Reiseblog

2017 Mein Schiff 3

Endlich Sonne!

Endlich Spanien! Endlich Sonne! Ich streife in kurzer Hose und T-Shirt ziellos durch die kleinen Gassen von La Coruña und genieße die Wärme. In einem kleinen Café mit gutem Internet mache ich eine kleine Mittagspause und bereite Bewerbungs-E-Mails für Auftritte mit meiner Band auf Festivals in 2018 vor. Ich arbeite ein bisschen, suche neue Festivals und Ansprechpartner im Internet und erweitere meine Liste. Dazu trinke ich einen Cortado (quasi einen gestreckten Espresso) und gönne mir ein paar kleine Tapas. Wenn man so in der Sonne sitzt und das Leben genießt, ist die Arbeit nebenher irgendwie gar nicht mehr so präsent. Überhaupt versuche ich ja eh seit Jahren den Winter in Deutschland so gut es geht zu vermeiden. Vor fünf Jahren war ich in Afrika, vor vier Jahren in Vietnam, vor drei Jahren in Südamerika und vor zwei Jahren in Florida. Letztes Jahr war ich zur Abwechslung dann auch mal wieder Zuhause. Mein Plan für dieses Jahr: Direkt nach dem Absteigen vom Schiff einfach in Lissabon zu bleiben, mich dort nach einem geeigneten Van umschauen, der entweder schon umgebaut ist, oder den man umbauen kann und dann den Winter über in diesem Auto zu schlafen, kochen, leben und an der Küste in Spanien und Portugal entlang zu cruisen.
Dafür suche ich jetzt schon im Internet nach geeigneten Autos. Aber das Angebot an solchen Campervans in Portugal ist ziemlich rar.

Am Abend spiele ich das erste Mal mein Mittelalter-Solo an Bord. Leider ist die Show exakt auf unsere Abfahrtzeit aus dem Hafen gelegt und gleichzeitig gibt es noch eine Party am Pool, draußen in der Sonne. Klar, dass zu solch einem Zeitpunkt nicht mit viel Publikum gerechnet werden kann. Wobei hier das „Publikum“ sehr hoch gegriffen ist, denn es sind exakt 6 Leute anwesend. Da an diesem Tag schon zwei andere Shows im Klanghaus aufgrund von zu wenig Zuschauern abgesagt wurden, beschließe ich die Show trotzdem zu spielen. Ich lasse die Leute alle in die erste Reihe kommen, setze mich im Schneidersitz vorn auf die Bühne und spiele ein kleines, feines Privatkonzert. Gegen Ende des Konzertes wünscht sich einer der Sechs „Aussatz“ von mir. Den Wunsch erfülle ich natürlich gern und erfahre nach dem Konzert, dass besagter Mann auf meiner letzten Tour anwesend war, mich schon seit Jahren auf YouTube verfolgt und sich sehr gefreut hat, als er (durch Zufall an Bord) gelesen hat, dass ich auftrete.
Überhaupt gab es bisher noch keine einzige Fahrt, und es ist mittlerweile immerhin unsere in etwa zehnte Cruise, in der ich nicht mindestens ein mal auf Das Niveau, oder meine Auftritte auf dem MPS angesprochen wurde. Schon lustig. Ich hätte nie gedacht, dass sich so viel Mittelalterpublikum auf so ein Schiff verirrt.

 

Den Seetag nach La Coruña verbringe ich mit Blog schreiben und mal wieder einem ausgiebigen Training in unserem Crew-Gym. Ich bin mittlerweile und endlich mal wieder, richtig gut im Training. Ich habe sogar das erste Mal, nach circa 10 Jahren mit 64,5kg, tatsächlich mal 2kg zugenommen. Yeah, dran bleiben. Darüber hinaus trainiere ich übrigens seit ein paar Wochen fast jeden Tag, mit Hilfe von Micha und Anna, zwei unserer Akrobaten, meinen Handstand. Ich will endlich auf meinen Händen einfach stehen können. Ohne zu laufen, ohne Hohlkreuz im Rücken. Einfach einen schönen, geraden Handstand. Glaubt mir, so einfach es sich anhört, es ist wirklich kack-schwer, einfach nur gerade zu stehen... Aber tschakka, ich will das können!


Von Lissabon am Tag darauf sehe ich nicht viel, außer den Ausblick vom Schiff auf die Stadt und ein Café gegenüber von Innen. Ich nehme meinen Laptop, setze mich in ein Café direkt gegenüber unserer Anlegestelle und schicke Bewerbungen ab. Da wir insgesamt noch zwei weitere Male in Lissabon sind und ich ja hier nach meinem Abstieg vom Schiff sowieso einige Tage bleiben will, habe ich noch genug Zeit mir diese wunderschöne Stadt ganz in Ruhe anzuschauen.

Zurück an Bord nehme ich meinen Laptop mit hoch aufs Crew-Sonnendeck, gönne mir ein Bierchen, mache Neil Young an und genieße den immer wieder aufs neue atemberaubenden Sonnenuntergang auf See.

 

Cadíz am Tag darauf, erobert mein Herz im Sturm. Die Stadt ist einfach nur super! Ein schöner kleiner Strand mit Felsen im Meer. Unzählige kleine Tapas-Bars und Bodegas und es ist unglaublich günstig hier. Man muss sich schon wirklich anstrengen ein Bier in einer Bar zu finden, dass teurer ist als 2€. So sitze ich also ein mal mehr auf einer sonnigen Terrasse, habe Bier und Tapas vor mir stehen und suche nach Autos für meine Zeit nach dem Schiff. Ich finde einen sehr interessanten umgebauten Van, der gerade von einer Deutschen, die lange in Spanien gelebt hat, in Barcelona verkauft wird. Da wir in zwei tagen just dort anlegen, verabrede ich mich dort mit ihr, klappe zuversichtlich und glücklich meinen Laptop zu und genieße noch ganz in Ruhe den Rest meiner kleinen Zwischenmahlzeit.



Auf dem Weg zurück zum Schiff treffe ich unsere Tänzer am Strand und lege mich noch ein bisschen mit dazu in die Sonne. Da ich keine Badehose eingepackt habe (ich Depp), gehe ich kurzerhand mit meiner Hose ins Wasser. Immerhin habe ich daran gedacht vorher mein Handy aus der Tasche zu nehmen.

Ich weiss, dass wir heute Abend Krimidinner Aufführung haben, ich weiss allerdings dummerweise nicht genau wann. Auf dem Rückweg gönne ich mir, Marilia, einer unserer Sängerinnen und Vinzenco, einem unserer Tänzer noch ein Eis und beide bedanken sich artig (und nennen mich seitdem nur noch Papa). Auf dem Schiff angekommen, kommen mir zwei meiner Schauspielkollegen schon fertig geschminkt und in Kostüm aus dem Theater entgegen. Oha, ich bin wohl doch etwas knapp zurück gekommen.
Da ich mich zum Glück weder groß schminken, noch viel umziehen muss und auch erst am Schluss des ersten Aktes das erste Mal auftauche aber absolut kein Problem. Am Ende habe ich noch mehr als 30 Minuten Zeit, bevor ich meinen Auftritt als schwuler Bauchtänzer habe, eine kurzweilige Tanzeinlage, bevor ich mich im Wechsel zwischen dem ersten und zweiten Akt dann in Schale werfe und mich in Jack verwandele.
In diesem Sinne sage ich: „Nobody knows how deep the ocean is, darling“ und bis zum nächsten Mal.

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