Reiseblog

2017 Mein Schiff 3

Pleiten, Pech und Pannen

Am ersten Tag auf See sehen wir in den Nachrichten die Auswirkungen von Hurricane Irma in Florida. Ich schreibe sofort ein paar Freunde an, die ich im letzten Jahr auf meiner Reise an die Ostküste Amerikas kennen gelernt habe, ob es Ihnen gut geht. Glücklicherweise schreiben alle innerhalb kürzester Zeit zurück, dass Sie in Sicherheit sind.
Auch wir haben schon ab Tag eins der Cruise mit 3-4 Meter hohen Wellen einen, trotz des riesigen Stahlkahns unter uns, spürbaren Seegang.
In Le Havre mache ich zusammen mit meinem Kumpel Marcel, der gerade zu Besuch an Bord ist und einigen Kollegen eine exklusive, für die Crew organisierte Tour auf die Brücke mit. Die Technik, die in so einem riesigen Schiff steckt ist wirklich beeindruckend. Von Tanks für Frisch- und Abwasser, mit automatischem Ausgleich des Seegangs, über Meerwasser-Entsalzungsanlagen, Mülltrennung und Verbrennung, bis hin zu einem Unterdrucksystem für die Toiletten und natürlich der Steuerung über ein kompliziertes Seekarten-, GPS-, Radar- und Computersystem bekommen wir sehr viel der hier zusammenlaufenden Technik erklärt und gezeigt. Noch beeindruckender, dass es trotz all dieser Technik tatsächlich noch ein sehr kleines, aber nichtsdestoweniger voll funktionstüchtiges Steuerrad gibt, um das Schiff vor allem im Hafen, noch per Hand zu lenken. Fotos der Instrumente auf der Brücke sind zwar leider nicht erlaubt, aber guckt mal, wie gut mir die Kapitänsrolle steht:


Einen Tag später landen wir in Tilbury an. Von hier aus sind es nur 45 Minuten mit dem Zug nach London. Da wir, dank Crew-Welfare, das Geld für das benötigte Zugticket vollständig erstattet bekommen, machen wir selbstverständlich eine, wenn auch leider kurze, Sightseeing-Tour in die Hauptstadt Englands. Mein Bild einer historischen, altbackenen Stadt, mit Gebäuden ála Buckingham-Palace und Tower-Bridge, muss einem völlig anderen weichen. London ist eine der modernsten und architektonisch interessantesten Städte, die ich bisher gesehen habe. Aber bevor ich jetzt hier versuche moderne Architektur möglichst detailgetreu zu beschrieben, schsut doch einfach selbst:

Am nächsten Tag sollen wir den Hafen von Zeebrugge anlaufen, doch schon vor dem Auslaufen aus Tilbury macht der Kapitän die Durchsage, dass wir aufgrund eines dort derzeit tobenden Sturms, aus Sicherheits-Gründen morgen dort nicht anlegen können. Wir werden bis morgen in Tilbury liegen bleiben und erst gegen Mittag von dort auf direktem Wege nach Amsterdam weiterfahren. Wow! Nach dem peinlichen Start mit der Panne bei der Parade (siehe letzter Post [hui, so viele P's an einem Platz peppen den Plog auf]), gibt es nun, statt dem Anlaufen von Zeebrugge in Belgien auch noch einen weiteren Seetag und das bei einer nur sechstägigen Kreuzfahrt, die standardmäßig schon zwei Seetage hat. Das heisst von sechs Tagen verbringen die vom Pech verfolgten Gäste nun die Hälfte davon komplett auf See.

Mitte September ist halt einfach schon eine risikofreudige Zeit für diesen Teil der Weltmeere.

Auch wenn niemand dafür etwas kann und die Sicherheit natürlich vor geht, ist es für die Gäste natürlich ärgerlich. Vor allem, weil die meisten natürlich den Tag über in London verbracht haben und viele vermutlich noch länger dort geblieben wären, wenn sie diese Information nicht erst bei Rückankunft auf dem Schiff bekommen hätten.

Dementsprechend angespannt und gereizt ist die Stimmung unserer Gäste beim heutigen Krimidinner. Die Witze zünden nicht, kaum jemand hat Lust wirklich mit zu machen und das mehrstündige Krimidinner wird für uns zur zähen Geduldsprobe.

Und das Pech reisst nicht ab. Zwar legen wir zwei tage später pünktlich in Amsterdam an, allerdings regnet es wie aus Eimern und hört ein Ende des schlechten Wetters ist nicht abzusehen. Eine Stunde bevor wir wieder an Bord sein müssen hört es dann doch noch auf zu regnen. Murphy kann manchmal echt ein Arsch sein.



Marcel nimmts gelassen. Zwar haben wir nicht so viel sehen können, aber er hat sich in den sechs Tagen bestens entspannt und fand die Art zu reisen sehr angenehm. Klar, als Family-Travel von einem Crewmitglied, wo man nicht nur den Passagier- sondern zusätzlich auch noch den Crewbereich sehen kann und nur 20€ am Tag für das Premium All Inclusive Paket bezahlt, hat man einen anderen Standpunkt, als der normal zahlende Gast.
Zurück in Hamburg treffe ich mich zum Mittagessen mit einem dort lebenden befreundeten Pärchen, die mir beim Essen erzählen, dass sie auch gerade vor ein paar Wochen in London waren und sich just dort verlobt haben. Alles gute euch beiden!

Mit dieser Sonne von Innen und der Vorfreude auf die baldige Sonne von außen, verabschiede ich mich mit einem Lächeln im Gesicht von Deutschland und freue mich auf den letzten, mediterranen Monat auf See.

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