Reiseblog

2017 Mein Schiff 3

Mit dem Van durch Portugal und Südspanien, oder: Wie ich spontan für zehn Tage nach Neuseeland flog

Ich hatte gerade als Schauspieler und Musiker vier Monate auf dem Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 3“ von TUI gearbeitet und hatte irgendwie keine besonders große Lust vom wunderschönen und 30 Grad heissen Lissabon wieder zurück ins kalte zu Deutschland fliegen. Ich mag den deutschen Winter nicht und gehe ihm, wenn möglich gerne aus dem Weg.
Mein Plan: In Portugal einen ausgebauten Van kaufen und mit diesem in den deutschen Wintermonaten durch Portugal und Südspanien fahren. Leider gab es bei diesem Plan zwei Probleme.
1.: Es ist unglaublich schwer einen vernünftigen Campervan in Portugal zu finden und

2.: Wenn man dann mal einen findet, kostet er knapp das doppelte von dem, was man in Deutschland dafür zahlen würde.
Da ich den Rückflug nach Deutschland ja von meinem Arbeitgeber TUI bezahlt bekomme, bin ich also kurzerhand doch zurück ins Kalte geflogen, um mir dort ein schönes Auto zu suchen und mit diesem dann einfach wieder gen Süden zu fahren. Soweit der Plan.
Bei meiner Online-Suche, habe ich irgendwann aus Neugierde auch nebenbei nach Flügen zu ein paar meiner „Most Wanted“ Plätze gesucht. Dabei bin ich dann eines Nachts auf einen unfassbar günstigen Flug nach Neuseeland gestoßen (Hin- und Zurück für 604€) und habe ohne lange darüber nachzudenken einfach zugeschlagen.
Der neue Plan: Mir in Neuseeland einen voll ausgestatteten Campervan kaufen - lohnt sich bei vier Monaten reisen einfach sehr viel mehr als einen zu mieten - und mit diesem Neuseeland entdecken.

Am Tag vor der Abreise organisierte ich mir noch einen Hostelplatz für die ersten vier Nächte in Auckland. Am Flughafen in Köln/Bonn, kurz vor meinem Abflug nach Shanghai, meinem Zwischenstopp, habe ich mir auch noch ein Bett für meine 16 Stunden Aufenthalt gebucht. Meine Waffe im drohenden Kampf gegen den 12 Stunden Zeitverschiebungs-Jetlag.

Die 12 Stunden Flug war ich fast durchgehend wach. In Shanghai bin ich dann (nach einer kleinen Odyssee durch die riesige Stadt beim Versuch chinesische Buspläne zu lesen) todmüde ins Bett gefallen. Nach satten 10 Stunden Schlaf, einer heissen Dusche und einem sehr leckeren Essen (zum Glück hatte die Speisekarte Bilder) für sagenhafte 2,50€, fühlte ich mich wieder wie ein Mensch und war bereit die nächsten 12 Stunden Flug anzugehen. Das Hotel hatte zwar, wie übrigens auch das Flugzeug auf dem Weg nach Neuseeland, „freies“ WLAN, dass man in China aber aufgrund der Regierung und deren Paranoia keine einzige normale Webseite besuchen kann (fast alles mit .de oder .com wird blockiert), hatte ich komplett vergessen. Also kein Facebookcheck und vor allem auch kein Google Maps-Check, für den Weg zurück zum Flughafen. Also ab zur Rezeption und ein Taxi bestellen. Zu meiner Verwunderung sprach allerdings niemand an der Rezeption auch nur ein einziges Wort englisch. Da mein chinesisch nicht besonders ausgeprägt ist, gestaltete sich die Konversation... nun... ich sage mal abenteuerlich. Ein Hoch auf die Technik der heutigen Zeit. Eine toughe Lady an der Rezeption hat sich kurzerhand eine App heruntergeladen, in die sie chinesisch sprach und mir dann die Übersetzung auf englisch angezeigt wurde. Ebenso anders herum. In der Hoffnung, dass mein Anliegen richtig übersetzt wurde setzte ich mich kurze Zeit später in ein Taxi, dass mich glücklicherweise tatsächlich, für 10€ für über 20km, wieder zurück zum Flughafen brachte.

Dort angekommen kaufte ich mir erst einmal über iTunes das neue Farin Urlaub Album „Berliner Schule“ und habe es mit dem sehr langsamen Internet im Terminal sogar fast noch geschafft es zur Gänze herunter zu laden.
Mit neuer Musik auf den Ohren ging es weiter. Weitere 12 Stunden Flug und weitere 6 Stunden Zeitverschiebung später, landete ich um 18 Uhr Ortszeit in Auckland.
Die Einreise war, dank des elektronischen Visums, welches automatisch mit dem Pass verbunden ist, sehr unkompliziert. Eineinhalb Stunden später checkte ich in dem wunderschönen, kleinen Hostel „Verandahs Backpacker Lodge“ ein und machte mich direkt auf zum Supermarkt: Huuunger!
Mein erster Gedanke: Krass, ist das teuer hier! Zwar waren die Preise natürlich alle in Neuseeland-Dollar angegeben, der ein bisschen mehr als die Hälfte an Euros wert ist, aber mit Brot für 8$, Bier (IPA) für 14$ und Shampoo für 6$ habe ich tatsächlich nicht gerechnet. Wobei ich das Bier leider sowieso nicht kaufen durfte, da ich meinen Reisepass nicht dabei hatte. Ich bin wirklich geschmeichelt, dass ich jung auszusehen scheine, aber Leute im Ernst, ich bin 33!!!
Na gut, kein Bier für Sören, dafür eine Pizza Vegetaria von Dominos nebenan (ich wollte nicht noch selbst kochen) für unschlagbare 5$, knappe 3€. Läuft.
Durch meinen Schlafstopp in Shanghai und mein wach bleiben im Flieger, schlafe ich sehr gut ein, wache nicht ein einziges Mal in der Nacht auf und bin am nächsten Morgen um 8 Uhr angenehm ausgeschlafen. Nimm das, Jetlag!


