Reiseblog

2017 Mein Schiff 3

Das letzte mal Nordsee

Eineinhalb Monate vor Schluss ist endlich so etwas wie eine Arbeitsroutine eingekehrt. Die Stücke stehen, keine Verletzungen, oder Massenkrankheiten, Seuchen, Pest, oder Cholera, die die Mannschaft einen nach dem anderen dahinrafft, oder uns neue Kollegen beschert, kurzum: Et läuft.
Endlich haben wir genug Zeit fast jeden Tag die Landgänge zu genießen, uns die interessanten Städte anzuschauen, die wir jeden Tag besuchen und uns ohne tägliche Proben frei zu bewegen. Ich genieße die letzte Fahrt in den Norden. Genieße ein letztes Mal den Geiranger Fjord, mit einer von uns (Crew-Welfare) in letzter Sekunde organisierten Busfahrt hinauf auf den Fjord, auf 1038 Meter und genieße mein erstes bisschen wirklich freie Zeit auf dem Schiff.
Jetzt bekomme ich endlich einen Eindruck davon, wie es normalerweise ist, als Schauspieler auf einem Schiff zu arbeiten und ich kann nur sagen: Es gibt schlimmere Arbeitsplätze.

[Hierher kommt noch das Video von der Fahrt auf den Geiranger - Uploading, please wait]


Ich finde wie immer viele Kleinigkeiten, wo definitiv von TUI die Bedingungen noch verbessert werden könnte, Stichwort Hilfe bei der Anwartschaft der regulären Krankenversicherung, Verträge in denen man als Arbeitnehmer nicht zusätzlich noch die Steuern für die Firma zahlen muss (danke Steuerloch Malta), genauere Regelungen und damit weniger Willkür bei der Auslegung dieser durch die Offiziere um einen herum, logischer geplante Proben und Übernahmen, eine deutlich stärkere Überprüfung der Fähigkeiten der Manager an Bord und viele, viele weitere kleine Punkte.
Ja, ich weiss das TUI Cruises im Kreuzfahrtgeschäft noch relativ am Anfang steht, aber für ein so großes und starkes Unternehmen wirkt vieles auf mich als dort Beschäftigten noch sehr chaotisch und irgendwie unfertig. Das ist natürlich nur meine rein subjektive Sicht, die sich auch ausschließlich auf den Personalbereich und nicht auf den Gästebereich bezieht. Das, was ich von dort mitbekomme wirkt alles sehr professionell und das ist ja letztendlich das worum es geht, die Wahrnehmung des Gastes.


Ein perfektes Beispiel was ich damit meine, ist die Show Varieté. Ich spiele in dieser Show einen Zirkusdirektor, der durch Monologe über seinen Zirkus, die Artistik- und Tanznummern miteinander verbindet. An einer Stelle im Stück führe ich einen choreographierten Zaubertrick mit Flachen auf, wo aus zwei Röhren und sichtbaren zwei Flaschen nach dem Monolog plötzlich 9 gleiche Flaschen auf dem Tisch stehen und das Glas, welches immer wieder zwischendurch zum Vorschein kommt, jede Mal aufs neue mit Wein gefüllt ist. Ich mag den Trick sehr und die Reaktionen des Publikums sind großartig, da nach dem extra sehr stümperhaftem Anfang irgendwann eine Flasche nach der anderen auf dem Tisch landet, wenn man schon längst nicht mehr mit einem wirkliche Zaubertrick rechnet, herrlich.
Das Problem war nun, dass ich schon bei der ersten Probe an Bord festgestellt habe, dass das Ventil für das Nachfüllen des Glases nicht funktioniert und, noch viel schlimmer, die Flaschen dermaßen verformt sind, dass man an zwei Stellen des Tricks keine Möglichkeit hat den Trick zu retten, wenn die Flaschen mal wieder ineinander verkeilen. Es ist also in jeder Vorstellung eine 50:50 Chance, ob der Trick gelingt, oder nicht. Dies habe ich selbstverständlich schon in meiner zweiten Woche an Bord angemerkt. Passiert ist seitdem leider nichts. Natürlich haben sich die Flaschen auch mit fortlaufendem Trick immer weiter verformt und sind nun mittlerweile so unbrauchbar geworden, dass ich mich heute bei der Aufführung geweigert habe, den Trick mit auf die Bühne zu nehmen. Ich bin gespannt was passiert, denn das ist, so O-Ton des Managements „nicht meine Entscheidung“. Aber ganz im Ernst: Was kann ich tun, wenn etwas derart kaputt ist, dass es nicht mehr brauchbar ist? Einen Artisten hängt man schließlich auch nicht an ein kaputtes Seil.



Aber widmen wir uns wieder positiveren Dingen:
Die nächsten beiden Touren unseres schönen Schiffes sind nämlich ganz besondere Event-Cruises. 4 Tage „Rockliner“ mit Konzerten von Udo Lindenberg und direkt im Anschluss 4 Tage lang „Schallwellen – Festival auf See“.
Wir haben während dieser gesamten 8 Tage, bis auf ein Mal pro Fahrt Karten abreißen im Theater, keine Aufführungen, Lesungen, oder sonstige Duties. Während also der Rest des Schiffes ob der überproportional viel trinkenden und feiernden Meute eher Überstunden machen muss, haben wir 8 Tage sowas wie frei. Endlich komme ich mal dazu meine ganzen angesammelten Let's Plays zu sortieren, zu rendern, ein neues Video für YouTube aufzunehmen (wenn über meiner Kabine im Theater gerade mal keine Show ist), den Blog weiter zu schreiben und meine ganzen Fotos mal zu sortieren und schon mal anzufangen nachzubearbeiten, und wir, als Cast kommen endlich mal dazu meine in Kiel gekauften neuen Spiele „Dead Man's Draw“ und „Isle of Skye“ auszuprobieren.

Zum Abschluss noch ein paar Fotos aus den letzten Tagen im Norden.
Der nächste Post dann zu den Event Cruises.

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