Reiseblog

2010 Jakobsweg

Tag 27 bis 31

Santiago

Angekommen. Den Waden des Barden geht es, trotz allmorgenlicher Kaelte immernoch gut. Trotzdem habe ich mich hier dazu entschlossen, doch noch die ein und andere Mark-Fuffzich in eine neue lange Hose zu investieren. Immerhin gehts ja noch weiter nach Finisterre und Muxia. Mal sehen, vielleicht trau ich mich ja auch noch ins arschkalte Wasser des Meeres...

Wieso ich ueberhaupt nach Santiago gepilgert bin? Na, es ist doch Xacabeo, das heilige Jahr! Was an dem Jahr so besonders ist? Na, seht doch selbst...und deshalb pilgert der versuendigte Barde... (NICHT)

Was ich beim letzten vor lauter Anderspilger ja glatt vergessen habe zu schreiben, sind meine Kilometerbewaeltigungen der letzten Woche Camino. Es ist wirklich unglaublich, wie man sich ans Laufen gewoehnt. Waren am Anfang noch 25km fast nicht zu schaffen und schmerzten einem die Fuesse des Abends nach dem Marsch, so gewohent man sich doch mit der Zeit an das Gewicht des Rucksackes und den Muskelkater der Beine...

Seit vorletzter Woche Freitag bin ich ueber 200km gelatscht. Und zwar im Rekordtempo... Freitag 25km, Samstag 41km, Sonntag 37km, Montag 50(!)km, Dienstag 23km, Mittwoch 35km, Donnerstag 20km.

Donnerstag um 12Uhr bin ich dann puenktlich in Santiago angekommen.

Den Abend vorher habe ich noch in Pinto de Arco mit einigen Spaniern einen sehr netten, feucht-froehlichen Abend verbracht. Und was sich da so zutrug, das seht ihr hier:

Aber ich war nicht der einzige Musiker dort... Es gab noch 2 spanische Schalmeien spielende Franzosen, die ich euch auch nicht vorenthalten moechte:

Die bekloppten Spanier, habe ich dann in Santiago wiedergetroffen... aber wie. Ich kehrte vorgestern in der weltberuehmten "Casa Manolo" ein, um mir ein delikates Pilgermenue unter den Nagel zu reissen und mir mal wieder so richtig den Wanzt vollzuschlagen (was mir auch gelungen ist und zwar mit gefuehlten 2 Zentnern geroesteten Rippchen im Magen). Ich stehe also gute 20 Minuten an um einen der begehrten Tische zu erhaschen. Manolo hoechstpersoenlich geleitet mich also an meinen Tisch und noch bevor er mir diesen zuweist und ich mich setzen kann, erhebt sich rechts von mir ein Gebruell. "HAAAALLIIIIII HALLOOOOOO ELIIIISABETH, LALALALA LALA LALALALA, HALLIII HALLOOO...".

nein, nicht mein Essen. Diese Pilze sollte man auch in Spanien eher meiden...

Meine spanischen Freunde sassen allesamt direkt um die Ecke an einem grossen Tisch und taten just das, was ich auch vorhatte (nein, nicht den Vogelbeerbaum groehlen, sondern Essen...). Zum Gegroele standen alle natuerlich standesgemaess auf und johlten aus voller Kehle durch das gesamte Restaurant. Sehr lustig. Aber wir sind ja in Spanien und nicht in Deutschland, also pikierte sich auch niemand.

Noch am selben Tag in der Herberge sah ich, dass es Internet umsonst gab und das sogar an 3 PCs... also... eigentlich... Denn zwei dieser drei waren kaputt. Ich machte dem Herbergsvater also das Angebot, ich koenne sie mir ja mal anschauen und mal sehen, ob ich sie nicht reparieren kann, da ich mich mit sowas ja relativ gut auskenne. Der Herbergsvater strahlte und fragte: "Du kennst dich also gut mit Linux aus?"

Ich dachte: Scheisse, Linux, nee, nie mit gearbeitet... sagte aber: "Klar, natuerlich!" und machte mich sofort daran zu sehen, was denn los ist. Nach 2einhalb Stunden Google befragen und dem wohlbekannten Try&Error Prinzip, lief einer der beiden Rechner wieder reibungslos. Der andere machte mir mehr Probleme, da man ueberhaupt nicht mehr ins System kam, aber auch diesen (an dem ich uebrigens gerade sitze und tippe), habe ich gestern noch reparieren koennen. Daraufhin war der Herbergsvater so begeistert, das ich nun fuer mein Hostal in Santiago nichts mehr bezahlen muss :-)

Nichtsdestotrotz schlief ich gestern auf einer fremden Couch. Ich wollte das Nachtleben von Santiago erkunden und schrieb einige Leute in Couchsurfing an, woraufhin sich folgendes ereignete:

Ich bekam von einem jungen Herrn eine Mail zurueck, bei derem Inhalt ich so lachen musste, dass ich fast vom Stuhl gekippt waere und mal wieder dachte "That's the Camino".

Besagter Mann, Jens mit Namen, schrieb, dass er vorhin in der Stadt essen war und jemanden gehoert hat, der Lieder von "Das Niveau" sang. Nee, hat er sich gedacht, das kann ja garnicht sein, da hab ich mich bestimmt verhoert und kehrte daraufhin in ein Restaurant ein. Als er nach dem Essen an seinen Arbeitsplatz zurueckkehrte, hatte er meine Mail in seinem Couchsurfing Postfach. Ihm fiel mein Nickname (Ranarion) auf und er dachte sich... Mensch, das hast du doch irgendwo schonmal gehoert. Daraufhin fiel es ihm wie Schuppen aus den Haaren, dass er mich von YouTube kannte und das es dann wohl tatsaechlich so war, dass da vorhin jemand Lieder von "Das Niveau" gespielt hat mitten in Santiago, naemlich icke!
Zufaelle gibts...

Das Nachtleben in Santiago ist gut, wenn auch nicht soo ausgepraegt und toll wie das in León. Ich war mit einer sehr netten WG unterwegs, bei denen ich auch in der Kueche auf dem Sofa schlief und habe spaeter in einem Club noch wen getroffen? Klar, Jens :-)

Noch mehr tolle Zufaelle recht? Einen hab ich noch. Als ich heute in die Herberge zurueckkehrte um meinen Rausch noch ein wenig auszuschlafen und noch einen Tag mehr Pause vor den 100km nach Finisterre einzulegen, ging ich ins Bad um mich zu rasieren. Als ich gerade eingeseift war und anfangen wollte die Messer zu schwingen oeffnete sich die Tuer und Peter (der Tscheche aus meinem allerersten Blog vom Camino) stand vor mir.

Wahnsinn... da laeuft man sich, obwohl man denselben Weg geht innerhalb von 4 Wochen nicht ein einziges Mal ueber den Weg und ploetzlich trifft man sich in Santiago wieder.... verrueckt.
Wir beschlossen sofort zusammen was essen zu gehen und nachdem ich Peter von der Casa Manolo vorschwaermte, war auch klar wohin...

Bin ja mal gespannt wen ich in Finisterre und Muxia noch alles so wiedertreffe. Beziehungsweise hier noch in Santiago bevor ich zurueckfliege...

Aber dazu dann mehr im naechsten Blog.

Euer Wanderbarde

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