Den ersten Tag gönne ich mir ein bisschen Pause, erkunde zu Fuß das Stadtzentrum von Auckland, koche vernünftig, lerne liebe Leute im Hostel kennen, welches zu gefühlt 95% von Deutschen besiedelt ist und mache mich schon mal etwas schlau über den Autokauf und die Anmeldung hier in Neuseeland. WOF, REG, AA, NZMSC, self contained, DOF Camping... Absolutes Neuland für mich.

Ab Tag zwei begebe ich mich aktiv auf die Suche nach einem geeigneten fahrbaren Untersatz. Ich weiss ziemlich genau was ich will: Einen kleinen Bus mit großem Bett, kleiner Küche mit 2 Kochfeldern, Waschbecken und Co, am liebsten so eigebaut, dass man bei schlechtem Wetter auch mal drinnen kochen kann, eine kleine Sitzecke und ein bisschen Wohlfühl-Platz. Je nach Ausstattung muss man da durchaus mit 6000-9000$, umgerechnet 3500-5000€ rechnen. Vor allem jetzt, am Beginn der Hauptsaison, kurz vor Beginn des Sommers. Das Blöde dabei: Durch die hohe Nachfrage steigen selbstverständlich auch die Preise für die Vans. Naja, viel hilft viel und so schreibe ich schon am ersten Tag 12 verschiedene Leute mit geeigneten, oder annähernd geeigneten Autos an. Ich finde sehr viel mehr als 12 Autos die mir gefallen, dummerweise stehen wohl die meisten dieser Vans in Christchurch, auf der Südinsel von Neuseeland und nicht hier in Auckland, ganz im Norden der Nordinsel. Zwei Tage und immer noch kein Auto später, nutze ich noch meine zweite Option, den großen Gebraucht-Automarkt in Elleslie, einem Teil von Auckland. Leider sind hier fast nur Händler unterwegs, die billig Autos einkaufen, lieblos eine Art Ausbau dort hineinknallen und dann versuchen diese Autos überteuert an Backpacker weiterzuverkaufen. Einen Van jedoch finde ich, der mir mehr als gut gefällt. Ein unglaublich schön und liebevoll ausgebauter Nissan Van, der von einem amerikanischen Pärchen verkauft wird (siehe Bilder unten). Der Ausbau ist zwar wirklich toll und ich hätte auch sofort zugeschlagen, allerdings waren mir 450.000km dann doch etwas viel. Selbst wenn die Maschine noch sehr gut läuft, das Ding kriege ich am Schluss garantiert kaum noch verkauft, oder, wenn überhaupt, dann nur mit einem massiven Verlust, denn klar, wenn sich im März der Sommer so langsam wieder seinem Ende neigt, versuchen auch alle Backpacker wieder gleichzeitig ihre Autos zu verkaufen, es kommen nur wenige Leute für den Winter an und der Spieß dreht sich um...

 

Nur einen Tag später finde ich in einer Facebookgruppe das perfekte Auto. Ich beschließe die beiden Tage, die die jetzigen Besitzer noch von Auckland entfernt sind zu warten. Natürlich schaue ich noch weiterhin nach geeigneten Autos, aber irgendwann hat man die Angebote alle abgegrast und findet immer nur dieselben Fahrzeuge auf den verschiedenen Seiten und Facebookgruppen. Ich verabrede mich mit dem sehr netten deutschen Pärchen in einem Einkaufszentrum außerhalb der Stadt. Der Bus dorthin kostet mich 25$. Eine Stunde vor der verabredeten Zeit, ich sitze gerade im Bus und freue mich auf das Auto,bekomme ich eine SMS, dass der Van soeben verkauft wurde und ich nicht mehr vorbeikommen soll. Meine letzte Hoffnung noch diese Woche einen Van zu finden und endlich losfahren zu können hat sich also zerschlagen, noch bevor ich überhaupt ein Auge auf das Objekt meiner Begierde habe werfen können. Ich setze mich bei meiner Ankunft stumpf vor die riesige Mall und fange fast an zu heulen, so enttäuscht und entmutigt bin ich. Eine Woche, circa 80 Mails und 20 Autobesichtigungen und immer noch keinen fahrbaren Untersatz... Sind meine Erwartungen zu hoch? Sollte ich doch einfach einen der lieblos eingerichteten Händler-Vans kaufen?

Ich fahre zurück ins Hostel, klappe den Laptop auf und buche mir spontan für den nächsten Tag einen günstigen Flug nach Christchurch. Also die Klamotten wieder eingepackt und ab zur Südinsel. Mal sehen ob ich dort mehr Glück habe.

Zurück