte fassen. Man taucht in eine vollkommen andere Welt ein. Diese Lebensweise fasziniert uns und lässt uns auf der langen Fahrt nach Opuwo noch viel darüber nachdenken. Und wieder einmal haben wir eine komplett andere Seite von Afrika gesehen. Eine Seite, die man als Pauschaltourist wohl nur sehr selten zu Gesicht bekommt.

Wir verabschieden uns von dem Stamm und schütteln noch sehr viele Hände. Der Älteste allerdings, von uns nur salopp “Der Chief” genannt, scheint sich in seine Hütte zurück gezogen zu haben. Als wir wieder zur Hauptstraße zurück fahren, wartet an der Abzweigung zu dieser, der Häuptling auf uns. Er hat sich andere Kleidung angezogen und trägt nun über seinem traditionellen rockartigen Untergewand, ein knallrotes Totenkopf-T-Shirt. Wir können uns ein Grinsen nicht verkneifen. Er fragt uns (mit Händen und Füßen, denn er selbst spricht kein Wort englisch, geschweige denn deutsch), ob wir ihn mit nach Opuwo nehmen könnten. Wir erklären uns, ob der Freundlichkeit mit denen der Stamm uns begegnet ist, sofort bereit und fangen an Horis’ und Ulis Auto umzuräumen, damit der gute Mann auf der Rückbank Platz nehmen kann. Aufgrund des T-Shirts bauen
wir unsere Bezeichnung für den Ältesten noch einmal aus.

Der Chief of Metal is in da House. Kaum hat der gute mann auf der Rückbank von Team 5 Platz genommen und diese als bequem eingestuft, fragt er uns, ob wir nicht noch Platz für eine weitere Person hätten. Das zweite Auto, Sunny und meines, wird umgebaut und ein weiteres Stammesmitglied, beziehungsweise gleich zwei, denn die Himba-Frau hat ein Kleinkind vor der Brust, wird eingesammelt. Die Kolonne und die beiden gerade umfunktionierten Himba-Taxis rollen los. Nach circa zehn Minuten on the Road berichtet Wagen 5 (Ui & Horis) per Funk, über üble Blähungen und dementsprechende Gerüche im Fahrzeug. Der Chief of Metal markiert sein Revier. O-Ton Uli: “Wir versuchen die Gerüche so gut es geht mit Zigaretten zu überdecken, allerdings lässt uns das Betätigen des Feuerzeuges jedes Mal vorher schwitzen.”

Zurück in Opuwo wird wieder vollgetankt, denn das wird vorerst die letzte Tankstelle sein, die wir in den kommenden Tagen sehen werden. Einkaufen können wir heute Abend leider nicht mehr, denn die Supermärkte sind leider alle schon geschlossen. Der Einkauf wird auf morgen früh verschoben.

Was für ein Tag. Alle sind total K.O. und hängen ihren Gedanken nach. Jeder freut sich auf sein gemütliches Dachzelt. Noch während wir Essen wird der Himmel plötzlich schwarz. Da es gegen Abend geht, scheint dieser Umstand vollkommen normal zu sein, allerdings bemerken wir schnell, dass diese Schwärze nichts mit der Dämmerung zu tun hat, denn über uns ist der Himmel nach wie vor stahlblau. Ein Gewitter zieht auf. Nur 15min später giesst es wie aus Kübeln. Als wir circa 2 Stunden später zurück zur Campsite fahren, regnet es noch immer…
Hoffentlich sind die Dachzelte trocken.

 

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